Eskalation

Streit am Fußballfeld - Vater zieht Pistole

Dachau - Die Kinder kicken, die Eltern geraten sich am Spielfeldrand in die Wolle. Einer der Väter zückt eine Schreckschusswaffe, der andere landet schließlich vor Gericht.

Weil ein Vater eine Affäre mit der Frau des anderen Vaters hatte, bekommen sich die beiden Frauen am Fußballplatz in die Wolle. Kurz nach dem Schlusspfiff beschimpfen und schubsen sie sich. Die beiden Männer gehen dazwischen - und werden handgreiflich. Einer der beiden steht nun vor dem Dachauer Amtsgericht: weil er einen Strafbefehl wegen versuchter Körperverletzung nicht akzeptiert hatte.

Richter Lukas Neubeck legt dem Angeklagten dringend nahe, die Verurteilung über 50 Tagessätze anzunehmen. „Wenn wir hier alles verhandeln müssen, wird es nicht bei dieser milden Strafe bleiben.“ Doch Roland F. beharrt darauf: Er habe nichts falsch gemacht. Sein Anwalt und er wollen einen Freispruch. Immerhin sei er es gewesen, der mit einer Schreckschusswaffe bedroht worden sei.

Doch der Reihe nach. Vor einem halben Jahr war Roland F. (Namen geändert) Fußballtrainer in Indersdorf. Zu dieser Zeit trennten sich Roland F. und seine Frau. „Sie hat mich vor die Tür gesetzt. Ich hatte kein Geld und wollte nicht im Auto schlafen“, erklärte er dem Gericht. Da traf es sich gut, dass Claudia M., die Mutter eines seiner Fußballkinder, ihm „bereits seit Wochen schöne Augen“ gemacht hätte. Auch sie lebte damals mit ihrem Verlobten in Trennung. Roland zog bei Claudia ein. „Ich bin nur bei ihr eingezogen, weil ich einen Platz zum Schlafen gebraucht habe“, sagt Roland F. Nach sechs Wochen vertrug sich das Ehepaar F. wieder, Frau F. konnte ihrem Mann den Betrug aber nur schwer verzeihen. „Ich wusste gar nicht, dass ich sie betrogen habe. Da ich so etwas in 17 Jahren noch nicht gemacht habe, kenne ich hier die Spielregeln nicht“, meinte der 41-Jährige. „Aber ich vertraue meiner Frau. Wenn sie sagt, dass ich sie betrogen habe, dann wird das stimmen.“

Auch Claudia M. und ihr Verlobter kamen trotz des Ausrutschers wieder zusammen. Bei einem Fußballspiel im Mai treffen dann alle vier Beteiligten in Schwabhausen aufeinander. „Meine Frau wurde von Claudia das ganze Spiel über böse angeschaut. Immer wieder hat sie abfällig gelacht“, schildert Roland F. Nach dem Fußballspiel geraten die Frauen aneinander, sie beschimpfen und beleidigen sich wüst und schubsen sich hin und her. „Ich bin natürlich dazwischen gegangen. Doch Claudias Verlobter auch“, so F. weiter. Dann eskaliert die Situation auch zwischen den Männern: Roland F. soll laut Zeugenaussagen die Faust gehoben und versucht haben, dem Verlobten ins Gesicht zu schlagen. Doch dieser habe sich in letzter Minute ducken können. Daraufhin sei der Verlobte zu seinem Auto gegangen und habe eine Waffe geholt. Doch niemand weiß, dass es sich nicht um eine Schreckschusswaffe handelte. „Er hat mir die Waffe vors Gesicht gehalten. Ich habe dann zu ihm gesagt, erschieß mich lieber, bevor ich dich fertig mache.“ Aber der Verlobte schießt nicht.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand packte er die Waffe wieder ins Auto. „Danach hat Roland F. mir mit seiner Stirn die Nase gebrochen“, so der Verlobte. Roland F. behauptet: „Ich habe ihn niemals geschlagen. Mein kleiner Sohn stand neben mir. Was wäre ich für ein Vorbild?“

Angeklagt ist Roland F. lediglich wegen versuchter Körperverletzung, für den ersten Schlag, der ins Leere ging. „Die Sache mit der Nase kann man als Notwehr ansehen. Immerhin hatte Ihr Gegenüber eine Waffe in der Hand“, erklärt Richter Neubeck. Doch Roland F. fordert einen Freispruch. Anfang Januar werden weitere Zeugen geladen.

Regina Peter

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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