In 81 Tagen vom Nordkap nach Sizilien

Dachau - Zwei Männer, zwei Fahrräder, ein Plan: Die Dachauer Max Hribar und Helmuth Freunek wollten vom Nordkap in Norwegen bis nach Sizilien radeln. Diesen Traum haben sie sich nun erfüllt.

Ein eisiger Wind bläst Max Hribar und Helmuth Freunek um die Ohren. Sie haben größte Mühe, ihr Zelt abzubauen, ohne dass eines der Einzelteile davongeweht wird - der erste Tag am Nordkap ist die reinste Qual. Umso entschlossener sind sie, endlich aufzubrechen. Weg vom Nordkap, immer Richtung Süden. Motiviert setzen sie sich auf ihre schwerbepackten Räder, kommen aber nicht weit, denn sie haben keine Chance gegen den starken Wind. „Selbst bergab war nichts zu machen. Der Sturm zwang uns, im Windschatten eines Felsen Zuflucht zu suchen“, erinnert sich Helmuth Freunek.

Bilder: In 81-Tagen vom Nordkap nach Sizilien

In 81-Tagen vom Nordkap nach Sizilien

In 81-Tagen vom Nordkap nach Sizilien

Wenn der 69-jährige Dachauer von seinem Abenteuer erzählt, leuchten seine Augen. Zusammen mit seinem Freund Max Hribar (67) hat er die Fahrradtour monatelang geplant. „Als ich in Pension ging, fragte mich Max: Was machst du jetzt eigentlich? Als ich ihm sagte, ich sei ein leidenschaftlicher Radfahrer, beschlossen wir, zusammen Radtouren zu machen“, erklärt Freunek. Irgendwann hatten beide aber genug von „kurzen Strecken“ - wie etwa von Basel nach Koblenz. Sie suchten die Herausforderung und wollten etwas Größeres, etwas Aufregenderes erleben: Es entstand die Idee, vom Nordkap nach Sizilien zu fahren.

Begeistert von ihrem Plan begannen sie sofort ihr Abenteuer vorzubereiten. „Unsere Frauen standen uns dabei keineswegs im Weg, schließlich wissen sie, dass sie verrückte Männer haben“, sagt Hribar scherzhaft. Dennoch blieben sie vernünftig und unterteilten ihre Radtour in drei Etappen: Im Juni 2006 fuhren sie in sieben Wochen 4000 Kilometer vom Nordkap nach Dachau. Im Jahr 2008 bezwangen sie in zwei Wochen die Strecke Dachau-Rom, und im September 2010 folgte die letzte Etappe: 1700 Kilometer von Sizilien nach Rom.

Dabei war die erste Strecke die Schwerste. Mit jeweils 40 Kilo Gepäck reisten Max Hribar und Helmuth Freunek mit Bus und Bahn zum Nordkap, um dort am 14. Juni loszuradeln. „Für die erste Tour brauchten wir ein Zelt, Proviant, Kleidung und Ersatzteile für die Räder. In der Finnmark, der nördlichsten Provinz Norwegens, leben nur 1,5 Einwohner pro Quadratkilometer. Da mussten wir uns selbst versorgen“, erzählt Hribar. Mit dieser Last fuhren sie jeden Tag ein Stück weiter gen Süden, vorbei an malerischen Seenlandschaften und grasenden Rentieren.

Vergangenes Jahr traten Helmuth Freunek und Max Hribar schließlich im September die letzte Tour ihrer insgesamt 8000 Kilometer langen Reise an. Diesmal ließen sie Zelt und Proviant zu Hause. „Italien ist dichter besiedelt als Norwegen. So kamen wir in den Genuss italienischer Gastfreundschaft“, schwärmt Freunek. Von Palermo aus radelten sie die Küste entlang zum Capo delle Correnti - dem südlichsten Ort Siziliens und Gegenstück zum Nordkap.

Für Max Hribar und Helmuth Freunek waren die Reisen ein wundevolles Erlebnis, dessen Erinnerungen daran sie bis heute nicht mehr loslässt. Deshalb hegen sie bereits einen neuen Wunsch: „Wir möchten irgendwann vielleicht von Dachau nach Odessa in die Ukraine fahren“, verrät Max Hribar. „Aber mal sehen, ob wir die 2000 Kilometer in unserem Alter noch schaffen.“

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