Stadtwerke setzen auf Wind und Wasser

Dachau - Im Werkausschuss haben die Stadträte einstimmig beschlossen, die Beteiligung der Stadtwerke am geplanten Windpark in der Nordsee zu erhöhen.

Damit können die Stadtwerke weiter in die Eigenproduktion von Strom investieren. Genau das ist der Hauptgrund für die zahlreichen Investitionen der Stadtwerke in Projekte fernab der Stadtgrenzen: Sie sind beteiligt an den umstrittenen Kohlekraftwerkbauvorhaben in Lünen und Krefeld, einem Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Hamm (alle drei in Nordrhein-Westfalen) und einem Windpark in der Nordsee nahe der Insel Borkum, für den der Baubeschluss im Februar 2010 erwartet wird.

Nach neuesten Planungen wird der Windpark aber nur halb so groß wie vorgesehen, weil durch die Bankenkrise das ursprüngliche Volumen nicht realisierbar erscheint. Nicht 80 Anlagen sollen gebaut werden, sondern nur 40.

Unterdessen stocken die Stadtwerke ihre Investitionen in den Windpark noch einmal deutlich auf. Nicht 2,7 Megawatt Strom sollen vor Borkum für Dachau produziert werden, sondern 3,6 Megawatt. Die Stadtwerke rechnen mit einer Eigenkapitalbeteiligung von 1,1 bis 1,4 Millionen Euro pro Megawatt, also insgesamt rund fünf Millionen Euro.

Aktuell produzieren die Stadtwerke nur 30 Prozent ihres Strombedarfs selbst. 70 Prozent müssen sie an der von den großen Energiekonzernen dominierten Energiebörse in Leipzig dazukaufen. „Unsere derzeitige Eigenerzeugung ist mit 30 Prozent immer noch unzureichend“, schrieben die Werkleiter Ludwig Pfänder und Robert Haimerl jüngst in einer Stellungnahme für den Werkausschuss des Dachauer Stadtrats.

Die sechs Photovoltaikanlagen in Dachau decken momentan nur 0,5 Prozent des Strombedarfs. Circa 26 Prozent kommen aus dem Kraftwerk in Hamm, den Rest steuern die beiden Wasserwerke in Günding und Dachau bei.

Der Windpark soll nach Fertigstellung über acht Prozent des Dachauer Bedarfs decken, die beiden geplanten Kraftwerke in Lünen und Krefeld jeweils 13 Prozent.

Außerdem strecken die Stadtwerke weiterhin ihre Fühler in Richtung Inn aus. Dort hat ein österreichisches Unternehmen jene Inn-Kraftwerke gekauft, die Eon im Frühsommer aus kartellrechtlichen Gründen hatte abstoßen müssen. Der neue Eigner muss aber voraussichtlich 30 Prozent der Anteile verkaufen. Oberbürgermeister Peter Bürgel erklärte dazu im Werkausschuss: „An den Inn-Werken sind wir auch noch dran.“

Ob die Stadtwerke aber jemals Strom von den Kohlekraftwerken in Lünen und Krefeld beziehen wird, ist trotz der getätigten Investitionen noch völlig offen. Die Bürgerinitiative (BI) Kontra-Kohlestrom sammelt Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Das Ziel der BI: der Ausstieg aus den Projekten. Stattdessen fordert die BI den Einstieg in umweltfreundliche Stromerzeugung durch regenerative Energien in der Region Dachau. (flg)

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