Der restaurierte Gedenkstein mit der Gedenktafel und (v.l.) Pfarrer Rudolf Eichhammer, Heimatforscher Thomas Schlichenmayer, Bildhauer Hermann Kleinknecht und Bürgermeister Richard Reischl. Im Hintergrund der Weiher, in dem die Häftlinge bis zum Gürtel im Schlamm standen. Foto: Rabl

Ein vergessenes Mahnmal

Ampermoching - Jahrzehntelang schlummerte am Weiher in Ampermoching ein Zeugnis unseliger Vergangenheit. Jetzt wurde der 1985 aufgestellte Gedenkstein wieder aus der Vergessenheit geholt.

Der Ampermochinger Heimatforscher Thomas Schlichenmayer ist auf einen im Gestrüpp und mit Grünspan überwucherten Marmorblock am Dorfweiher in Ampermoching gestoßen. Das weckte natürlich seine Aufmerksamkeit. Zusammen mit seiner Frau Klara, Josef Glas und Albert Klingensteiner ging er der Sache auf den Grund. Auf den Marmorblock konnte die eingemeißelte Inschrift „Die Opfer des Nationalsozialismus“ entziffert werden. Auf den ersten Blick wusste niemand, woher der Stein kam und wer ihn geschaffen hatte.

Intensive Nachforschungen führten schließlich zum Berliner Bildhauer Hermann Kleinknecht, der das Denkmal 1985 schuf und am Weiher aufstellen ließ. Mit dem Denkmal wollte der Künstler der KZ-Häftlinge gedenken, die 1933 den Ampermochinger Weiher vom Schlamm befreien mussten.

Hermann Kleinknecht, der 1985 für einige Zeit in einem Atelier im alten Schulhaus von Ampermoching arbeitete und heute in Berlin und München lebt, kam bei Spaziergängen durch den Ort immer wieder am Dorfweiher vorbei. Anwohner erzählten ihm, dass KZ-Häftlinge 1933 den Dorfweiher hatten räumen müssen. Dokumente, die durch die Heimatforscher zu Tage gefördert wurden, belegten dies.

Der Amperbote berichtete am 5. Oktober 1933, dass ein Arbeitstrupp von etwa 130 Mann damit beschäftigt sei, den drei Tagwerk großen, mit Fischen besetzten Weiher zu räumen und tiefer zu legen. In der Mittelbayerischen Zeitung vom 24. September 1946 berichtete einer der Häftlinge, „dass wir acht Stunden lang bis zum Gürtel im Schlamm standen, um den Dorfweiher der Gemeinde Ampermoching auszuputzen. Dazu kamen noch drei Stunden für Hin- und Rückweg.“

Bildhauer Kleinknecht wollte mit seinem Gedenkstein nicht anklagen, sondern an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Nun wurde der Stein restauriert und direkt am Weiher gut sichtbar platziert. Auf der neugeschaffenen Infotafel steht: „Opfer des Natioalsozialismus - Opfer gab es hier wie dort. Die Opfer waren immer leidende Menschen - Hermann Kleinknecht, Berlin 2014.“ Weiter heißt es: „1933 mussten KZ-Häftlinge aus dem Lager Dachau den Ampermochinger Dorfweiher ausräumen und entschlammen.“

Bei einer kleinen Feierstunde mit den Heimatforschern, Pfarrer Rudolf Eichhammer und dem eigens aus Berlin angereisten Bildhauer Hermann Kleinknecht selbst sprach Bürgermeister Richard Reischl seine Anerkennung aus: „Sehr geehrter Herr Kleinknecht, vielen Dank für ihren Mut und ihre Courage, dieses Thema damals zu einem öffentlichen Bestandteil unseres Gemeindelebens zu machen. Junge Generationen haben nur durch solche aktiven sichtbaren Mahnmale die Möglichkeit, daran teilzunehmen und eine Meinungsbildung zu bestreiten“.

Der 73-Jährige war sichtlich gerührt, dass seine Arbeit nach Jahrzehnten noch einmal gewürdigt wird. Passanten haben bereits Blumen auf den Stein gelegt. Pfarrer Rudolf Eichhammer segnete den Gedenkstein. (khr)

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