Platz für 300 Flüchtlinge

Traglufthalle eingeweiht in Bergkirchen-Gada eingeweiht

Bergkirchen - Die neue Traglufthalle in Bergkirchen-Gada ist bereit für den Einzug der Flüchtlinge. Sie ist ein Ort zum Leben – aber kein Ort zum Wohlfühlen. Das wurde bei der Einweihung deutlich.

Einen einladenden Eindruck macht die neue Traglufthalle in Bergkirchen-Gada nicht. Die Flüchtlingskunterkunft steht auf einem Acker an der Straße nach Eisolzried. Rundherum sieht es wüst aus. Der Zugang führt über einen matschigen, steinigen Weg. Es ist erdrückend eng. Bis zu 300 Flüchtlinge sollen in der Halle auf engstem Raum zusammenleben.

Eine aus der Not heraus entstandene Lösung. Trotzdem hoffen die Verantwortlichen, dass es in dieser Traglufthalle keine Probleme geben wird.

Landrat Stefan Löwl versicherte auf Nachfrage, dass der Weg zur Traglufthalle noch geteert werde und schneefrei gehalten soll. Beim Rundgang wies die stellvertretende Landrätin Marianne Klaffki außerdem darauf hin, dass es im Vergleich zur Karlsfelder Halle einige Verbesserungen zur Minderung der Lärmbelästigung gegeben hätte, wie eine bessere Fußbodenqualität und die Einrahmung der Trennwände.

In der Halle sind ein Wohn- und Essbereich und Sanitärcontainer. Der Schlafbereich mit den Abteilen für zwei oder sechs Personen ist nur durch Vorhänge abgeschirmt. Selbstkochen ist aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Ein Catering-Service verköstigt daher die Asylbewerber.

Landrat Stefan Löwl stellte die Traglufthalle bei einer öffentlichen Präsentation in Anwesenheit von Mitarbeitern des Landratsamtes, der Caritas, der Polizei, Kreisräten, des Bergkirchner Gemeinderats, Mitgliedern der Asylhelferkreise und zahlreichen Bürgern vor. Die Bürger, die sich selbst einen Eindruck verschaffen wollten, warteten geduldig im Regen vor dem Tor, bis die Security ihnen in kleinen Gruppen den Zugang zur Halle durch die Schleuse gewährte. Sie spürten, was es für die künftigen Bewohner heißt, selbst zum Luftschnappen nur durch die Schleuse nach draußen zu gelangen.

Pfarrer Albert Hack, der nach einer Mut machenden Andacht Gottes Segen für die Flüchtlingsunterkunft erbat, ist voller Zuversicht, „dass es funktionieren wird“. An die etwa 300 Besucher appellierte er, „weiterzusagen, was Sie hier gesehen haben“. Nämlich wie bedrückend es sein muss, wenn etwa genauso so viele Menschen wie gerade versammelt, in der Halle auf engstem Raum ohne jegliche Privatsphäre und ohne Tageslicht leben müssen.

Landrat Löwl erläuterte die Gründe, warum das Landratsamt „gezwungen“ sei, die Menschen vorübergehend in Traglufthallen unterzubringen, bevor sie in andere Unterkünfte wechseln können. Die Lage des Standorts bezeichnete er als „gut geeignet“, abseits „von klassischer Wohnbebauung“, um eventuelle Konflikte von vornherein auszuschließen.

„80 bis 90 Prozent der Flüchtlinge halten sich an die Regeln und sind guten Willens“, sagte Löwl. „Keine Toleranz“ gebe es für die Störenfriede. Ab Januar werde man „deutlich mehr Schema reinbringen“. Bei Beschwerden über namentlich bekannte Personen bat Löwl um Meldung an das Landratsamt. Als Ansprechpartner stellte er den neuen Sicherheitsbeauftragten Norbert Klose vor - ein ehemaliger Polizeibeamter, der auf seine neue Aufgabe sehr gespannt ist.

Die Halle wird permanent überwacht. Zwei Vollzeitkräfte und so genannte Kümmerer sind im Einsatz. Auch ehrenamtliche Asylhelfer erleichtern das Leben in der Halle. Die Engagierten wissen allerdings noch nicht genau, was auf sie zukommen wird.

Bürgermeister Simon Landmann betonte, dass er dem 75-köpfigen Helferkreis sehr dankbar ist, der sich der Flüchtlinge annehmen will.

Er freute sich auch über die vielen Bürgern aus allen Teilen der Gemeinde, die zur Besichtigung gekommen waren. Landmann gab zu bedenken, dass es kein „Zuckerschlecken“ sei, „ sieben Tage in der Woche 24 Stunden in einer Notunterkunft zu verbringen“. Es sei ein Glück, dass keine Familien mit Kindern erwartet werden, da Kinder wegen des Lärms keinen Schlaf finden würden. Als Vorteile erwähnte er die gute Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz und die Einkaufsmöglichkeiten. Sein Resümee: „Ich hoffe, wir schaffen es hier in Bergkirchen“.

Die Flüchtlinge sollen bald einziehen: Ihre Ankunft hat sich auf nächste Woche verschoben.

Ingrid Koch

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