Die Träger der Bürgermedaille bei der Verleihung im Rathaus: (hinten v.l.) Michael Minzlaff und Uwe Lehmann, (vorne v.l.) OB Florian Hartmann, Annemarie Pattis, Herta Blettinger, Ludwig Gasteiger und Carlos Benede. foto: ans

Sieben Dachauer mit Bürgermedaille geehrt

Dachau - Sieben Dachauer sind von der Stadt für ihre selbstlosen Verdienste um das Wohl der Allgemeinheit geehrt worden: mit der silbernen Bügermedaille. Bei Sybille Weigert musste dies leider posthum geschehen: Sie ist Ende November verstorben.

In sieben kleinen, quadratischen Schatullen mit dem Dachauer Stadtwappen sind die silbern glänzenden Bürgermedaillen verpackt. Auch Oberbürgermeister Florian Hartmann trägt zur festlichen Bürgerehrung seine goldene Amtskette um den Hals. Es ist eine besonders heimelige Atmosphäre im vollbesetzten alten Sitzungssaal des Rathauses: An einer massiven Holztafel sitzen rund 70 Gäste zusammen, sogar die Plätze an den Seiten und am Ende des Raumes sind belegt, von Stadträten, Ehrenamtlichen, und deren Familien und Freunden. Im vorderen Eck des Raumes stimmen Robert Gasteiger und Sigi Heigl, die „Rosi Musi aus Dachau“ mit der Gitarre und Zither auf die wärmenden Worte über die sieben Geehrten ein.

Bereits im Jahr 1968 rief der damalige Oberbürgermeister Dr. Lorenz Reitmeier die erste Bürgerehrung ins Leben. Nur fünf Jahre danach beschloss der Stadtrat, die besonders engagierten Ehrenamtlichen auch mit einer Medaille zu ehren. Dabei legte der Stadtrat fest: „Die Dachauer Bürgermedaille werde für Verdienste um das Wohl der Stadt, für selbstlosen Einsatz im Dienste der Allgemeinheit und für besondere Fälle verliehen“, zitierte OB Florian Hartmann aus den Voraussetzungen für die Auszeichnung.

Dass Herta Blettinger selbstlos handelt und nicht auf ihren eigenen Nutzen schaut, zeigt sich in ihrem Engagement seit über 20 Jahren beim Tierschutzverein Dachau: Nachdem sie jahrelang mit Jugendlichen Tierschutzaktionen organisierte, steht sie jetzt nachts für den telefonischen Notdienst parat und managt vor allem an Wochenenden den Bürodienst. Außerdem kümmert sich Blettinger seit Jahren um mutterlose Katzenbabys und zieht sie mühevoll mit der Flasche groß. Silvia Gruber, Vorsitzende des Tierschutzvereins, schlug die außergewöhnlich engagierte Helferin daher für die Bürgermedaille vor: „Sehr viele Tiere verdanken ihr das Leben und würden, wenn sie denn könnten, Frau Blettinger ebenfalls für diese Ehrung vorschlagen.“ Im Namen der Stadt „und zahlreicher Katzen“ verlieh OB Hartmann schließlich die erste Bürgermedaille - und brachte dabei auch das Publikum zum Schmunzeln.

Ludwig Gasteiger opfert als erster Schützenmeister des Vereins „Alt-Dachau e.V.“ seit rund 25 Jahren einen Großteil seiner Freizeit dem Ehrenamt. Dabei organisiert und leitet er Vereinsschießen, hält die Schießstände in Schuss und repariert die Schützenscheibenrahmen. Gleichzeitig ist er auch Vorstand der Dachauer Soldaten- und Reservistenkameradschaft und pflegt die Kontakte mit dem Klagenfurter Soldaten- und Kriegerverein sowie mehreren Vereinen in den Niederlanden und Österreich. OB Hartmann lobte: „Ludwig Gasteiger leistet damit auch einen Beitrag in der Versöhnungsarbeit. In diesem Bereich sind leider nur noch sehr Wenige aktiv, und der Nachwuchs muss mit großem Aufwand aufgebaut werden.“

Uwe Lehmann ist wiederum in einem ganz anderem Feld tätig, aber ebenso mit vollem Einsatz. Seit 2003 hilft er Flüchtlingskindern aus der Kufsteiner Straße bei der Hausaufgabenbetreuung. Außerdem setzte sich der technikaffine Rentner für einen Internetanschluss in der Unterkunft ein. Dass die Asylbewerber das Internet missbräuchlich nutzen könnten, davon wollte Lehmann nichts wissen. Stattdessen versuchte er, das Haftungsrisiko zu beseitigen und wurde damit auch Ansprechpartner für viele Helferkreise aus ganz Bayern. „Ohne Uwe Lehmann gäbe es kein Internet, zumindest kein so frühzeitiges und kostengünstiges, in der Gemeinschaftsunterkunft der Kufsteiner Straße“, bestätigte Waltraud Wolfsmüller vom Arbeitskreis Asyl.

Michael Minzlaff war in seinen über 30 Jahren als Vorstand und Sportwart des Golfclubs nicht nur beliebter Ansprechpartner. Sondern: „Wir haben uns auch sehr um die Aussöhnung mit den Amerikanern bemüht“, betont er. Denn bei der Gründung im Jahr 1965 stand der Golfplatz noch unter den Fittichen der Amerikaner. Außerdem war Minzlaff Mitbegründer der Basketballabteilung des TSV 1865 Dachau und in der Jugendabteilung als auch im Seniorenbereich ehrenamtlich tätig. Die schmeichelnden Worte für sein Engagement ehrten ihn sehr: „Könnten Sie mir diese Lobesblätter vielleicht für meine Frau mitgeben?“, witzelte Minzlaff und riss die Bürgermedaille lächelnd an sich.

Dann rief Florian Hartmann die fesch im roten Dirndl gekleidete Annemarie Pattis auf. Das traditionelle Dirndlgewand und ihre modernen Stiefelletten könnten auch Sinnbild für „ihren“ Verein artTextil sein. Seit rund 15 Jahren ist sie Vorsitzende und möchte im handwerklich-textilen Gestalten des Vereins sowohl alte Techniken pflegen, aber diese auch neu interpretieren. Neben der Organisation von zahlreichen Ausstellungen setzt sich Pattis dafür ein, dass international anerkannte Textilkünstlerinnen nach Dachau kommen und bei artTextil ihr Wissen in Kursen weitergeben. Vorstandskollegin Lydia Pallauf nominierte Annemarie Pattis für die Bürgermedaille: „Annemarie Pattis ist der kreative Kopf von artTextil und hat maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Vereins.“

Dann wurde es besonders still und andächtig im Sitzungssaal, denn die zu ehrende Sybille Weigert ist verstorben. Dem Stadtrat und dem Mieterverein waren es aber trotzdem ein großes Anliegen, die Medaille posthum zu überreichen. Der Bruder der Verstorbenen nahm die Bürgermedaille schließlich entgegen. „Engagiert, umsichtig, standfest und aufopferungsvoll setzte sie sich mehr als 30 Jahre für die Rechte der Mieter in unserer Stadt ein“, lobte OB Hartmann. Als Kassenwärtin und Vorstandsmitglied erstellte sie zum Beispiel den Mitspiegel und organisierte mit großem Einsatz alle politischen Aktionen. Außerdem vertrat sie den Mieterverein im Sozialausschuss der Stadt Dachau. Doch das reichte ihr noch nicht: Sybille Weigert war Stadträtin, Betriebsrätin, Vorstandsmitglied im Ortskartell Dachau des Deutschen Gewerkschaftsbundes, bei der IG Metall und Gründungsmitglied einiger Dachauer Vereine, wie dem Bündnis für Dachau. Zuletzt engagierte sie sich im Projekt Soziale Stadt Dachau-Ost.

Carlos Benede ist Polizeibeamter, Gründer und Vorsitzender des Vereins Weitblick e.V., Menschenfreund und Vater. In seinem Beruf als Polizeibeamter betreut er Menschen, die Opfer von Verbrechen geworden sind: „Es sind Opfer in deren Seelen die Täter so tiefe Wunden rissen, dass dieses nie wieder ganz heilen“, betonte Florian Hartmann. Es sind vor allem Kinder und Jugendliche: Einer davon heißt Alex, dessen leiblicher Vater seine Mutter tötete. Carlos Benede baute eine Beziehung zu dem Buben auf und adoptierte ihn schließlich, einige Jahre später adoptiert er einen anderen kleinen Buben mit demselben Schicksal. Außerdem gründete er den Verein Weitblick-Jugendhilfe in Dachau und schenkt dadurch traumatisierten, gewaltbereiten und entwicklungsgestörten Kindern und Jugendlichen ein neues Zuhause.

Neben der Bürgermedaille bekamen die Ehrenamtlichen eine Anstecknadel und eine blaue Urkundenmappe. Nach der Auszeichnung konnten sie sich bei einem Festessen im Zieglerbräu austauschen.

(ans)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Pkw kracht in Sattelzug
Wie durch ein Wunder ist der Fahrer eines VW bei einem schweren Auffahrunfall am Mittwochvormittag nicht verletzt worden. Er war in das Heck eines Sattelzuges geprallt, …
Pkw kracht in Sattelzug
Neue Ampel in Dachau: Rückstau wegen eines Fehlers
Die erste Bewährungsprobe für die neue Ampelanlage an der Kreuzung Freisinger-/Prittlbacher- und Alte Römerstraße hat es am Montagfrüh gegeben – und sie ist gründlich …
Neue Ampel in Dachau: Rückstau wegen eines Fehlers
„Was kommt nach dem Rekordhaushalt?“
Er ist beschlossen: Am Freitag hat sich der Kreistag einstimmig für den vorgestellten Haushaltsentwurf 2017 sowie die Finanzplanung bis 2020 ausgesprochen. Wie …
„Was kommt nach dem Rekordhaushalt?“
Wenn die Abschiebung droht
Oft dauert es mehrere Monate, bis Asylbewerber das Ergebnis ihres Asylantrages erfahren. Ein negativer Bescheid kann dann jede Hoffnung auf einen Schlag zerstören. Doch …
Wenn die Abschiebung droht

Kommentare