Zum Gedenken an Anton Felber: Künstler Gunter Demnig und OB Florian Hartmann gestern mit dem Stolperstein, der an der Friedenstraße 17 verlegt wurde. Foto: hab

Spuren in die Vergangenheit

Dachau - In der Großen Kreisstadt sind gestern vier neue Stolpersteine verlegt worden. Die Gedenksteine sollen an vier Dachauer erinnern, die während der NS-Zeit unter tragischen Umständen ums Leben gekommen sind.

Die Zahl von 47 000 wird wohl in diesen Tagen überschritten. So viele Stolpersteine hat der Kölner Künstler Gunter Demnig mittlerweile in ganz Europa verlegt. Seine faustgroßen Messingtafeln erinnern an Opfer der NS-Zeit. Installiert werden die Steine am jeweils letzten Wohnsitz der Opfer.

Bereits 2005 wurden in Dachau sechs dieser Stolpersteine verlegt. Jetzt kamen noch einmal vier neue dazu. Über die Biographien der Personen, an die mit den vier neuen Stolpersteinen erinnert werden soll, sprachen bei der Vorstellungs-Veranstaltung am Mittwochabend im Ludwig-Thoma-Haus Sabine Gerhardus, Projektleiterin „Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau“, und die Abiturientin Susanne Görres.

Die beiden versuchten den Lebenslauf von vier Dachauern, die während des NS-Regimes ihr Leben lassen mussten, zu rekonstruieren. Ausgewählt wurden Johann Pflügler, Anton Felber, Albert Vettermann und Thomas Bleisteiner. Sie alle kamen entweder in Konzentrationslagern oder in sogenannten Euthanasie-Tötungsanstalten ums Leben.

Bis auf Johann Pflügler. 1909 in Niederroth geboren, arbeitete er als Eisendreher bei Krauss-Maffei, wohin er täglich mit dem Rad von Dachau-Süd aus fuhr. Er hatte Kontakt zur Ortsgruppe der kommunistischen KPD in Dachau. Außerdem engagierte er sich in den letzten Kriegstagen in der Widerstandsbewegung Freiheitsgruppe Dachau. Am 28. April 1945, zwei Tage bevor Adolf Hitler sich das Leben nahm, wurde Pflügler beim Dachauer Aufstand am Rathausplatz von SS-Truppen erschossen. Sein Stolperstein wurde an der Heimgartenstraße 14 verlegt.

Anton Felber, Albert Vettermann und Thomas Bleisteiner fielen dem von den Nationalsozialisten eingeführten Gewohnheitsverbrechergesetz zum Opfer. Sie alle stammten aus armen Verhältnissen, mussten früh alleine für ihren Lebensunterhalt sorgen und schlugen sich etwa als Hilfsarbeiter durch. Alle drei verbrachten viel Zeit im Zuchthaus, unter anderem wegen Bettelns und Essensdiebstahl, und wurden schließlich in vorbeugende Polizeihaft genommen. Keiner von ihnen überlebte diese Maßnahme „zum Schutz der öffentlichen Sicherheit“. Felber starb im KZ Flossenbürg, Bleisteiner im KZ Mauthausen und Vettermann in der Tötungsanstalt Bernburg an der Saale. Ihre Stolpersteine wurden an den letzten Wohnorten an der Friedenstraße 17 (Felber), der Schleißheimer Straße 49 (Vettermann) und der Wieningerstraße 10 (Bleisteiner) platziert.

Professor Peter Gstettner, der mit einer Delegation aus der Partnerstadt Klagenfurt für die Verlegung angereist war, brachte den Zweck dieser Aktion auf den Punkt: „Wir nennen die Menschen beim Namen und zeigen damit, dass sie nicht nur eine Ziffer im Lager waren.“ Ein Stolperstein sei ein dauerhaftes Symbol, das die Geschichte heute und auch in Zukunft begreifbar macht.

Künstler Demnig betonte: „Ich freue mich immer noch über jeden Stein, den ich verlegen darf.“ Als er vor rund 20 Jahren die Idee zu der Erinnerungsaktion hatte, hätte er nie gedacht, dass einmal 47 000 seiner Stolpersteine in ganz Europa liegen. Und zehn davon in Dachau.

Dominik Göttler

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