Ohne Rast und Ruh: das historische Uhrwerk im Kirchturm der Pfarrkirche St. Johann Baptist in Bergkirchen. foto: ink

Der Turmschatz von Bergkirchen

Bergkirchen - Im Kirchturm der Pfarrkirche St. Johann Baptist in Bergkirchen ist ein Schatz verborgen: ein vermutlich 200 Jahre altes Kirchturmuhrwerk, untergebracht in einem Schrank mit Glastür. Aus einem Zeitungsartikel des Jahres 1913 geht hervor, dass das Uhrwerk aus der Zeit Napoleons stammen könnte.

„Die Uhr ist mir bei einer Turmbegehung vor vielen Jahren auch schon aufgefallen. Damals habe ich mich aber mit diesen Dingen nicht befasst“, berichtet der Bergkirchner Heimatforscher Hubert Eberl.

Nach Aussage von Pfarrer Albert Hack war schon mal in Erwägung gezogen worden, das Meisterwerk der Öffentlichkeit zu zeigen. Der Aufwand sei jedoch immens, weil das Uhrwerk von Spezialisten zerlegt und wieder zusammengesetzt werden müsste.

Der Antrieb des Uhrwerks erfolgte zunächst über Gewichte, die per Hand wieder nach oben gekurbelt werden mussten. Später übernahm ein Elektromotor diese Aufgabe. Große öffentliche Uhren waren zumeist an Kirchtürmen platziert, damit sie von weither sichtbar waren und gehört wurden. Sie dienten dem Nutzen aller Bewohner des Ortes. „Die Versorgung mit Zeit“ war eine kommunale Aufgabe.

Im Amperboten vom 1. November 1913 hieß es: „Über 100 Jahre soll sie ihrer Aufgabe gerecht geworden sein. Ohne Ruh und Rast, bei Tag und Nacht ist sie gegangen, nichts konnte sie in ihrem Lauf hemmen. Aber, obgleich sie noch alle Zähne besaß, so konnte sie sich doch gegen den Zahn der Zeit nicht behaupten. Altersschwach geworden, fing sie zu kränkeln an, und weil man ihr trotzdem keine Ruhe gönnen wollte, erhielt sie von mitleidiger Hand den Gnadenstoß. Wenn es nun wahr ist, dass dem Glücklichen keine Stunde schlägt, dann müssen die Bergkirchner die Glücklichen gewesen sein, denn ihnen schlug sechs Monate lang keine Stunde mehr. Doch es muss nicht so gewesen sein, denn ihr sehnlichstes Verlangen war, der Dahingeschiedenen eine Nachfolgerin zu geben, sie wollten wieder wissen, „wie viel es geschlagen hat!“ Aus dieser Verlegenheit half der rühmlichst bekannte Turmuhrenfabrikant August Hemberger. Die Nachfolgerin ist ein prachtvolles Werk, der neuesten Technik entsprechend mit elektrischem Aufzug. Dieses Werk beweist wiederum, dass die Gemeinde Bergkirchen keine Opfer scheut, wenn es gilt, etwas Gemeinnütziges zu schaffen. Möge die Uhr der Gemeinde recht viele glückliche Stunden schlagen!“

Ingrid Koch

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