Weht überhaupt genügend Wind?

Dachau - Der Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Sachen Windkraft hat es in sich: Das Gericht verlangt eine Prüfung der "Windhöffigkeit".

Die Richter kritisieren nicht nur die 900-Meter-Abstandsregel (wir berichteten mehrfach). Vielmehr bemängeln sie auch, dass sich die Landkreis-Kommunen bei ihren Flächenausweisungen nicht von der Wirtschaftlichkeit der Standorte überzeugt haben.

Mit anderen Worten: Ob an den angedachten Standorten überhaupt genügend Wind weht. Der Fachbegriff dazu lautet „Windhöffigkeit.“ Das Gericht schreibt: „Anlass zu Bedenken gibt (…), dass sowohl im Gutachten vom 28. April (der Münchner Landschafts-Architektin Irene Burkhardt - Anm. d. Red.) als auch in der Standortanalyse vom Oktober 2011 (vom Aichacher Büro Walter Brugger - Anm. d. Red.) die als Konzentrationsflächen für die Windkraftnutzung in Betracht kommenden Flächen ohne Berücksichtigung der Windhöffigkeit ermittelt wurden. Es ist deshalb von einer weiteren Reduzierung der tatsächlich geeigneten Konzentrationsflächen (…) auszugehen“.

Ein weiteres Problem sieht das Gericht in einer Ausweisung von potenziellen Standorten, ohne sich mit den Besitzern der Areale ins Befinden gesetzt zu haben. Schlussendlich könne diese Art der Planung dazu führen, dass keinerlei Windkraft-Flächen übrig blieben.

Altomünsters Bürgermeister Konrad Wagner (FW) kritisiert gegenüber unserer Zeitung das vom VGH gewünschte Vorgehen scharf: „Da sind man wieder, wie lebensfern Gerichte entscheiden können.“ Der Rathauschef der Marktgemeinde hält es schlichtweg für unrealistisch, vorab mit allen Eigentümern über rein theoretische Bauvorhaben zu diskutieren.

Nichtsdestotrotz sind nach dem VGH-Urteil alle bisherigen Planungen der 14 beteiligten Gemeinden wertlos. Wagner sieht darin kein Problem: „Wir haben nun keinen Zeitdruck mehr, da das Windrad in Etzenhausen aus unserem Vorhaben ausgeklammert ist.“ Weitere Anträge lägen zurzeit nicht vor. Doch könnte der Richterspruch andernorts weitere Steine ins Rollen bringen - in Odelzhausen. Die A8-Gemeinde hat sich zwar nicht der Landkreis-Allianz angeschlossen; doch in ihren eigenen Teilflächennutzungsplan hat sie ebenfalls die vom Gericht kritisierten 900-Meter-Abstände festgeschrieben. Es könnte sein, dass der zukünftige Betreiber der dort geplanten High-Tech-Windmühlen auf den Gedanken kommt, weitere Anlagen zu errichten. Und dabei näher an die umliegenden Ortschaften heranzurücken.

Heute beschäftigt sich der Stadtrat Dachau nochmals mit dem Windrad in Etzenhausen. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr.

kra

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