Mann der ersten Stunde: Heinrich Kneuer wurde zunächst von der Militärregierung eingesetzt, dann frei gewählt.

50. Todestag von Heinrich Kneuer

Dachau - Nach monatelangem schwerem Leiden starb am 19. April vor 50 Jahren Dr. Heinrich Kneuer im Dachauer Krankenhaus.

Er war eine der markantesten Persönlichkeiten der Stadt Dachau, als Mensch überaus beliebt und verehrt, ein Mann der ersten Stunde nach dem Krieg. Im niederbayrischen Abensberg wurde Heinrich Kneuer am 12. Juli 1887 geboren. Nach dem Abitur in Nürnberg und dem Jura-Studium in Würzburg, war er zunächst an verschiedenen bayrischen Ämtern tätig, bis er 1921 als Regierungsrat an das Dachauer Bezirksamt kam und bis 1928 blieb. In dieser Zeit wurde ihm die Aufgabe der Glonn-Regulierung übertragen, die er mit Geschick zu lösen verstand.

1934 musste Kneuer als Bezirksamtmann den Landkreis Aibling übernehmen, der verschuldet war und aufgelöst werden sollte. Als er den Kreis saniert hatte, wurde er 1938 abgesetzt, weil er nicht der NSDAP angehörte. Während des Krieges leitete Kneuer das Landesernährungsamt. Er verhinderte vor dem Einmarsch der Amerikaner die vom Gauleiter angeordnete Vernichtung der Lebensmittellager und damit eine Ernährungskatastrophe in ganz Bayern.

Als ersten kommissarischen Landrat von Dachau setzte die amerikanische Militärregierung zunächst Dr. Josef Linmaier ein, aber bereits einige Tage später, am 7. Mai 1945, wurde Dr. Kneuer als Landrat berufen.

Er versuchte als erstes, während noch Plünderer durch Stadt und Land zogen, aus dem Nichts, ohne Polizei, ohne Bürgermeister und mit nur wenigen Hilfskräften, die Verwaltung wieder aufzubauen und die Sicherheit im Kreis wieder herzustellen. Es gelang ihm, die Achtung einer zunächst keineswegs freundlich gesinnten Militärregierung zu gewinnen und in ungezählten Fällen harte Maßnahmen zu verhindern oder abzumildern.

Zu den dringlichsten Problemen, die er in diesem Nachkriegs-Chaos zu lösen hatte, gehörten die Versorgung der Bevölkerung, die Unterbringung der ehemaligen KZ-Häftlinge und Deportierten und die Organisation deren Heimkehr. Auch der Flüchtlingsstrom aus dem Osten musste bewältigt werden.

Am 6. Juni 1946 wurde Kneuer vom ersten Kreistag im Amt bestätigt. Damit war er der erste frei gewählte Dachauer Landrat überhaupt, denn die früheren Bezirksamtmänner bzw. Landräte waren vom König und später vom Staat berufen werden. Am 7. Oktober 1946 verfügte das Bayerische Innenministerium überraschend die Entlassung Dr. Kneuers, weil seine Stellung als Bezirksamtmann in Aibling bei seiner Bestellung zum Landrat Übersehen worden sei. Kurze Zeit später wurde Dr. Kneuer rehabilitiert. Die Spruchkammer bestätigte ihm, dass er kein Anhänger des Nationalsozialismus gewesen war und deswegen erhebliche Nachteile in Kauf hatte nehmen müssen. Wegen seiner Überzeugung sei er von den Nazis vom Regierungsrat erster Klasse zum einfachen Regierungsrat zurückgestuft worden.

Nun war der Weg frei für eine hohe Beamtenlaufbahn. Zunächst arbeitete Heinrich Kneuer als Referent im Innenministerium, 1949 wurde er Präsident des Verwaltungsgerichts und 1951 Regierungspräsident von Oberbayern.

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