Brachten bayerische Tracht nach Bellevue: Waltraud Lucic und ihre Freundin Susanna Zagler. Fotos: kn

Die Tischdame des Bundespräsidenten

Berlin/Dachau - Waltraud Lucic aus Dachau ist eine von gerade einmal 67 Bundesbürgern, die von Staatsoberhaupt Joachim Gauck zum Neujahrsempfang nach Berlin geladen wurden. „Ein einmaliges Erlebnis“, schwärmt die 57-Jährige, die mit ihrer Dachauer Tracht für einen Farbtupfer im strengen Protokoll des Schlosses Bellevue sorgte.

Berlin - Allein die Einladung zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten ist eine große Ehre. Dann aber auch noch seine Tischdame sein zu dürfen, neben ihm etwa Eintopf vom Landgockel sowie Filet vom Fleckvieh mit Rübchen und „Adretta“-Krapfen essen zu dürfen, ist ein Erlebnis, das sonst nur Staatsgästen zuteil wird.

Waltraud Lucic, die im Hauptberuf Vizepräsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) ist und ehrenamtlich für die Förderung benachteiligter Kinder kämpft, hat am vergangenen Freitag aber genau dies erleben dürfen. „Beeindruckend“, „königlich“ und „unvergesslich“ sind nur einige der Adjektive, mit denen die 57-Jährige den Empfang in Schloss Bellevue beschreibt.

Als sie jedoch am 6. Dezember die Einladung des Bundespräsidialamtes auf ihren Schreibtisch bekommen hatte, mochte sie es erst gar nicht glauben: „Um ein Haar hätte ich den Brief weggeschmissen!“ Und auch nachdem sie ihn gelesen hatte, dauerte es ein wenig, bis sie die Tragweite realisierte: Die bayerische Staatskanzlei hatte sie dem Bundespräsidialamt als Gast für den Empfang vorgeschlagen; das Amt wählte daraufhin sie und 66 weitere verdiente Bundesbürger aus, an dem Termin am 9. Januar teilnehmen zu dürfen. Neben diesen „Normal-Bürgern“ standen das gesamte Bundeskabinett inklusive Kanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsidenten sowie hochrangige Verbandsvertreter auf der Gästeliste.

Als Begleiterin für eine derart besondere Einladung kam für Waltraud Lucic daher auch nur eine Person in Frage: ihre beste Freundin, Susanna Zagler. Und gemeinsam fassten die beiden Frauen auch schnell den Entschluss: „Wenn wir da hinfahren, dann nur in Dachauer Tracht!“

Über den Trachtenverein d’Ampertaler, und dabei besonders mithilfe von Marianne Ritthaler und Christa Schönbauer, organisierte sich das Duo ein passendes Festtagsgwand. „Sogar die Schuhe und Schmuck wurden uns ausgeliehen, das war wirklich unglaublich“, erzählt Lucic.

Bei der Generalprobe am Donnerstag fielen die Bayerinnen denn auch direkt derart positiv auf, dass der Protokollchef von Schloss Bellevue Waltraud Lucic diskret einen Zettel reichte. Darauf notiert: die höfliche Bitte, sie möge am Freitag beim Essen doch bitte an Tisch Nummer eins, also dem Tisch des Bundespräsidenten, Platz nehmen.

Dort wiederholte die Dachauerin ihren Wunsch, den sie schon während des Défilées, also der Händeschüttel-Prozedur mit Joachim Gauck, vorgetragen hatte: dass Kinderrechte in das Grundgesetz aufgenommen werden. Um dieses Anliegen zu untermauern, überreichte sie ihm außerdem ein selbst gestaltetes Fotobuch mit dem Titel „Kinder haben Rechte“.

Auch mit Kanzlerin Merkel kam die Dachauerin ins Gespräch. Sie bedankte sich bei ihr für die „Zukunftscharta“, in der eine bessere deutsche Entwicklungspolitik festgeschrieben steht. Alles in allem, sagt Waltraud Lucic rückblickend, habe sie an dem Tag „viele, unglaublich gute Gespräche“ geführt. Und: Sie habe endlich eine Anerkennung für ihre jahrzehntelange Arbeit erfahren. „Das gibt mir so unendlich viel Kraft, das auch noch lange weiterzumachen!“

Stefanie Zipfer

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