Heinrich Nicolaus. br

50. Todestag von Heinrich Nicolaus

Dachau - Einen Tag vor seinem 74. Geburtstag, am 17. März 1966, starb der Besitzer der MD-Papierfabriken Heinrich Nicolaus nach langem schweren Leiden.

Am Dachauer Waldfriedhof wurde er vor 50 Jahren zur letzten Ruhe gebettet. Es war wohl eine der größten Trauerfeiern, die Dachau je erlebt hat. Von der Grabstelle aus konnte man damals noch direkt auf die Papierfabrik schauen. Rund 200 Kränze waren am Grab und entlang der Wege zum Grab aufgestellt. Bei den zahlreichen Reden wurde immer wieder die hohe soziale Einstellung von Heinrich Nicolaus hervorgehoben. Der Betriebsrat erinnerte an den hervorragenden Gerechtigkeitssinn des Unternehmers und betonte, dass Nicolaus für alle Arbeiter und Angestellten mit dem Werk auch eine betriebliche Heimat geschaffen habe, die sie auch in allen Nöten schützte.

Heinrich Nicolaus war zweifelsohne die markanteste Persönlichkeit der Dachauer Industriegeschichte. Seine München-Dachauer (MD) Papierfabriken waren nicht nur der größte Arbeitgeber, sondern auch der bedeutendste Faktor der städtischen Steuerkraft. Aber das war nicht der Grund, warum Nicolaus 1962 zum Dachauer Ehrenbürger wurde.

„Über dem Unternehmer Heinrich Nicolaus stand stets der Mensch Heinrich Nicolaus, der immer bereit war, zu helfen, wenn er überzeugt war, helfen zu müssen.“ Diese Worte stammten vom Dachauer Ehrenbürger Prälat Pfanzelt, den mit dem evangelischen Heinrich Nicolaus ein freundschaftliches Verhältnis verband.

Heinrich Nicolaus wurde am 18. März 1892 als Sohn eines Papierfabrikanten im Allgäu geboren. In seiner Heimat erwarb er bereits als 26-Jähriger ein stillgelegtes Fabrikgebäude und gründete eine Rohpapier-Fabrik. Eine weitere Papierfabrik kam wenig später in Kempten dazu. Von diesen Firmen trennte sich Nicolaus und erwarb 1937 die München-Dachauer Papierfabriken. Er konnte damals das Werk aus einer schwierigen Situation retten. Selbst nach dem Krieg gelang es Nicolaus, rasch wieder eine Aufwärtsentwicklung des Unternehmens zu erreichen. Zu seiner Zeit nahmen die MD-Papierfabriken vor allem dank des hohen Technikstandes in der gesamten europäischen Papierfabrikation einen hohen Rang ein.

Heinrich Nicolaus bekleidete zahlreiche Ämter im Industrie- und Wissenschaftsbereich. Staat und Wissenschaft zeichneten ihn für diese Ehrenämter mit Orden und Titeln aus. Seine Erfolgslaufbahn verdankte Nicolaus seinem Fleiß, seinem Fachkönnen und seinen menschlichen Fähigkeiten. In einer Ehrensitzung am 20. März 1962 ernannte ihn der Dachauer Stadtrat einstimmig zum Ehrenbürger. Der Stadtratsbeschluss lautete: „Herr Fabrikbesitzer Senator Heinrich Nicolaus wird aus Anlass seines 70. Geburtstages in Anerkennung seiner einmaliger, außerordentlichen Verdienste, die er sich um die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Dachau erworben hat, zum Ehrenbürger der Stadt Dachau ernannt.“

Nicolaus‘ Wohnsitz war die Taschner-Villa in Mitterndorf, das damals noch zu Günding gehörte. Auch die Gemeinde Günding ernannte ihn zum Ehrenbürger. Die MD-Papierfabriken waren über Jahrzehnte der größte Arbeitgeber in Dachau. Aber nicht nur die dort Beschäftigten, sondern auch andere Bürger lernten die Großzügigkeit von Heinrich Nicolaus kennen. So gab es damals z.B. kaum eine Vereins-Festschrift, die nicht durch eine Papierspende vor ihm gesponsert wurde.

Nicolaus hat den Niedergang seiner MD-Papierfabriken nicht mehr erlebt. Offen bleibt damit auch die Antwort auf die Frage, ob es unter seiner Leitung so weit gekommen wäre.

(br)

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