Verkehrskonzept weckt Hoffnungen

Dachau - Der Kreistag diskutiert über das Verkehrs-Konzept. Der Zug zur Erreichung der landkreisweiten Klimaschutzziele scheint abgefahren, aber einige Projekte sind auf einem guten Weg.

Der Landkreis kann seine Klimaschutzziele bis 2020 kaum noch erreichen. So viel wurde am Freitag im Kreistag klar, als die Ergebnisse des Klimaschutz-Teilkonzepts Verkehr des Landratsamts vorgestellt wurden.

Die Vorgabe, die sich der Kreistag 2007 gegeben hatte, bis 2020 die CO2-Emissionen um 40 Prozent zu senken gegenüber dem Ausstoß des Jahres 1990, scheint unerfüllbar. Denn selbst wenn es gelänge, die Verkehrsemissionen um ehrgeizige 22 Prozent (im Vergleich zu 2010 bzw. sieben Prozent im Vergleich zu 1990) zu reduzieren, müssten auch noch die Kohlendioxidmengen, die durch Wärme- und Stromnutzung in die Luft gepustet werden, radikal vermindert werden.

Patrick Ansbacher vom Beratungsinstitut Baum Consult sprach von einem „unglaublich ambitionierten“ Ziel. Praktisch müsste der gesamte Strom, der im Landkreis aus der Steckdose kommt, klimaneutral sein. Außerdem müsste jede dritte Ölheizung bis 2020 gegen klimaneutrale Wärmequellen ausgetauscht sein - in Zeiten, in denen Erneuerbare Energien politisch gedeckelt werden, ein Ding der Unmöglichkeit. Doch Nichtstun hilft bekanntlich nicht.

Daher stellten Ansbacher und seine Kollegen Dr. Markus Haller (MVV) und Dr. Ulrich Glöckl (Transver) einige Verkehrs-Maßnahmen vor, um zumindest in die richtige Richtung zu steuern: weg vom motorisierten Individualverkehr hin zu umweltfreundlicheren Alternativen wie ÖPNV, Fahrradnutzung oder auch Carsharing-Modelle. Wobei manches nicht machbar scheint: Haller führte dabei die oft gewünschte U-Bahnverlängerung von Feldmoching nach Karlsfeld oder gar Dachau an: Das „Kosten-Nutzen-Verhältnis“ würde nicht passen, so der MVV-Mann. Die Karlsfelder Kreisräte Stefan Handl (CSU) und Mechthild Hofner (ÖDP) wollten das Argument nicht gelten lassen: Die S-Bahn bedürfe dringend einer Entlastung, waren sich die zwei einig. Handl war es auch, der die Tarifzonengrenze in Karlsfeld thematisierte: „Viele fahren von Dachau bis nach Karlsfeld mit dem Auto, um sich einen Streifen zu sparen.“

Überhaupt finden einige Kreisräte das Tarifsystem des MVV „ungerecht“, wie der Sulzemooser Bürgermeister Gerhard Hainzinger (CSU) monierte. Sein Odelzhauser Kreisrats-Kollege Dr. Roderich Zauscher (Grüne) ergänzte: „So lange Autofahren billiger ist als der ÖPNV, wird kein Umstieg erfolgen.“ Zauscher erkundigte sich nach der Finanzierung des geplanten Schnellbusses auf der A8. „Da ist noch alles offen“, antwortete Haller. Später ergänzte Albert Herbst, der ÖPNV-Fachmann im Landratsamt: „Sachaufwandsträger sind eindeutig die beteiligten Landkreise.“

Insgesamt scheint das Projekt indes auf einem guten Weg zu sein: Haller sprach von „konkreten Gesprächen“, die zurzeit mit dem Augsburger Verkehrsverbund liefen, im April werden zudem die Ergebnisse einer Studie vorliegen. Der MVV erwartet, dass durch den Bus (und seine Zubringer) mehr als zwei Millionen Pkw-Kilometer jährlich eingespart werden könnten - und damit jede Menge klimaschädliches Kohlendioxid. Haller machte den Räten außerdem Hoffnungen für ein anderes Projekt: Die Verlängerung einer Straßenbahntrasse nach Allach. Auch wenn dazu ein teurer Brückenbau (oder Anbau) über den

Güterbahnhof notwendig ist. Das Anrufsammeltaxi-System (AST), das zurzeit in einigen Kommunen beraten wird, halten die Verkehrsfachleute für klimatechnisch wenig relevant. Trotzdem empfahl der MVV-Experte, „jetzt den Einstieg in das System zu wagen“; Optimierungen“ werde es im Laufe der Zeit geben, so Haller. Ins gleiche Horn stieß vehement Landrat Hansjörg Christmann: „Nichts zu tun, wäre schädlich!“

Viel Wert legte das Verkehrstrio auf den Ausbau des Radwegenetzes, unter anderem mit „Radschnellwegen“ nach München. Hier gelte es, einen Trend zu unterstützen. Marese Hoffmann (Grüne) forderte Radleihstationen in Dachau oder Altomünster, nicht zuletzt für Tagestouristen.

Ebenfalls im Blickpunkt der Fachleute: Car-Sharing-Systeme. Sie würden insgesamt zu einer Verhaltensänderung hin zu mehr ÖPNV beitragen, so Ansbacher. Der Dachauer Stadtrat Thomas Kreß (Grüne) zeigte sich skeptisch: „So lange wir das Erbe der autogerechten Stadt nicht abstreifen, bleiben solche Modelle ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Der wichtigste Änderungs-Parameter seien die Kosten des MIV: „Das Autofahren muss seine Attraktivität verlieren“, prognostizierte der Dachauer OB-Kandidat. Landbürgermeister wie Odelzhausens Konrad Brandmair (CSU) quittierten solche Gedankengänge mit einem verständnislosen Kopfschütteln.

Erarbeitet wurden die Konzepte im Verlaufe des letzten Jahres unter der Ägide der ehemaligen Klimaschutzbeauftragten des Landratsamts, Brigitte Detering, und ihrer Nachfolgerin Maria Niedermaier. Eigentlich waren die fünf Workshops für interessierte Bürger offen, doch deren Beteiligung war enttäuschend gering. Was am Niveau der Diskussionen und an der Relevanz der entstandenen Konzepte nichts ändert. Auch wenn es fast schon zu spät scheint. Marianne Klaffki (SPD) mahnte: „Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an.“

Die Ergebnisse

des Klimaschutzkonzepts zum Verkehr sind in einer 263 Seiten umfassenden Studie zusammengefasst sind im Internet unter www.klimaschutz-dachau.de zu finden.

Horst Kramer

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