Üppige Instrumentierung, dichter Sound: Reiner Winters, H.H. Babe und Holger Röder (v.l.) in Indersdorf. Foto: sch

Wüstenwind über kühlem Marmor

Indersdorf - Das Ensemble „Ice Blue Orchestra“ spielte im Barocksaal des Klosters Indersdorf.

Eis ist transparent und kristallin. Es ist kühl, schimmert blau und reflektiert Licht. Das Ensemble „Ice Blue Orchestra“ verrät all diese Eigenschaften im schicken Namen und macht Musik, die sich auf klare ästhetische Qualitäten besinnt.

Im Barocksaal des Klosters gab die dreiköpfige Münchner Formation ein Konzert mit einer Mischung aus Rock, Funk, Blues, Jazz und Pop, die zur derzeit angesagten Retro-Welle passt.

Als Support traten das Schulorchester und die Klasse 6c der Realschule Vinzenz von Paul unter der Leitung von Robert Egg auf. Die Schüler spielten in symphonischer Stimmung unter anderem Pirates of the Caribbean und Thriller von Michael Jackson in Arrangements ihres Musiklehrers Robert Egg.

Reiner Winters (Keyboards), H.H. Babe (Bass, Keyboards) und Holger Röder (Schlagzeug und Cymbals) stellten ihre erste CD „Awake“ vor. Tatsächlich taugt die Musik des Münchner Trios nicht nur zum Aufwachen, sondern auch zum Hinhören. Leider konnte sich der Sound im schlecht besuchten Barocksaal nicht optimal entfalten und hallte nach. Die drei Musiker spielen seit drei Jahren zusammen und haben sich auf eine gut hörbare Musik spezialisiert, die viele unterschiedliche Elemente vereint und auf klassischen Linien basiert.

Sie lieben es - auch was die Instrumentierung anlangt - üppig: Reiner Winters bedient drei stufenartig übereinander montierte Keyboards, E-Bassist H.H. Babe spielt einen sonderangefertigten, weltweit einzigartigen Doppelbass und Drummer Holger Röder sitzt in einer Landschaft goldglänzender Becken.

Die Bezeichnung „Orchestra“ ist - was den dichten Sound anlangt - durchaus gerechtfertigt. Aufgrund ihrer elektronischen Klangästhetik wird das „Ice Blue Orchestra“ gerne mit der englischen Supergroup der 70er Jahre, Emerson, Lake & Palmer, in Verbindung gebracht. Eigentlich macht das Trio aber Programm-Musik, die konzertant aufgeführt wird und zum konzentrierten Zuhören einlädt.

Musikalische Bilder von Landschaften oder Szenen werden farbenreich und in einem beständigen Fließen entwickelt. Die Musik ist notiert und kontrolliert, was auch dem Lebensalter der Musiker zu verdanken ist. Mit über 40 stürzt man sich eben nicht mehr in wilde, unkalkulierbare Abenteuer, auch wenn es nur in der Musik ist.

So hörte man in „Marbles and Sanddunes“ warmen Wüstenwind über kühlen Marmor streichen. Und „Wyatt Earp‘s Last Success“ beschwor eine Szene wie aus einem Western herauf. Im Saloon klimperte ein altes Klavier, ein Schuss fiel und die Musik schwoll in einem Schlagzeugwirbel dramatisch an, als ob sich zwei Revolverhelden beim Duell gegenüberstehen.

Kopf der Band ist Keyboarder Reiner Winters, der komponiert und arrangiert. Seine Liebe zur Klassik ist in allen Kompositionen zu spüren. Schlagzeuger Holger Röder haute in seinem Beckendschungel nicht wild drauf, sondern spürte den musikalischen Themen gefühlvoll nach und zeigte in solistischen Einlagen Fingerspitzengefühl für Groove und Swing.

Verbindungsmann zwischen den beiden Eckpolen ist E-Bassist H.H. Babe, der seine „Bässin“ ebenfalls nicht malträtiert, sondern liebevoll im Arm hält. (sch)

Auch interessant

Kommentare