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Diebesgut im Wert von 100000 Euro fand die Polizei im November in der Wohnung eines Paketzusteller. 

Kriminalitätsstatistik der Polizei

So sicher ist der Landkreis

5359 Straftaten hat die Polizei Dachau im Jahr 2016 registriert, ein Prozent mehr als im Jahr zuvor. Mehr Körperverletzungen, viel mehr Fahrraddiebstähle und ein extremer Anstieg an Einbrüchen – zu denen allerdings auch die Einbruchsversuche zählten.

Dachau – Die Zahl der Straftaten im Landkreis Dachau ist leicht angestiegen. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei insgesamt 5359 Straftaten, rund ein Prozent mehr als im Jahr 2015. Der „geringfügige“ Anstieg lässt sich laut Polizeisprecher Björn Scheid vor allem auf die vermehrten Körperverletzungen zurückführen: Insgesamt kam es im Vorjahr zu 719 Delikten, einer Steigerung von rund 24 Prozent. Das liegt vor allem an den Auseinandersetzungen in den Flüchtlingsunterkünften, entweder der Flüchtlinge untereinander oder mit den Sicherheitsdiensten. 175 Delikte zählte die Polizei dort über das vergangene Jahr verteilt. „Vor allem die Belastung und Streitgefahr in Großunterkünften wie den Traglufthallen in Karlsfeld und Bergkirchen haben zum Anstieg beigetragen.“

In die Statistik flossen auch so genannte „ausländerrechtliche“ Delikte ein, wie etwa unerlaubte Einreise oder Aufenthalt: Rund 332 Delikte begingen hier Asylbewerber.

Elf Prozent aller 2919 ermittelten Tatverdächtigen sind Asylbewerber oder Personen mit Flüchtlingsstatus. Der Ausländeranteil aller Tatverdächtiger liegt bei rund 40 Prozent – ohne Berücksichtigung der ausländerrechtlichen Delikte.

Im Vergleich zum Zehnjahresdurchschnitt von 5440 Straftaten im Landkreis ereigneten sich im Vorjahr etwas weniger Straftaten. Der Polizeisprecher stellt klar: „Der Landkreis gehört zu den vergleichsweise sicheren Gegenden in Bayern.“ Denn im Vorjahr wurden 3365 Straftaten pro 100 000 Einwohner begangen, während die bayernweite „Kriminalitätsbelastung“ bei 4785 Delikten liegt.

„Die Arbeit der Polizei kann dafür Ursache sein“, mutmaßt Björn Scheid. Genau erklären lassen sich die vergleichsweise niedrigen Zahlen jedoch nicht. In der Gesamtbilanz hat es laut Polizei auch keinen Ausreißer nach oben gegeben.

Selbst die acht vollendeten oder versuchten Tötungsdelikte – im Vergleich zu den nur drei Tötungsdelikten aus dem Jahr 2015 – seien vom Zufall abhängig. Eine Körperverletzung kann laut Scheid schnell zu einer versuchten Tötung eskalieren. Der Mord an einer 43-jährigen Dachauerin sorgte für Aufsehen: Ihr 50-jähriger Mann tötete sie mit Messer und Fleischklopfer. Der Vietnamese wurde vor Gericht als schuldunfähig erklärt und in die Psychiatrie eingewiesen (wir haben berichtet).

Auch die Auseinandersetzung zweier pakistanischer Asylbewerber am Karlsfelder See endete mit einer versuchten Tötung. Ein 23-Jähriger attackierte seinen 32-jährigen Kontrahenten mit einer abgebrochenen Bierflasche und verletzte ihn schwer. In Karlsfeld habe es auch noch zwei weitere versuchte Tötungsdelikte unter Bekannten gegeben, so Scheid.

„Bedauerlich ist der Anstieg der Wohnungseinbruchsdelikte auf 131 Fälle“, erklärt der Polizeisprecher. Der Anstieg von rund 72 Prozent sei auf eine Serie an misslungenen Einbrüchen in Karlsfeld und Bergkirchen zurückzuführen. „Dort wurde in zwei Nächten rund 20 Mal erfolglos und dilettantisch versucht, Türen aufzubrechen.“ Insgesamt waren sogar zwei Drittel aller Einbrüche erfolglos. „Prävention zeigt Wirkung“, ist sich Scheid sicher. Seit einigen Jahren geht die Polizei auf die Bürger zu und rät: „Türen abschließen und die Fenster sichern, nicht mehr kippen.“

Sexualdelikte sind im Landkreis um rund 21 Prozent auf 44 Fälle gesunken. Das Minus sei hier nicht erklärbar, grundsätzlich seien die Sexualdelikte aber auch saisonal abhängig. „Im Frühling und Sommer kommt es beispielsweise zu mehr exhibitionistischen Handlungen.“

Auch die Anzahl der Diebstähle ist um rund ein Prozent gesunken; auf 1576 Delikte. Scheid erinnert an einen großen Fund von Diebesgut im Wert von 100000 Euro: Der Mitarbeiter eines Paketzustelldienstes hatte unter fremdem Namen Kameras, Monitore, Küchengeräte sowie ein hochwertiges Fahrrad bestellt und in seiner Wohnung gehortet. Insgesamt machen Diebstähle fast 30 Prozent und den größten Anteil aller erfassten Straftaten aus.

Der größte Anstieg erfolgte bei den Fahrraddiebstählen: um rund 47 Prozent auf 407 Straftaten. Hier seien vor allem große Bahnhöfe oder Schulen im Visier der Diebe, die oftmals nur „Gelegenheitstäter“ sind. Auch die Aufklärungsquote ist bei Fahrraddiebstählen sehr gering, sie liegt laut Polizei bei nur rund zehn Prozent.

Insgesamt konnten im vergangenen Jahr mehr Fälle aufgeklärt werden als im Jahr davor: Die Aufklärungsquote beträgt laut Kriminalstatistik rund 62 Prozent und konnte damit um rund drei Prozentpunkte gesteigert werden.

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