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Der Stecknadelpoller.

Stein des Anstoßes

Dachau - Ganz Dachau ist verpollert. Felsbrocken, Steine, Pfosten. Mal scheint Obelix einen Hinkelstein ausgeliefert zu haben, mal sieht es so aus, als ragten Riesenstecknadeln aus dem Boden. Sie sind rot-weiß, selten bunt, oft grau wie viele Tage im Januar. Manche stehen sinnlos im Weg. Und das kann für Autofahrer teuer werden.

Hollerdiepoller! Claudia Renner (42) ist richtig sauer. Die Dachauerin hatte gerade ihren Sohn Frederik (5) aus dem Pfarrkindergarten Mariä Himmelfahrt in Dachau-Süd abgeholt, wollte ausparken und: „Chrrrr!“ Sie schrammte mit ihrem Mercedes über einen etwa 80 Zentimeter langen und 30 Zentimeter hohen Stein. Die Stadt hatte ihn einst mit weiteren Brocken im Johann-Sperl-Weg drapiert. Besonders fies: Er war zum Tatzeitpunkt von Schnee bedeckt und für Claudia Renner nicht zu sehen. „Am Anfang habe ich gedacht, es ist alles hin“, sagt die Kontrollerin. Nun, alles war nicht kaputt. Aber der Unterboden ihres Wagens hatte ganz schön was abbekommen. Die Mutter erstarrte in der Autowerkstatt beinahe zu Stein: 500 bis 1000 Euro Schaden, hieß es dort nach einem ersten Augenschein.

Nicht im Mercedes, sondern per pedes war die Köchin des Kindergartens unterwegs, als sie über einen der Findlinge vor dem Gebäude stolperte. Sie kam bei ihrem Sturz mit dem Schrecken davon. Aus Kindergartenkreisen heißt es weiter, dass mehrere Angestellte und Eltern mit ihren Karossen an die Steine gerumst seien. „Es ist im Sommer schon blöd, weil die Straße sehr eng ist. Ich schaue natürlich auf die Kinder und nicht auf die Steine“, so Claudia Renner.

Die 42-Jährige ist eine sehr gute Autofahrerin. Seit Jahren kutschierte sie herum, ohne irgendwo anzuecken. „Im nächsten Jahr hätte ich einen Unfall frei gehabt“, sagt sie. Soll heißen, sie wäre in einem Schadensfall nicht in eine für sie schlechtere Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft worden. Und jetzt das. „Ich gehe davon aus, dass ich auf dem Schaden sitzenbleibe“, sagt Renner, die von ihrer Versicherung nicht zurückgestuft werden möchte - bloß wegen eines „blöden“ Steines, der vor dem Kiga-Parkplatz nichts zu suchen habe.

Poller und Steine werden eingebaut, um das Befahren oder Beparken von Bereichen wie Gehwegen, Radwegen oder Fußgängerzonen zu verhindern. „Manche Autofahrer fahren dorthin, wo sie nicht hinfahren sollen. Dagegen haben wir harte Fakten geschaffen, die das verhindern“, sagt der Dachauer Bauamtsleiter Michael Simon. Die Findlinge vor dem Kindergarten seien aus demselben Grund platziert worden. Hier liegt die Sache allerdings anders. Der Stein des Anstoßes liegt gegenüber der Tagesstätte, knapp zwei Meter vor dem Gartenzaun eines privaten Grundstücks entfernt in einem Erdstreifen. Schützenswert ist hier nichts. „Hätte ich eine Rechtschutzversicherung, würde ich klagen“, sagt Renner. Ob hier tatsächlich die Stadt in die Pflicht genommen werden könne, müsste im Einzelfall geklärt werden, sagt Rechtsanwalt Roland Rehm.

Felsbrocken, Steine, Poller, Pfosten - es gibt sie zu Tausenden in der Stadt. Allein rund um den Sparkassenplatz ruhen rund 100 Exemplare. An manchen Stellen stehen ganze Armeen von „Elefantenfüßen aus Granit“, bemerkte Stadtrat Erwin Zehrer (CSU) im Bauausschuss. Dort stand das Thema im Juli 2012 auf der Agenda. Laut einer Beschlussvorlage der Stadtverwaltung sollten zumindest der Karlsberg, die Alte Römerstraße und der Widerstandsplatz „entpollert“ werden. Das scheiterte am Widerstand der Stadtratsmitglieder

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