Wird die Totenglocke ausschließlich für Katholiken geläutet?

Dachau/Unterzeitlbach - Läuten in Unterzeitlbach die Totenglocken etwa nicht für jeden? Das hat sich eine Leserbriefschreiberin gefragt, als die Sterbeglocke bei einem Todesfall stumm blieb, denn: Der Verstorbene war evangelisch. Das Schreiben hat eine gewaltige Reaktion im Ort ausgelöst - sogar einen Rücktritt gab es.

„Die Glocken klingen, klingen viel anderst denn sonst, wenn einer einen Toten weiß, den er lieb hat“, proklamierte einst der Reformator und Gründer der evangelischen Kirche Martin Luther in einer seiner Tischreden. Doch was ist, wenn die Glocken nicht klingen? Wenn sie still stehen, weil man der, so scheint es, falschen Konfession angehört?

In Unterzeitlbach schwiegen die Glocken nämlich am 15. Juli, als ein evangelischer Mitbürger starb.

Fassungslos darüber empörte sich eine Unterzeitlbacherin am darauffolgenden Tag mit einem Leserbrief an die Dachauer-Nachrichten, dessen Sprengkraft und Reichweite sie so nicht erwartet hatte. „Ich möchte vorab betonen, dass es mir hier um Gemeinschaft und nicht um die Heraufbeschwörung von Streitigkeiten geht“, schreibt sie einleitend. Ein Appell, den einige Unterzeitlbacher ganz offensichtlich missverstanden haben. In Folge der auf sie einprasselnden Vorwürfe trat kurz darauf die langjährige Mesnerin der Kapelle zurück, obwohl sie über neun Jahre hinweg das Ehrenamt „gewissenhaft, gut und äußerst zuverlässig“ bekleidet habe, wie Hubert Güntner, Sprecher der Dorfgemeinschaf, lobt.

Güntner war es, der die Kapellengemeinde Anfang September zur Versammlung zusammentrommelte, um unter anderem die Nachfolge der Kirchendienerin zu beschließen. Dass die Versammlung im kleinen Rahmen stattfand, begründete Güntner damit, dass er den Schwerpunkt natürlich auf die Menschen richten wollte, die „regelmäßig die Kirche besuchen und die schon Arbeit in der Pfarrgemeinde geleistet haben, leisten und auch weiterhin leisten werden.“ In naher Zukunft werden die restlichen Dorfbewohner per Hauswurfsendung über die Neuregelungen und Besetzungen diverser Ehrenämter informiert.

Auch über die Dorfgrenzen hinaus hat der Leserbrief Wellen geschlagen: Eine formale Ungenauigkeit führte dazu, dass die Leserbriefschreiberin aus „Altomünster“ stammend betitelt wurde, weshalb sich auch die Stumpfenbacher Kirchenpflegerin Vorwürfen ausgesetzt sah, da man sie als Urheberin des Geschehens glaubte.

Dennoch: Darf die Sterbeglocke auch für Nicht-Katholiken läuten? Von der Pressestelle der Erzdiözese München heißt es dazu: „Es gibt zwar eine diözesane Läuteordnung, in der gewisse Richtlinien vorgegeben sind. Das Totenläuten ist allerdings nicht festgelegt, weshalb jede Gemeinde vor Ort selbst entscheiden muss.“ (mm)

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