Was bleibt, ist Brennholz. Der Baum war fünf Meter hoch und hatte einen Umfang von 1,20 Meter.

"Geburtsbaum" des Sohnes gefällt

Vermieter holzt australischen Mammutbaum um

Dachau - Holger T. ist verärgert. Sein Vermieter hat den Geburtsbaum seines Sohnes einfach gefällt - ohne Vorankündigung. Jetzt ist die Lage verzwickt: Darf der Vermieter Bäume einfach umschneiden?

Holger T. (Name geändert), Mieter aus Dachau, traut seinen Augen nicht, als er vor ein paar Tagen von Motorsägengeräuschen geweckt wird. Beim Blick durch das Terrassenfenster sieht er, wie Mitarbeiter einer Gartenbaufirma die meterlange Hecke abrasieren und die vier erwachsenen Bäume fällen.

Darunter ist auch der zwölf Jahre alte Geburtsbaum des Sohnes von Mieter Holger T.: „Es war ein fünf Meter hoher australischer Mammutbaum mit einem Umfang von 1,20 Meter“, beklagt er. Jetzt ist das Gewächs nur noch ein Haufen Brennholz. Doch genau wie die anderen Mieter des Mehrfamilienhauses wusste Holger T. nichts von der Gartenumgestaltung seines Vermieters. Der wiederum will sich auf Anfrage der Dachauer Nachrichten nicht äußern.

„Mein Vermieter hat einfach die Hecke und alle Bäume umgeschnitten - alles ohne Vorankündigung“, behauptet Holger T. Dieses Vorgehen könnte Folgen für den Vermieter haben, so die Rechtsanwältin für Wohnungseigentumsrecht Petra Steinbeiß: „Dass der Vermieter einfach in den vom Mieter genutzten Garten einmarschiert ist, kann entweder den Tatbestand des Hausfriedensbruchs oder der Besitzstörung erfüllen. Er hätte es auf jeden Fall vorankündigen müssen.“

Seit mehr als zwölf Jahren lebt Holger T. mit seiner Familie in einer Terrassenwohnung im Erdgeschoss - Probleme mit dem Vermieter hatte er wegen der Gartennutzung bisher nicht. Als er einzog, vereinbarte Holger T. mündlich mit seinem damaligen Vermieter Roland H., dem Vater des jetzigen Vermieters, dass er den Garten nutzen darf: unter dem Vorbehalt, dass er sich um die Bepflanzung und Pflege der Grünanlage kümmert.

Im Einverständnis des ehemaligen Vermieters hat Holger T. den Geburtsbaum seines Sohnes gepflanzt. Jetzt ist der Mammutbaum jedoch Geschichte. Holger T. fragt sich, ob sein Vermieter den von ihm gepflanzten Mammutbaum einfach umsägen durfte.

Vor kurzem hat der Sohn das Haus übernommen und die Baumfällarbeiten und das Heckeschneiden angeordnet: „Der Vermieter ist Eigentümer der Sachen in seinem Garten“, erklärt Rechtsanwältin Katja Steinbeiß. Damit dürfe er auch die vom vorherigen Vermieter gepflanzten Bäume fällen und die Hecke wegschneiden.

Der von Holger T. gepflanzte Mammutbaum sei jedoch strittig. In diesem Fall müsse die Rechtsanwältin klären, ob der Mammutbaum zum Eigentum des Vermieters wurde. Das Kriterium: War der Mammutbaum von Mieter Holger T. bereits so fest mit dem Erdreich verwurzelt, dass nicht einmal ein Kran ihn entfernen hätte können? „Dann könnte der Vermieter den Baum einfach herausnehmen“, denn der Mammutbaum ist zum Eigentum des Vermieters geworden, erklärt Rechtsanwältin Steinbeiß: „Der Mieter hat allenfalls Ersatzanspruch in Höhe des gekauften Baumes.“

Holger T. ist traurig, denn er wollte den Mammutbaum bei seinem Umzug mitnehmen. „Ich habe einen Freund mit einem Wurzelkran gefragt, um den Baum herauszuheben.“ Ob das auch geklappt hätte?

Was darf der Mieter in seinem Garten?

Grundsätzlich gilt: Wenn der Mieter etwas anpflanzt, gehen die Gewächse in das Eigentum des Vermieters über. Allerdings hat der Bundesgerichtshof eine Lockerung entschieden. Pflanzt ein Mieter neue Bäume oder Sträucher, gehören ihm diese nach dem Auszug, er darf sie also mitnehmen. Aber: Wenn die Pflanzen so tief verwurzelt sind, dass sie sich nicht mehr entfernen lassen, hat der Mieter keinen Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich.

Jedoch muss der Mieter, wenn er eigene Bäume oder Sträucher pflanzen möchte, das zuerst mit seinem Vermieter besprechen. Blumen- und Gemüsebeete kann der Mieter ohne Absprache anlegen. Außerdem kann er verpflichtet werden, den ursprünglichen Zustand des Gartens bei seinem Auszug wiederherzustellen.

Anna Schwarz

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