Mit mageren 14 Punkten war Anthony Pettaway im Heimspiel gegen Leipzig Topscorer der Spurs. Foto: dan

Spurs bei der Drei-Punkte-Wurfmaschine

Dachau - Was macht man gegen eine Mannschaft, die pro Spiel 55 bis 60 Mal von jenseits der Drei-Punkte-Linie abdrückt? „Ruhe bewahren und die Korbleger verwandeln“, antwortet Christian Kunz.

Die von ihm trainierten Spurs fahren am heutigen Samstag zu den Rattelsdorf Independents. Die „Unabhängigen“ sind eine Mannschaft, die eine ungewöhnliche Taktik anwendet, um Spiele zu gewinnen. Denn das junge Basketballteam aus Franken versucht, ihre Gegner mit einer Ganzfeldpresse zu einem hektischen, fehlerhaften Spielaufbau zu zwingen. Jeder Ballführende wird sofort „gedoppelt“, also von zwei Verteidigern unter Druck gesetzt. Nach Ballgewinnen und Rebounds wegen schlecht vorbereiteter Würfe schalten die Rattelsdorfer sofort auf Angriff um. Und wenn sich die Möglichkeit ergibt, wird sofort abgeschlossen – bevorzugt und von allen eingesetzten Akteuren eben hinter der Drei-Punkte-Linie.

Diese doch sehr ungewöhnliche Taktik schlägt sich in der Statistik natürlich bei den Drei-Punkte-Würfen nieder: 279 stehen heuer bereits bei den Independents zu Buche – das sind sagenhafte 59,4 Versuche pro Spiel. Getroffen haben die Franken nicht ganz so viel, nämlich insgesamt 95 (19,0 pro Spiel) – ziemlich genau jeder dritte Distanzwurf fand aber immerhin sein Ziel. Und noch etwas fällt auf, schaut man sich die Statistik der Regionalliga an: Keine Mannschaft foult so oft wie Rattelsdorf – das ist natürlich der aggressiven Ganzfeldverteidigung der jungen Mannschaft geschuldet.

Erfolg brachte das bedingt: Von fünf Spielen gewann Rattelsdorf nur eins – wie auch der TSV 1865 Dachau. Damit diese Bilanz ein wenig auffrisiert wird, muss seine Mannschaft heute Abend vor allem eines, weiß Christian Kunz, der Coach der 1865-Korbjäger: „Ruhe bewahren.“

Kunz betont: „Die Rattelsdorfer wollen natürlich, dass du in Hektik verfällst. Das Geheimnis ist aber, das ständige Doppeln zwar mit schnellen Pässen zu schlagen, die Überzahl dann aber geduldig und sauber auszuspielen. Und dann den Korbleger, den du bekommst, auch zu machen.“ Das allerdings setze eine gewisse Spieldisziplin voraus, die sein Team in den vergangenen Wochen gerade habe vermissen lassen, führt Christian Kunz aus. „Insofern kommt mir der Gegner eigentlich ungelegen.“

Mehr als ungelegen kommt Kunz zudem in diesen Tagen nach dem Weggang von Aufbau Stjepan Ljubicic eine weitere unerfreuliche Personalie: Auch Volker Gutgesell, im Sommer vom Bezirksligisten Milbertshofen gekommen, hat seinen Abschied genommen. Zu viel Aufwand sei für ihn die Regionalliga, habe der Forward als Begründung angegeben. Und Kunz macht aus seiner Meinung zu diesem zweiten Abgang mitten in der Saison kein Geheimnis: „Ich empfinde das, ehrlich gesagt, als Frechheit. Wir sind alle ziemlich verärgert. Es gibt heutzutage scheinbar immer weniger Leute, die zu ihren Zusagen stehen. Das ist echt schade.“

Da auch der Einsatz von Kapitän Mathias Stelmach (Erkältung) und Omari Knox (im Training umgeknickt) fraglich ist, wird die Auswahl an Spielern in Rattelsdorf (Samstag, 20 Uhr, Abtenberghalle) für Coach Kunz recht überschaubar sein. (tor)

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