Machtspiele der Aristokratie und die dagegen ankämpfende junge Liebe: das gräfliche Paar (hinten, Christina Schäfer und Ansgar Wilk) mit Susanne und Figaro (Lisa Wittemer und Guido Drell). foto. ink

Unterhaltsam, hintergründig - brillant

Bergkirchen - Was als leichte und verspielt wirkende Komödie beginnt, entwickelt sich zur Tragödie. Im Theaterklassiker „Der tollste Tag“ geht um Liebe, Macht, Schein und Sein. Das Ensemble des Hoftheaters Bergkirchen vermittelt brillant die Gesellschaftskritik.

Premiere im Hoftheater Bergkirchen mit einem spannungsgeladenen Stück und Darstellern, die einen Kraftakt vollbringen: Der Theaterklassiker „Der tollste Tag“ des österreichischen Schriftstellers Peter Turrini aus dem Jahre 1972 basiert auf der Komödie von Pierre Auguste Caron de Beaumarchais, die 1778 unter dem Titel „Der tolle Tag“ oder „Figaros Hochzeit“ erschien. Herbert Müller hat das gesellschaftskritische Stück, in dem es um Liebe, Macht, Sein und Schein geht, für das Hoftheater Bergkirchen unterhaltsam und hintergründig inszeniert.

Im Vergleich zu Mozarts unsterblicher Oper „Figaros Hochzeit“, die bereits vor Jahren auf dem Spielplan des Hoftheaters stand, ist in dem Intrigenspiel von Turrini alles anders: Die zunächst leicht und verspielt wirkende Komödie entwickelt sich zur Tragödie. Die beiden jungen Protagonisten Susanne und Figaro sind kein opernhaftes Paar, sondern Menschen, die sich auflehnen gegen die Ungerechtigkeit und für ihre Liebe kämpfen.

Gegen die dekadente, in ihren Machtspielen verfangene Aristokratie ist nicht anzukommen. Die Gerichtsurteile sind eine Frage des Geldes und werden von korrupten Beamten (Ulrike Beckers und Günter Sommermann) gefällt. Doktor Bartholo (Jürgen Füser) tritt als vermeintliche Stimme der Gerechtigkeit in Aktion, während dem Intriganten Bazillus (Herbert Müller) immer neue böse Spielchen einfallen. Recht und Macht liegen auf Seiten des Grafen Almaviva (Angsar Wilk). Der liebeshungrige Graf will das abgeschaffte „Recht der ersten Nacht“ erneut in Kraft setzen, um die Braut seines Kammerdieners Figaro (Guido Drell) ins Bett zu ziehen. Susanne (Lisa Wittemer) vertraut sich der verständnisvollen Gräfin Almaviva (Christina Schäfer) an, die mit weiblicher List einen Machtkampf gegen ihren Gatten führt. In ihrer Einsamkeit hat sie an einem Untertanen Gefallen gefunden. Tobias Zeitz spielt den Diener Cherubin. Im Wortwitz und in brillanten Dialogen äußert sich die messerscharfe Gesellschaftskritik, die das Ensemble brillant in Szene setzt.

Ihr komödiantisches Talent mit aufreizend geschminkten Lippen und gierigen Blicken auf Figaro lebt Anna Katharina Fleck als Marcelline voll aus. Sie ist eine der Neuentdeckungen am Hoftheater in dieser Saison und stammt aus Bergkirchen. Die Rollen der mädchenhaften Susanne und des gewitzten, selbstbewussten Figaro hat Herbert Müller ebenfalls mit zwei neuen Gesichtern besetzt. „In den Personen von Susanne und Figaro braucht es junge, direkte Schauspieler. Die fast ungebremste Spiellaune von Guido Drell kommt der spielerischen Figaro-Intrige sehr entgegen“, so Müller.

Ansgar Wilk mimt faszinierend den lüsternen, düsteren Grafen, der, in Ekstase geraten, gnadenlos mit Peitschenhieben um sich schlägt, bis er selbst zum Opfer wird. „Er ist tot“, stellt die Gräfin voller Entsetzen fest, und erinnert, „dass es doch eine Komödie werden sollte“. Christina Schäfer, elegant und würdevoll, hat in der Schlussszene einen bewegenden Auftritt. „Revolution“ heißt das letzte Wort in dem bitteren Intrigen- und Liebesreigen, der an Aktualität nichts eingebüßt hat.

(ink)

Vorstellungen:

Die nächsten Vorstellungen finden in Bergkirchen am 26. März, 16., 23. und 30. April jeweils um 20 Uhr statt. Kartenbestellungen unter: 0 81 31/32 64 00.

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