Frische Luft statt stickiger Stall: Die Schafe fühlen sich im Schnee wohl, aber Spaziergänger sind oft skeptisch. Foto: sailer

Spaziergänger ärgern sich über Schafzüchter - und umgekehrt

Dachau - Hans Trinkl kennt diese Spaziergänger, die sich im Winter über Schafe auf offener Wiese aufregen. Er fordert Aufklärung. Denn er weiß, die Tiere fühlen sich draußen am wohlsten.

Als stellvertretender Vorsitzender der bayerischen Herdbuchgesellschaft für Schafzucht weiß er ganz genau, was den Tieren gut tut. Und ein feuchter, dampfiger Stall ist es nicht. „Frische Luft und ein offener Unterstand“, das seien die idealen Bedingungen für Schafe. Denn durch die Wolle sind die Tiere nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Nässe bestens geschützt. „Wenn sie ununterbrochen im Regen stehen würden, würde es zwei Wochen dauern, bis sie die Nässe spüren.“

Dass die Spaziergänger so etwas nicht wissen, ist Trinkl bewusst. Sie bekommen Mitleid, rufen das Veterinäramt an, und das muss tätig werden. „Wenn wir empörte Anrufe bekommen, tauchen wir unangemeldet bei dem Halter auf, um die Unterbringung zu kontrollieren“, berichtet die Dachauer Amtsleiterin Dr. Anita Sprick-Sanjuse Messing. Werden Missstände festgestellt, müssen die Schafzüchter diese in einer vorgegebenen Frist beseitigen, sonst drohen ihnen Strafen. Laut Trinkl sind solche Fälle aber die absolute Ausnahme. „Klar, schwarze Schafe gibt es auch unter den Züchtern“, das räumt er ein. „Die große Mehrheit hält die Tiere aber artgerecht.“ Schließlich sei es ja im Interesse jedes Züchters, dass die Herde gesund ist.

Trinkl und viele Dachauer Schafzüchter verstehen, dass das Veterinäramt bei Anzeigen handeln muss. Dennoch wünschen sie sich von Behördenseite mehr Aufklärungsarbeit. Und mehr Unterstützung. Denn: „Die meisten Betriebe im Landkreis kennen sie ja. Da wären die Kontrollen wirklich nicht nötig.“

Noch etwas gibt der Schafexperte zu Bedenken: „Die Tiere sind nicht dumm.“ Wenn es ihnen zu nass oder im Sommer zu heiß wird, suchen sie sich selbst einen Unterstand. „Es ist wirklich nicht nötig, dass wir als Züchter Regen- oder Sonnenschirme aufstellen.“ (kwo)

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