Mit dem Bauwagen-Image hat der Miegersbacher Jugendtreff tatsächlich nichts zu tun. Viele Mitglieder kommen deshalb auch täglich. Foto_ kn-press

"Wir sind nicht irgendein Bauwagen"

Miegersbach - Es im Landkreis eine einzigartige Konstruktion, ein von Jugendlichen selbst betriebener Jugendtreff, der als eingetragener Verein organisiert ist.

Den etwa 50 Quadratmeter großen Raum haben die mittlerweile rund 60 Mitglieder in Eigenregie nach eigenen Vorstellungen seit 2006 ausgebaut und tausende Arbeitsstunden an Wochenenden oder im Urlaub investiert, die meisten Mitglieder sind in Vollzeit berufstätig.

Was aus ihrer Sicht ein Vorteil ist: Jeder bringt das ein, was er kann. So kümmert sich der 19-jährige Stefan Danhofer, Kaufmann im Groß- und Außenhandel, um die Finanzen des Vereins. Tobias Pfeiffer ist gelernter Tischler und hat die Terrasse und das Vordach geplant und zusammen mit seinen Freunden realisiert.

Seit 2007 existiert der Verein „Miegersbacher Hüttn e.V.“ Der Treffpunkt, der sich im Ortskern von Miegersbach, einem Dorf zwei Kilometer nordwestlich von Odelzhausen, befindet, ist das Werk der jungen Erwachsenen. Er finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Getränkeverkauf und nimmt an Traditionsfesten teil, wie etwa beim Maibaumaufstellen. Daneben organisieren die Mitglieder selbst ein Osterfeuer.

Dieses Jahr hat der Verein sich auch am Ferienprogramm beteiligt. Der Grundgedanke war bei fast allen Aktiven vor drei Jahren der gleiche: „Wir haben in Odelzhausen nichts gehabt, was uns getaugt hat“, sagt Stefan Danhofer. Wenn man in die Runde auf der Terrasse der Miegersbacher Hüttn fragt, wie oft sie hier her kommen, antworten viele: „Täglich.“

Stefan ist Vorsitzender des Vereins. „Auf dem Papier“, fügt er schnell hinzu, denn nichts werde vom Vorstand ohne Rücksprache beschlossen. „Man kennt uns“, sagt der 20-jährige Tobias Pfeiffer. „Wir kämpfen mit dem Image eines Bauwagens, sind aber ein organisierter Verein.“ Bestimmt fügt er hinzu: „Wir sind nicht irgendein Bauwagen, haben uns nicht getroffen und nur einen Bretterverschlag hingestellt.“ Was im Vergleich manch anderen Bauwagen im Landkreis anders ist: Jeder ist willkommen. Es handelt sich nicht um einen Treff einer bestimmten Clique eines Ortsteils. Viele, die regelmäßig hier her kommen, haben einen Schlüssel zur Hüttn. „Das funktioniert“, sagt Stefan Danhofer. Mit Diebstahl und Einbrüchen hätte man noch nie Probleme gehabt. Man habe sich alles selbst aufgebaut. „Dann bescheißt du dich doch selber“, meint Manuel Kirchberger.“

Verantwortung, Mitbestimmung und Aktivität werden in Miegersbach groß geschrieben: Der Altersdurchschnitt liegt in Miegersbach bei etwa 19 Jahren und auch viele Mädchen besuchen den Treffpunkt regelmäßig. Natürlich ist der Kühlschrank hinter der Theke in der Hüttn nicht nur mit Milch und Mineralwasser gefüllt, trotzdem wollen die jungen Erwachsenen verantwortungsbewusst mit Alkohol umgehen, in bewusster Abgrenzung zu Bauwagen. „Keiner kommt her mit dem Ziel, sich zulaufen zu lassen“, betont Tobias Pfeiffer. Was vielleicht auch ungewöhnlich ist: Seit Mai 2007 herrscht in der Hüttn ein totales Rauchverbot, weil die Mehrheit der Mitglieder Nichtraucher sind.

Dass ihr Projekt einmal einschlafen könnte, weil sie nicht mehr genug Zeit dafür aufbringen können oder sich die Interessen verändern, glaubt indes niemand aus der heutigen Runde.

dn

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