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Oft trügt der Schein: Das Wort „Kren“, das der Krenmoosstraße ihren Namen gab, stammt nicht von dem Wurzelgemüse, sondern ist eine Verstümmelung von „Krähen“, die in Karlsfeld heute noch in großen Schwärmen anzutreffen sind. Foto: Michael Betz

Der Traum vom blau-weißen Denkmal

Karlsfeld - Zu Lebzeiten hatten die Karlsfelder Malerin Edeltraut Klapproth, der Tierpräparator Josef Leinor und der Gemeinderat Georg Forschmayer wohl nicht viel gemeinsam. Doch sie alle haben von den Karlsfelder Bürgern ein besonderes Denkmal gesetzt bekommen - in Form eines blau-weißen Straßenschildes.

Simone Hotzan kennt die meisten Geschichten, die hinter Karlsfelds blau-weißen Straßenschildern stecken. Sie arbeitet im Bauamt der Gemeinde, die Straßenbenennung gehört zu ihrem Zuständigkeitsbereich. Früher oder später landet jeder Vorschlag auf ihrem Schreibtisch. Keiner weiß besser als sie, wie schwer es ist, von seinen Mitbürgern eine Straße gewidmet zu bekommen.

„Für lebende Personen ist es sogar unmöglich“, erklärt sie. Blau-weiße Denkmäler werden nur an verstorbene Personen vergeben. Und zwar nur an die Karlsfelder, die bei mindestens einem ihrer Mitbürger einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Edeltraut Klapproth, Josef Leinor und Georg Froschmayer haben das geschafft. Sie sind vorgeschlagen, diskutiert und für würdige Namensgeber befunden worden. Genauso wie die beiden Pfarrer Erich Goldammer und Josef Mühlhauser.

Früher hatten es die Karlsfelder noch leichter, wenn sie es auf ein Straßenschild schaffen wollten. Sie mussten lediglich Grund besitzen, der für die Gemeinde wertvoll war. So kamen der Allacher Bauer Rudolf Ballauf (Ballaufstraße), die Ehefrau des Grundstückeigentümers Bartholomäus Stampfl (Augustestraße) oder der Schafzüchter Leonhard Wöger (An der Bockwiese) zu ihren Denkmälern. „Man hat es sich früher eben leichter gemacht“, sagt Hotzan. Damals steckte nicht allzu viel hinter den Bezeichnungen. „Oft stimmen sie auch strenggenommen nicht mehr.“ So verläuft beispielsweise die Nordenstraße längst nicht mehr im Norden des Gemeindegebiets. „Die Mühe, Namen zu ändern, macht man sich aber so gut wie nie“, berichtet Hotzan weiter. Damit sei zuviel Aufwand verbunden - für die Gemeinde und für die Anwohner ganz genauso.

Dafür versucht die Gemeinde heute umso strukturierter vorzugehen, wenn es um die Namensgebung für neue Straßen geht. Sie sind oft nach Themengebieten geordnet. „Ein neues Baugebiet haben wir Wissenschaftlern und Forschern gewidmet, in einem anderen sind die Straßen nach Vogelarten benannt, und das ehemalige Bayernwerkgelände steht ganz im Zeichen der Berge“, so Hotzan. Und wenn ein besonderer Bezug da ist, hat er bei der Namensgebung natürlich Vorrang. So haben beispielsweise Friedhofsweg oder Weiherweg ihren Namen bekommen.

An wirklich ausgefallene Vorschläge oder Ideen kann sich Simone Hotzan nicht erinnern. „Wahrscheinlich hätten sie sowieso keine Chance gehabt“, glaubt sie. Denn über die Straßennamen wird zuerst im Bauausschuss und dann im Gemeinderat beraten. Schnell geht es erst, wenn die Kommunalpolitiker grünes Licht gegeben haben. „Dann dauert es meist nur rund vier Wochen, bis das Straßenschild aufgestellt ist.“ Bis verdiente Karlsfelder Bürger auch überregional bekannt werden, vergeht allerdings mehr Zeit. Denn Landkarten werden nur alle anderthalb bis zwei Jahre aktualisiert. (kwo)

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