Überwiegend in recht lockerer Weise wurde das Thema Asyl in Weichs diskutiert. foto: nef

Die Weichser sind bereit, zu helfen

Dachau - Landrat und Bürgermeister haben zusammen einen Infoabend in Weichs zum Thema Asylbewerber organisiert. Etwa 90 Bürger sind gekommen. Im Laufe des Abends wurde klar, dass viele Weichser helfen wollen, einige auch besorgt sind - und ein paar zu viel auf Gerüchte geben.

Weichs - Um die Bürger mit der Thematik der Asylbewerber (siehe untern) näher vertraut zu machen, um ihre Anregungen und eventuellen Sorgen anzuhören, lud die Gemeinde zusammen mit dem Landratsamt zu einer Infoveranstaltung unter dem Motto „Asylsuchende in Weichs“ in den Bürgersaal. Mit rund 90 Personen war die Resonanz für die Organisatoren durchaus zufriedenstellend. Auffällig dabei, dass sich auch etliche vom neuen Jugendrat unter den Interessierten befanden.

Bürgermeister Harald Mundl und Landrat Stefan Löwl versuchten, die Asylproblematik den Weichsern näher zu bringen. Zur Zeit kommen im Landkreis derzeit 42 Asylbewerber wöchentlich an. Beide stellten klar heraus, dass man ihnen helfen muss. Doch sie erklärten auch, dass die Aufgabe eine Belastung sei, etwa für die betroffenen Politiker, Organisationen, Helferkreisen und die Bevölkerung.

Die vielen Fragen und Anregungen bewiesen, dass die Weichser durchaus bereit sind, zu helfen, sie sich aber auch Sorgen machen.

25 Personen engagieren sich beim Helferkreis Weichs. Dessen Vorsitzender Heinrich Fitger (SPD) berichtete über die Arbeit der vielen Freiwilligen. Er erklärte, dass es zwar viel Zeitaufwand erfordere, aber man auch viel helfen kann. Es werden dringend weitere Helfer gesucht.

Für einen Großteil der Besucher war aber dann die Anmerkung von Christiane Fitger nicht ganz nachvollziehbar. Während ihr Mann noch die gute Zusammenarbeit des Helferkreises mit der Caritas und dem Landratsamt lobte, fand seine Frau überraschend scharfe Worte: Sie bedauere, dass man weder von der katholischen Kirche noch von der CSU Hilfsangebote erhalte. Löwl erwiderte, dass es genügend andere Beispiele gibt und man nicht mit dem Finger auf andere zeigen soll. Birgit Singer (CSU) wollte Fitgers Vorwürfe so nicht stehen lassen: „Jeder muss für sich selbst entscheiden, wo er sich engagiert.“ Sie erinnerte an andere Aufgaben in der Gemeinde, wie etwa die Jugendarbeit, wo es auch gilt, zu helfen.

Auf die Fragen nach dem Familienstand der baldigen Neuankömmlinge und wie sie ihre Freizeit verbringen, erklärte der Landrat, dass etwa 80 Prozent der Flüchtlinge alleinstehende junge Männer sind, und man auch in Weichs mit dieser Personengruppe rechnet - vermutlich aus afrikanischen Regionen.

Einige berichteten dann von Gerüchten, die ihnen zu Ohren gekommen waren. Ein Bürger erzählte, dass er gehört habe, dass bei Vergehen von Flüchtlingen die Polizei nicht eingreife. Polizeihauptkommissar Ernst Ziegenheim wies diesen Vorwurf ausdrücklich zurück. Ein anderer Bürger meinte, man solle den Flüchtlingen einen Besen in die Hand drücken. Löwl erwiderte, dass die Flüchtlinge kleine Jobs annehmen dürften, auf der Basis eines 1,05-Euro-Stundenlohn. Die Regelzuwendung liege bei einem Ehepaar derzeit für jeden der Partner bei knapp unter 300 Euro monatlich. Zudem fragte der Bürger, warum die Bewohner nicht ihre Anlage selber pflegen. Doch Löwl erwiderte, dass die Asylbewerber ihre Unterkunft natürlich selber aufräumen und putzen - nur die sanitären Anlagen werden extern gereinigt, da gebe es spezielle Auflagen, aus hygienischen Gründen. Dass Flüchtlinge ein Handy haben, konnte ein anderer nicht verstehen. Die Kosten für das Handy bringen die Leute ganz alleine auf, stellte Löwl klar. Und: „Das Handy ist für sie die einzige Verbindung in die Heimat.“

Eine Dame aus dem Helferkreis merkte an, dass sie von einem jungen Syrer erfahren hat, dass ein Programm auf dem Handy ihm dazu dient, Deutsch zu lernen. Überhaupt war von den Weichsern, die bereits beim Indersdorf Helferkreis aktiv sind, viel von positiven Erfahrungen und innigen Beziehungen zu hören.

Löwl bemerkte dann, dass auch er keine optimalen Lösungen für die Zukunft sieht. Zudem erklärten er und der Bürgermeister, dass sich etwas tun müsse, um das „Asylproblem“ einzudämmen. „Bei Hochwasser, weiß man, dass der Regen mal aufhört, beim Asylproblem wissen wir es aber nicht“, so Löwl. Mit Blick auf eventuelle Anfeindungen wegen angeblicher Verfehlungen von Flüchtlingen oder zu viel Zuwendungen betonte er: „Glauben Sie nicht allen Gerüchten.“

Und noch eines wurde klar: Der Trend geht eher dahin, dass Weichs noch mehr Asylbewerber aufnehmen muss, meinte Löwl. Deshalb muss sich die Gemeinde Gedenken machen, wo Bauland ausgewiesen werden könnte, um sozialen Wohnraum zu schaffen - für diejenigen Flüchtlinge, deren Asylantrag anerkannt wird und die somit in Deutschland bleiben dürfen.

Asylbewerber in Weichs:

Drei Familien, zwei aus Albanien und eine aus dem Kosovo, mit insgesamt 15 Personen leben bereits seit ein paar Wochen als Asylbewerber in einem vom Landkreis angemieteten aus in einer Weichser Wohnsiedlung. Zwar sieht es nicht so aus, aus ob diese Länder als sichere Herkunftsländer eingestuft werden, dennoch werden derzeit etwa 90 Prozent der Asylanträge aus Albanien und dem Kosovo abgelehnt. Für rund 50 weitere Asylbewerber, die nach jetzigem Stand am 10. September erwartet werden, entsteht gerade eine kleine Containersiedlung mit zwei Modulwohnungen an der Ortsausfahrt Richtung Ebersbach. Im neuen Weichser Containerdorf wird es keinen speziellen Sicherheitsdienst geben. Nachtruhe in der Unterkunft ist ab 22 Uhr - damit diejenigen Bewohner, die schlafen wollen, Ruhe haben. Wer sich im Helferkreis engagieren will, kann sich melden bei Werner Kerzel (werner.kerzel@weichs.bayern.de oder 0 81 36/93 04 23), bei Familie Fitger (0 81 36/18 61) oder Familie Döll (0 81 36/55 23).

(nef)

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