Bairisch begrüßt per Broschüre (vorne) wurden die Gäste der Podiumsdiskussion. hab

Wichtig ist die Einstellung zur Mundart

Dachau - Boarisch: Dachauer Heimatsprache, Herzensdialekt - aber auch vom Aussterben bedroht. Der Dachauer Kreisverband des Bayernbundes hat dazu eine Podiumsdiskussion veranstaltet.

„Wie viel Dialekt ist erlaubt?“ So lautete das Thema der Podiumsdiskussion des Dachauer Kreisverbands des Bayernbundes im Zieglerbräu mit etwa 40 Zuhörern. Alfons Dinglreiter, Vorsitzender des Bayernbundes, Landtagsabgeordneter Anton Kreitmair, Robert Gasteiger, Brauchtumsreferent im Dachauer Stadtrat, Markus Erhorn vom Jungbayernbund und Sigi Bradl, Förderverein Bairische Sprache und Dialekte, erörterten die Frage: „Ist Bairisch erwünscht, geduldet, verfemt, gefördert, gesprochen, aussterbend, lebendig?“ Es moderierte Susanne Allers von der Sparkasse, als „linguistischer Kontrapunkt“, so Dinglreiter ausdrückte. Denn Allers stammt aus Norddeutschland - dort „snackt man Platt“.

In einem waren sich alle Teilnehmer einig: Dialekt ist wichtig. Oder, wie es Adolf Dinglreiter in seiner Einführung ausdrückte: „Je weiter die Welt wird, umso wichtiger wird wieder das Nahe, das was wir ,Hoamat’ nennen.“

Die Diskussionsteilnehmer sprechen allesamt Dialekt und sind stolz darauf. „Früher habe ich mich manchmal bemüht, Hochdeutsch zur reden. Mittlerweile habe ich es aufgegeben, weil ich dazu stehe, wo ich herkomme“, berichtete zum Beispiel Anton Kreitmair. Ähnlich sieht es Siegfried Bradl: „Ich war 25 Jahre in Europa unterwegs und hab’ nie ein Problem mit Dialekt gehabt.“

Bradl weiß aber auch, dass sich viele Eltern Sorgen machen, dass Kinder, die Bairisch sprechen, in der Schule oder später im Beruf im Nachteil wären. Er ist dagegen überzeugt: „Wir müssen den Kindern beibringen, situativ umzuschalten. Das ist die beste Basis für das Erlernen einer Fremdsprache.“

In einigen Schulen gibt es bereits Projekte, mit denen der Dialekt gefördert wird. Die Grund-, Mittel- und Realschule Odelzhausen hat zum Beispiel bei der Aktion „Mundart wertvoll“ mitgemacht. Herausgekommen ist ein „Odelzhausener Mundart-Büacherl“ mit vielen Geschichten, Gedichten und Tipps auf Bairisch. „Es war ein Kraftakt. Viele im Kollegium können kein Bairisch, ich selber habe auch erst Bairisch lernen müssen“, erklärt Rektorin Cordula Weber die Herausforderungen bei dem Projekt. „Lasst die Schulen nicht allein!“, forderte sie deshalb. Der Bayernbund will hier ansetzen, die Lehrer unterstützen und ihnen Lernmateralien anbieten.

Noch wichtiger als alle Aktionen ist aber, wie die Leute selbst zur Mundart stehen. „Das Boarische nimmt einen Werbecharakter ein“, bedauerte Ludwig Gasteiger. Bei Veranstaltungen wird es gerne gesehen, sonst oft verdrängt. Doch Gasteiger hat Hoffnung: „Man muss die Leute begeistern“, sagt er. Oft entstehe dann eine Gruppendynamik: Ein Beispiel: der Dachauer Stadtrat. Am Anfang hatten sich nur ein paar Räte eine Tracht gekauft, inzwischen haben fast alle traditionelle Dirndl oder Lederhos’n im Schrank hängen. Genauso ist es mit dem bairischen Dialekt: „Wenn die Spezln anfangen, wieder Bairisch zu reden, machen bald alle mit“, hofft Gasteiger.

Auch Markus Erhorn, der als Vertreter der jungen Generation auf dem Podium saß, zeigte sich optimistisch. „Heutzutage ist Bairisch bei den jungen Leuten wieder in. Die jungen Leute schreiben in Facebook und auf WhatsApp auf Bairisch.“

(cla)

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