Überweisung erschlichen – sechs Monate Gefängnis

Dachau - Ende Juli ist seine Bewährungszeit abgelaufen. Und doch muss ein 24-jähriger Münchner nun sechs Monate ins Gefängnis – das Dachauer Amtsgericht verurteilte ihn dazu.

Der Angeklagte soll im Oktober des vergangenen Jahres mit verstellter Stimme bei der Bergkirchner Zweigstelle der Sparkasse Dachau angerufen haben und sich so eine 500-Euro-Überweisung auf sein eigenes Konto erschlichen haben. Betrug.

Er selbst jedoch wollte im Gerichtssaal von dieser Tat nichts wissen. Seine Exfreundin, die Inhaberin des Kontos, von dem die 500 Euro abgebucht wurden, soll seiner Meinung nach das Ganze eingefädelt haben.

„Die Frau will mir eine reinwürgen“, so der Angeklagte vor Gericht. „Weil ich ihr angeblich das Leben zerstört haben soll!“ Für ihn die logische Folgerung: Die Exfreundin hatte geplant, ihn wegsperren zu lassen – bei einer Tat in offener Bewährung eine wahrscheinliche Konsequenz.

Amtsrichter Stefan Käsbohrer schien diese Theorie jedoch wenig einzuleuchten. „Warum soll sie Ihnen dann nur einen Betrug unterjubeln? Warum nichts Schlimmeres?“ Zudem sei es unlogisch, für solch eine Angelegenheit 500 Euro aus dem Fenster hinauszuwerfen.

Der Richter hielt dem Angeklagten die Fakten dagegen: Das Geld wurde auf sein Konto überwiesen, und sobald es dort angekommen war, ist es von ihm abgehoben worden. Käsbohrer: „Und Sie verbessern Ihre Situation hier nicht, wenn Sie kein Geständnis abgeben.“

Dass die Bankangestellte selbst die Stimme der Kontoinhaberin am Telefon erkannt hatte und deshalb ohne weitere Sicherheitsmaßnahmen, wie etwa einer Pin-Nummer, die Überweisung vorgenommen hatte, ließ beim Richter trotzdem keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten aufkommen. „Sie können ja eine Dritte damit beauftragt haben“, meinte Richter Käsbohrer dazu.

Wegen der neun Voreintragungen und keiner sonderlich guten Sozialprognose muss der Münchner nun sechs Monate im Gefängnis absitzen. (np)

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