Mit der Bürgermedaille wurde Franz Brückl für seine Erinnerungsarbeit belohnt.   foto: KN

Versöhnung war dem ehemaligen KZ-Häftling ein Anliegen

Dachau - Franz Brückl, Träger der Dachauer Bürgermedaille, wäre heute 100 Jahre alt geworden. 1995 wurde der Überlebende des KZ Dachau, für seine großen Verdienste um die Stadt Dachau mit der Bürgermedaille ausgezeichnet.

Unermüdlich war sein Einsatz, wenn es um die Erinnerungsarbeit in der KZ-Gedenkstätte ging. Er wollte versöhnen – auch als Pole, der nach dem Krieg in Deutschland geblieben war. Die Ausbildung der Gedenkstättenbetreuer war ihm ebenso ein Anliegen, wie die Begegnung mit Jugendlichen.

Er erzählte ihnen in Schulen oder in der Gedenkstätte von seinen Erlebnissen, wie dem Arbeitseinsatz in München, als er 1944 mit anderen Häftlingen Bomben zu entschärfen hatte. Insgesamt waren es 246 Blindgänger, die er unschädlich machen konnte. Er hatte das Blindgängerbeseitigungs-Kommando ebenso überlebt wie die Schinderei in der Kiesgrube und das „Baumhängen“, eine gefürchtete Strafmaßnahme für eine Kleinigkeit: einen fehlenden Knopf an seiner Häftlingsjacke.

Eine Denunzierung führte 1940 zu seiner Verhaftung, als er in seiner Heimatstadt Posen verbotene Hilfsaktionen des Polnischen Roten Kreuzes unterstützte. Fünf Jahre und vier Tage war er Häftling in Dachau und erlebte hier die Befreiung am 29. April 1945. Sein Geburtstag, einen Tag zuvor, war geprägt von größter Angst.

Werden wir überleben, wird die SS zulassen, dass wir von den Verbrechen berichten können? Das waren Fragen, die sich nicht nur Franz Brückl stellte. Im Gegensatz zu vielen anderen hat er nie daran gezweifelt, dass er mit Gottes Hilfe das Konzentrationslager überleben wird. „Franz hat mir wieder gezeigt, wie man betet – und das auf der Lagerstraße,“ erinnerte sich eine Bekannte später. Er starb am 22. Februar 1999. (dn)

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