23-jähriger Nigerianer ging in Stumpfenbach auf Landsmann los

Versuchter Totschlag in Asylunterkunft

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Es wurde Geburtstag gefeiert, es floss Alkohol, es flogen die Fäuste: Und ein 23-jähriger Asylbewerber aus Nigera zückte ein Messer und stach in der Asylbewerberunterkunft in Stumpfenbachauf seinen Kontrahenten ein. Nun stand der Mann vor Gericht – wegen versuchten Totschlags.

Stumpfenbach/München – Er kam nach Europa, um die Familie finanziell zu retten. Deutschland war nicht sein unbedingtes Ziel. Der Nigerianer Sunday O. (23), ein Analphabet, wäre auch gerne in Italien geblieben, doch irgendwie landete er in einer Asylbewerber-Unterkunft in Stumpfenbach, Gemeindebereich Altomünster. 

Seit gestern steht der 23-Jährige vor dem Landgericht München II. Versuchter Totschlag lautet der Tatvorwurf. Im September vergangenen Jahres hatte es in Stumpfenbach Streit gegeben. Sunday O. war betrunken. Er wusste, dass er Bier nicht in großen Mengen vertrug, konnte sich aber schlecht zurückhalten. „Wenn ich Bier sehe, muss ich trinken“, ließ er seine Dolmetscherin übersetzen. 

Beide kommunizierten in Pidgin-Englisch, nicht immer verstand der Angeklagte, was das Landgericht München II von ihm wissen wollte. Oder er antwortete so sinnentstellt, dass die Prozessbeteiligten ihn nicht verstanden. Auf die Frage zum Beispiel, wie lange er sich vor dem Vorfall in der Unterkunft befunden hätte, antwortete er: „Ich habe einmal Geld bekommen.“ Erst im Nachfragen wurde klar, dass der Mann die Zeitabschnitte nach Auszahlung der Sozialleistungen berechnete – und eben schon eine Monat in Stumpfenbach untergebracht war. 

An besagtem Abend hatte es eine kleine Geburtstagsfeier gegeben. Sunday O. sollte sich mit einem anderen Mitbewohner versöhnen. Das wollte er nicht, rasch flogen die Fäuste. Die Prügelei verlagerte sich nach draußen. Der 23-Jährige fiel aus dem Container auf dem Kies. Sein rechter Unterarm blutete, er war wutentbrannt. Er hechtete zurück in die provisorische Unterkunft, zückte ein Messer und stach es Jesse T., einem Landsmann, ins Schulterblatt, links neben den Hals und in den linken Unterschenkel. 

Ihm kam es darauf an, schrieb später der Staatsanwalt in seine Anklage, „dem Geschädigten tödliche Verletzungen zuzufügen.“ Vor Gericht räumte Sunday O. die Stiche ein, die Tötungsabsicht bestritt er, soweit er die Vorwürfe generell verstanden hatte. 

In seinem Leben war es bislang um ganz andere Dinge gegangen. Sein Vater, ein hoch angesehener Mann in seiner Region, hatte mit fünf Frauen zehn Töchter gehabt und eben ihn als einzigen Sohn. Seine Mutter zog mit ihm aufs Land. Zwischen dem Vater und seinen Familien gab es ständig Streit um eine geerbte Kakaobohnen-Plantage. Eines Tages prügelten die Verwandten den Vater tot. 

Sunday floh zu einem Onkel, der weit weg wohnte. Er wollte im Erbstreit nicht das nächste Opfer sein. Damals war er zwölf Jahre alt. Als junger Mann kehrte er zurück, mittlerweile jobbte er mit seinem Moped als Bote, während seine Mutter Wasser verkaufte. Er schwängerte eine junge Frau, um den Fortbestand der Familie zu sichern, dann begab er sich auf die Flucht nach Europa. Die Geburt des zweiten Kindes bekam er nicht mehr mit. Der Prozess dauert an.

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