Die Drahtzieher der Verkehrskonferenz: (v.l.) Josef Hauner (Landrat Freising), Christoph Göbel (Landrat Landkreis München), Stefan Löwl (Landrat Dachau), Joachim Herrmann (Verkehrsminister Bayern), Dr. Herbert Grebenc (BMW AG) und Stephan Reiß-Schmidt (Stadtdirektor München). foto: sessner (kn)

Ein visionäres Konzept für den Verkehr

Dachau - Es war bereits die zweite Verkehrskonferenz, bei der sich die Politiker aus Dachau, Freising, Landkreis und Stadt München zusammengesetzt haben, um über die Probleme beim Verkehr zu reden. Mit dabei diesmal: Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann. Und: Visionen.

Schwierige Sache, so eine riesige Konferenz, einen ganzen Nachmittag lang. Mit 84 Teilnehmern - und zwar größtenteils Politikern. Die zwar allesamt wollen, dass was vorangeht, aber für gewöhnlich recht unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was wie wo genau vorangehen soll. Und so hörte sich letztendlich auch das Ergebnis an, das Dienstagabend in einer Pressekonferenz im Thomahaus verkündet wurde: Es soll ein „Projekt in eine Struktur überführt werden“, erklärte Landrat Stefan Löwl. Hört sich etwas vage an, ist aber sicherlich ein spektakuläres Ergebnis für Löwl, der die Idee zu den Verkehrskonferenzen hatte, und der sie „wesentlich als Motor gefördert hat“, lobte Stephan Reiß-Schmidt, Stadtdirektor von München.

Voll des Lobes waren auch seine Kollegen, die Landräte aus Freising und dem Landkreis München, und Verkehrsminister Joachim Herrmann. Der Löwl kameradschaftlich duzte, und davon sprach, wie wichtig es ist, „über solche Visionen nachzudenken“, wie etwa den S-Bahnring. Denn der bleibt vorerst eine Vision, wie Herrmann erklärte.

Die Idee dazu war zwar schon in der ersten Konferenz im Oktober geboren worden: Ein S-Bahnring Nord über die Gütergleise der Bahn. Doch Herrmann dämpfte nun die Erwartungen: Die Bahn habe erklärt, dass sie die Gleise selber brauche und es dort keinen Spielraum für den Nahverkehr gebe. Trotzdem soll diese Idee keinesfalls aufgegeben, sondern eben jetzt angestoßen werden. „Ich bin mir des Tempos bei der Bahn bewusst“, so Hermann, „und wenn es nicht 20 Jahre, sondern zehn dauert, dann freut es mich.“

Außerdem soll über „Zwischenlösungen“ nachgedacht werden, so Hermann. Etwa: Ein Regionalzug von Freising zu BMW. Denn diese Firma saß mit dabei bei der Verkehrskonferenz, als einziger Vertreter der Wirtschaft, noch - doch das soll sich nun ändern, so Löwl: Auch andere Unternehmen werden demnächst mit ins Boot geholt. „Das ist das Schöne an dem Projekt, dass Wirtschaft und Politik zusammen arbeiten“, so Löwl. Der Vorteil: Die Wirtschaft habe „andere Zugänge“, etwa zur Bahn: „BMW kann direkt auf die Bahn zugehen“, frohlockte Löwl.

Und nun? Werden „die Überlegungen weitergeführt“, so Löwl, „den Schwerpunkt sehen wir beim ÖPNV“. Ein konzeptionelles Gutachten soll erstellt werden, etwa 18 Monate lang, mit allem drum und dran. Darin seien sich alle einig. Zumindest gab es keine Gegenrede, sagte Löwl, und alle „haben zumindest mal genickt“. Es soll ein großer, allumfassender Überblick werden über den Verkehr im Münchner Norden, dessen Probleme, dessen Herausforderungen, plus neue Ideen plus ihre Auswirkungen und plus Ideen für deren Finanzierung. Es soll ein „Zielbild“ werden, zu dem sich „jeder verpflichtet fühlt“, so Löwl.

Wie gesagt: schwierige Sache sowas. Ziemlich bombastisch sogar. Aber auch: ziemlich visionär. Und genau das braucht der Verkehr im Münchner Norden.

Nina Praun

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