Zerborsten vom Blitz ist die Eiche, doch erstaunlicherweise macht ihr das nichts aus.

Die uralte Schlosseiche von Eisolzried

Eisolzried - Über 20 Meter ist sie hoch, ihr Innenraum ist komplett hohl und über dem zerborstenen Stamm spannt ein silbernes Drahtgitter: Die wuchtige Eiche in Eisolzried ist weithin bekannt. Genannt wird sie 1000-jährige Eiche - in Wirklichkeit aber hat sie vermutlich schon 650 Jahre auf dem Buckel.

„Manchmal lasse ich meine Fantasie spielen“ schmunzelt Eva Hönigschmid. Jeden Tag spaziert sie an der wuchtigen Wegweisereiche am Ortsende vorbei. Und dann beginnt sie, zu träumen: „Ich lasse alte Jagdwagen vorbeifahren, und elegante Damen mit großen Hüten und schicken Kleidern aussteigen.“ Sie kichert. „Denn die Eiche hat bestimmt schon unendlich viel gesehen. Wahrscheinlich auch viele Kriege.“

Eva Hönigschmid ist 96 Jahre alt, und eine Expertin für den Baum. Sie wohnt seit über 40 Jahren in Eisolzried - und in dieser Zeit hat sie sich ein bisschen in die Eiche verliebt. Und sich über sie informiert: Was hat sie so erlebt?

Etwa die Gräueltaten während des 30-jährigen Krieges. Zwischen 1616 und 1648 hatten die Schweden den damaligen Markt Dachau belagert und geplündert. Ob sie dabei auch unter der Eiche kämpften, ist aber ungewiss. Dafür aber ist die Pflanzung des Baumes fest mit der Geschichte von Eisolzried verwoben: „Die 1000-jährige Eiche wurde vermutlich als Teil des alten Schlossparks gepflanzt. Eisolzried war damals eine Hofmark und hatte neben einem Gericht auch ein eigenes Schloss“, erzählt die 96-Jährige. Zum Ende des 19. Jahrhunderts brannte das Schloss ab, aber die zähe Wegweisereiche am Ortsende von Eisolzried überlebte.

Im Archiv des Landratsamts Dachaus ist sie als rund 650 Jahre alter Baum vermerkt. Damit ist sie einer der ältesten Bäume in Deutschland. Und musste sich manchen Herausforderungen stellen: „2003 hatten Vandalen in der Eiche ein Feuer gelegt“, erzählt Eva Hönigschmid. Glücklicherweise konnten Feuerwehrmänner die betagte Eiche aber mit Löschschaum retten. „Der Eiche hat der Brand überhaupt nichts ausgemacht“, wundert sich die Eisolzriederin. „Es ist unglaublich, wie sie jedes Jahr austreibt und gesund ist.“

Doch ein paar Kratzer und Schürfwunden hat das Buchengewächs während ihres langjährigen Lebens trotzdem abbekommen - zum Beispiel hat vor einigen Jahren der Blitz in dem Baum eingeschlagen. Seitdem ist ein Teil des Stammes am rechten oberen Ende aufgebrochen und mit einem engmaschigen Drahtgitter überspannt. Die Blitzrinne reicht sogar bis zum Boden, wird bis dahin aber immer schmäler. Außerdem ist ein großer Ast bei dem Blitzschlag herabgestürzt, berichtet Eva Hönigschmid: „Seitdem hängt die Eiche ein bisschen auf der einen Seite.“

Sonst hat sich der Baum nicht sehr verändert, „nur die Gegend drumherum“, sagt Eva Hönigschmid. Leider, findet sie. Denn neben dem Baum wurde vor einiger Zeit eine Betriebshalle gebaut. Zuvor maßen Sachverständige zwar die Wurzeln der Eiche, ob sie bis zum neuen Baugebiet reichten - aber: Die Wurzeln waren weit genug entfernt, die Bauherren konnten sich durchsetzen. „Leider haben sie diese Halle gebaut. Sie passt nicht zur Eiche. Vorher stand sie immer ganz einsam“ erzählt Eva Hönigschmid wehmütig. „Trotzdem: Ich liebe diese Eiche.“

(ans)

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