Tragödie am Karlsfelder See: 24-Jähriger schwimmt zurück - und stirbt

Tragödie am Karlsfelder See: 24-Jähriger schwimmt zurück - und stirbt
Entwickelt Konzepte: der Asylsicherheitsbeauftragte Norbert Klose. sue

Der Vermittler

Dachau - Norbert Klose ist ein Mann mit Erfahrung. 43 Jahre lang hat er bei der Polizei gearbeitet. Seit Anfang des Jahres hat ist der 61-Jährige Asylsicherheitsbeauftragter im Landkreis Dachau - der erste in Bayern.

Im Rahmen seiner Tätigkeit soll Klose Sicherheitskonzepte für die Flüchtlingsunterkünfte entwickeln. Die Heimatzeitung sprach mit ihm über seine Arbeit.

-Seit Januar sind Sie im Amt - haben Sie sich schon einen Überblick verschafft?

Ja, das habe ich. Wir haben momentan 1800 Flüchtlinge im Landkreis untergebracht, jede Woche kommen 40 dazu, bis vor zwei Wochen waren das noch 66. Dennoch ist der Landkreis gefordert, alle zugewiesenen Personen unterzubringen, denn es wird immer schwieriger, geeignete Unterkünfte zu finden. Viele wollen ihre Grundstücke nicht hergeben.

-Woran liegt das?

Ich merke, dass seit den Vorfällen an Silvester in Köln die Stimmung gegen Ausländer in der Bevölkerung am Kippen ist.

-Wie merken Sie das?

Das höre ich beispielsweise auf Informationsveranstaltungen. Die Leute haben Angst um ihre Kinder, ihre Sicherheit, ihr Eigentum. Es gibt ja bekanntlich viele Gerüchte im Landkreis. Zum Beispiel, dass die Polizei nichts unternehme, wenn ein Asylbewerber etwas stehle. Aber das stimmt nicht. Die Personen werden genauso behandelt wie ein deutscher Dieb. Unter 100 Asylbewerbern sind zwei bis drei dabei, die Probleme bereiten, eventuell eine Straftat begehen - und die 97 anderen leiden darunter.

-Was haben Sie für einen Eindruck von den Unterkünften?

Die neuen Holzhäuser in Karlsfeld sind hervorragend. Die Leute können sich zurückziehen, die Häuser haben eine gute Infrastruktur, die Toiletten passen. Die Traglufthallen hingegen sind problematisch, weil sie groß und teuer sind. Es gibt dort keinen Persönlichkeitsbereich, sie können nicht selber kochen. Es wird aber viel unternommen, um die Situation zu verbessern, zum Beispiel durch Raucherzelte davor, und die Helferkreise versuchen, die Leute zu motivieren und zu beschäftigen.

-Was können Sie in Ihrer neuen Funktion tun?

Ich möchte zwischen der Bevölkerung und den Asylbewerbern vermitteln, Probleme aus der Welt schaffen.

-Haben Sie ein Beispiel?

Es haben sich zum Beispiel Geschäftsleute aus dem Gada gemeldet - dort befindet sich ja seit kurzem eine Traglufthalle -, weil die Asylbewerber herumstehen und die Kundschaft nicht richtig in den Laden kommen kann, auch Angst hat. Da haben wir die Polizei gebeten, verstärkt Streife zu fahren. Und die Leute sind ja auch nachsichtig und gehen dann. Zudem haben wir eine Hausordnung erstellt, die demnächst in allen Unterkünften ausgehängt wird.

-Was steht da drin?

Die Asylbewerber müssen sich an Regeln und Gesetze halten. In der Hausordnung wird beispielsweise auf Ruhezeiten, allgemeines Verhalten oder das Thema Entsorgung/Sauberkeit hingewiesen. Als Ergänzung zur Hausordnung werden Grundregeln des Zusammenlebens in Deutschland angefügt.

-Welche sind das zum Beispiel?

Männer und Frauen haben die gleichen Rechte, alle Menschen sind immer sexuell selbstbestimmt, die Religion einer Person spielt im öffentlichen Leben keine Rolle und ist reine Privatsache, und weltliches Recht steht über den Regeln der Religion.

-Wie soll langfristig mit der Flüchtlingsproblematik umgegangen werden?

Was wir in Deutschland brauchen, ist eine kontrollierte Einreise. Wir müssen wissen, wer bei uns im Land ist. Da verspreche ich mir viel von den neuen Asylausweisen, damit man nicht einfach untertauchen oder doppelt Geld kassieren kann. Und bei allem guten Willen muss man ganz klar sagen: Wir können nicht die ganze Welt aufnehmen.

-Wie schaffen wir die Integration?

Die Leute brauchen Beschäftigung, sonst kommen sie auf dumme Gedanken. Und sie wollen ja auch arbeiten! Die Helferkreise bemühen sich, die Bevölkerung bemüht sich, und auch die Asylbewerber müssen sich bemühen. Sie müssen Deutsch können, die Kultur annehmen, aufgeschlossen sein und mitmachen. Wir schaffen das….aber zugunsten derer, die hier Frieden suchen - und weil wir sonst den Rechtsextremisten in die Hände spielen.

Interview: Conny Kirmaier

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Helmut Größ sucht Dachauer Haustafeln
Dachauer Haustafeln – sie sind eine absolute Besonderheit. Der Heimatforscher Helmut Größ möchte sie nun für eine Ausstellung zusammenbringen.
Helmut Größ sucht Dachauer Haustafeln
Feuerwehr musste zum Löschen das Dach öffnen
Ein Brand in einem Wohnhaus in der Schlossallee von Sulzemoos hat in der Nacht zum Montag für einen Feuerwehr-Großeinsatz gesorgt. Mehrere Feuerwehre waren stundenlang …
Feuerwehr musste zum Löschen das Dach öffnen
VW-Fahrer rast in Stauende
Ungebremst ist ein 35-jähriger VW-Fahrer am Freitag in ein Stauende auf der A 8 auf Höhe Odelzhausen gerast. Er kollidierte laut Polizei mit drei Autos, sechs Personen …
VW-Fahrer rast in Stauende

Kommentare