Leidenschaftlich und gelungen: Die Sinfonietta im Schloss mit Victor Bolarinwa (r.). hab

Spritzig, dramatisch, heiter

Dachau - Beim Frühjahrskonzert der Sinfonietta Dachau gab es ein gelungenes klassisch-romantisches Programm, leidenschaftliche Celloklänge - und stürmischen Applaus.

Die Sinfonietta Dachau ist ein Orchester, das sich aus engagierten und talentierten Laien zusammensetzt, die überwiegend aus dem Landkreis Dachau stammen. Das Frühjahrskonzert im Schloss ist schon fast Tradition der Sinfonietta.

Zum Auftakt des Konzertes führten die Mitglieder des Ensembles unter der Leitung Victor Bolarinwas die Symphonie Nr. 29 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart auf, ein fröhlich beschwingtes Werk. Die Symphonie hat einen für Mozart typischen verspielten Charakter, den die Musiker mit fast immer präzisem Zusammenspiel transportierten. Die einzelnen Instrumentengruppen spielten sich die Bälle zu, auf das silbrige Fragen der Violinen antworteten entschlossen die Celli und Bässe. Die Musik hatte stets einen bewegten, lebhaften Ausdruck.

Auf ein Minuetto, sehr geschwind, folgte das besonders spritzige „Allegro con spirito“, bei dem die Bögen der Streicher munter auf den Saiten tänzelten.

Etwas schwerere Kost war dagegen das Konzert für Violoncello und Orchester in a-Moll von Robert Schumann. Der anspruchsvolle Solopart, den der Cellist Hans-Henning Ginzel eindrucksvoll meisterte, erfordert höchste Konzentration, Hingabe und Energie. Ginzel schlug das Publikum mit dem warmen, satten Ton seines Mailänder Instruments von 1740 und seiner emotionsgeladenen Interpretation in seinen Bann. Die drei Sätze des Werkes sind ohne Unterbrechung zu einem einzigen, melancholischen und dramatischen Satz verwoben, der aus langen, schmerzerfüllten Phrasen besteht. Die Musiker der Sinfonietta folgten nicht nur Victor Bolarinwas Dirigat, sondern wurden auch von Ginzels kraftvollem Spiel angeführt. Der Solist zeigte besonders im Dialog mit dem Stimmführer-Cello und in den höchsten Lagen seinen wunderschönen Ton. Auf die vielen „Bravo“-Rufe der Zuhörer hin spielte der Cellist als Zugabe „Preludio y Fantasia“ von Gaspar Cassado.

Auf dieses sehnsuchtsvolle Stück folgte die Symphonie Nr. 99 in Es-Dur von Joseph Haydn. Mit spannender und ausgefeilter Dynamik, beispielsweise in ausladenden crescendi, wanderten die leichtfüßigen Themen durch die verschiedenen Stimmen. Die Pauke verlieh der Musik eine festliche Note. Besonders die Bläser kamen gut zur Geltung, beispielsweise in den Soli im zweiten Satz. Der „rustikal-derbe“ Walzer war mal wuchtig und mitreißend, enthielt im Verlauf aber auch zartere und weiche Passagen. Das frische und heitere Finale war mit dem spöttischen „Gekicher“ der Klarinetten noch einmal eine besondere musikalische Gaumenfreude.

Die Mitwirkenden hatten besonders großen Spaß am Spielen dieser pfiffigen Musik, was man nicht nur hören, sondern ihnen auch deutlich ansehen konnte.

(san)

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