Nun sind ihre Tage gezählt: Die Thomaschule soll aufgelöst werden, hat der Sozialausschuss beschlossen. foto: hab

Mittelschule wird aufgelöst

Die Thomaschule ist Geschichte

Dachau - Der Sozialausschuss zeigt Geschlossenheit: In der Sitzung am Mittwochnachmittag hat er einstimmig die Auflösung der Ludwig-Thoma-Mittelschule beschlossen.

Es ist Dienstagnachmittag, 14.27 Uhr. Siegfried Wohlschlägel sitzt im Alten Sitzungssaal des Rathauses und ist gewappnet. Er hat eine Liste verfasst, durchnummeriert, mit acht Argumenten, die alle gegen die Schließung der Thomaschule sprechen. Die wichtigsten Themen hat er mit einem gelben Neonmarker unterstrichen. Sie habe eine „optimale Lage“, steht da, sie sei „ein Stück Dachau“, und ein „Zuhause“ für die Schüler. Eigentlich weiß er schon, dass er kein Rederecht hat in der Sitzung des Sozialausschusses, der nun über das Wohl und Wehe der Schule entscheiden soll. Aber er hat sich trotzdem vorbereitet, nur für den Fall. Siegfried Wohlschlägel hängt an der Thomaschule. Er war dort selbst Schüler, dann Lehrer, dann Rektor. Und nun? Soll diese, seine, Schule aufgelöst werden? Das kann er noch nicht glauben. Er ist nicht allein: Mit ihm sind Schüler, Lehrer und Eltern gekommen. Warten gespannt.

Die zwei Schülersprecher Sebastian Keßler und Ludwig Meister sind auch gekommen. Sie gehen in die achte Klasse, dürfen also ihre neunte Klasse bis Sommer 2016, bis zum Ende der Schule, dort bleiben. „Mich gehts ja eigentlich nichts mehr an“, sagt der 15-jährige Sebastian. „Aber die siebten Klassen tun mir leid.“ Dort an der Thomaschule sind alle wie eine Familie, „jeder kennt jeden“. Wenn die Schüler gefragt werden würden, würde keiner gehen wollen, sagt Sebastian.

14.30 Uhr. Die Sitzung beginnt. Oberbürgermeister Florian Hartmann hält eine kurze Rede. Über den Schulentwicklungsplan der Stadt. Darüber, dass die Schülerzahlen an der Thomaschule rückgängig sind und auch in den nächsten Jahren rückgängig bleiben. Dass dadurch an anderen Schulen des Schulverbunds Lehrerstunden fehlen. Dass dieses Thema schon seit langer Zeit diskutiert wird. Und dass nun, heute, die Entscheidung ansteht.

Ihm zur Seite stellen sich die Schulreferentin Katja Graßl (CSU), Sabine Geißler (Bündnis), Christa Keimerl (SPD) und Ingrid Sedlbauer (ÜB). Graßl betont, dass es allen bewusst sei, dass dies ein sehr emotionales Thema ist. Doch bei einem Treffen mit allen Beteiligten „kam man einstimmig zur Überzeugung, dass es pädagogisch sinnvoll ist, die Schule zu schließen“. Es gebe dort keine Wahlfächer mehr, keine verschiedenen Zweige. Und: „Wir sind wirklich bemüht, die Übergangszeit so erträglich wie möglich zu machen“, verspricht die Politikerin. Geißler und Keimerl fügen hinzu, dass es nicht leicht gewesen sei, die Entscheidung zu treffen.

Gewesen. Die Betonung liegt da wohl auf der Vergangenheit - denn offenbar wussten die Mitglieder des Sozialausschusses schon vor der Sitzung, dass die Entscheidung gegen die Schule fallen wird. Nach den vier Damen will keiner mehr etwas sagen. Es wird abgestimmt. Keine Gegenstimme.

Es ist 14.39 Uhr. Stühlerücken. Die Zuhörer verlassen den Saal. Siegfried Wohlschlägel ist enttäuscht: „Für uns ist das einfach nur peinlich.“

14.57 Uhr. Eine Pressemitteilung der Stadt wird verschickt: Der Sozialausschuss beschließt die Auflösung der Thomaschule.

Nina Praun

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