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Zahl der Asylbewerber im Landkreis Dachau ist stark gesunken

Neue Herausforderungen für die Helfer

Die Zahl der Asylsuchenden im Landkreis ist nach dem Zuweisungsstopp im Frühjahr stark gesunken: Zehn Asylbewerber wurden dem Landkreis seit September zugeteilt. Doch die Arbeit in den Helferkreisen ist wichtiger denn je.

1401 Asylsuchende leben derzeit im Landkreis. Im Vergleich: Zum Jahresbeginn waren es nach Angaben des Landratsamtes noch 1900 Personen. Zehn Asylsuchende sind dem Landkreis nach dem Zuweisungsstopp im Frühjahr zugewiesen worden. 

Fast alle Asylunterkünfte mit Ausnahme der Unterkunft in Hebertshausen sind unterbelegt. In den Gemeinden Karlsfeld und Bergkirchen leben sogar nur die Hälfte an Menschen in den Wohnheimen, als ursprünglich Plätze vorgesehen waren. Die Traglufthalle in Karlsfeld ist bereits Anfang November geschlossen worden (wir berichteten). „Auch die Halle in Bergkirchen wird spätestens bis zum 4. Januar geschlossen werden“, kündigt Wolfgang Reichelt, Pressesprecher des Landratsamts, an. 

Insgesamt wurde in diesem Jahr 267 Menschen der Aufenthalt in Deutschland gewährt. 90 Menschen haben das Land laut Reichelt freiwillig wieder verlassen, 21 Personen sind gemäß der Dublin-Verordnung in den Staat abgeschoben worden, in denen die Menschen als erstes Boden der Europäischen Union betreten haben. Mit der Zeit sei auch die Zahl der so genannten „Fehlbeleger“ auf 283 Personen gestiegen. Die Menschen mit einem positiven Aufenthaltsbescheid müssen per Gesetz aus der Unterkunft ausziehen. In der Praxis ist der Auszug aber aus vielen Gründen nicht möglich: „Im Großraum München ist die Wohnungssuche sehr schwer.“ Unterstützung bekommen die Geflüchteten von den Helferkreisen. „Die Wohnungssuche ist so etwas Frustrierendes“, klagt Waltraud Wolfsmüller vom AK Asyl Dachau. Sowohl für die rund 200 Helfer, die „die Menschen ja weiterbringen wollen“, als auch für die anerkannten Asylbewerber selbst – sie wollen aus den beengenden Unterkünften raus. Die Wohnungssuche läuft vor allem im Raum Dachau. „Hier haben die Geflüchteten ja persönliche Bekanntschaften gemacht“, erklärt Wolfsmüller. Die Zahl der ehrenamtlichen Helfer in Dachau sei über das Jahr hinweg gleich geblieben. 

Im Helferkreis Indersdorf wurden sogar Wohngemeinschaften gegründet. Georg Weigl vom Helferkreis berichtet: „Manche Flüchtlingshelfer haben ein Zimmer an anerkannte Flüchtlinge vermietet.“ Der Mietpreis in der Region sei für anerkannte Asylbewerber ohne festes Einkommen nicht zu bezahlen. Eine Wohngemeinschaft dagegen sei eine Gewinnsituation für beide Seiten. „Wir suchen vor allem ältere Menschen, die vielleicht etwas Hilfe im Haushalt brauchen und ein Zimmer vermieten können.“ Die Wohnungsknappheit im Landkreis wird laut Reichelt auch durch den Familiennachzug noch „eine große Herausforderung“ werden. Menschen mit Recht auf Aufenthalt können per Gesetz in den ersten drei Monaten nach Erteilung des Bescheids einen Familiennachzug beantragen – ohne Überprüfung der Arbeits- und Lebensverhältnisse. 

Peter Barth vom Helferkreis Hebertshausen wünscht sich von der „großen Politik“ konkretere Maßnahmen in der Asylpolitik. Denn mittlerweile leben auch Menschen mit abgelehntem Asylbescheid, die laut Barth allerdings schon in Ausbildung sind, in der Unterkunft in Hebertshausen. „Wir müssen jetzt für diese Menschen kämpfen, damit sie hier ihre Ausbildung fertig machen können.“ Außerdem haben Geflüchtete ohne Aufenthaltserlaubnis keinen Zugang zu Deutschkursen, so Barth. Kein Unterricht, kein Beruf: „Wenn wir jemanden nichts mehr anbieten können, dann ist das eine Katastrophe.“ Für den Rentner ist die Hilfe im Arbeitskreis Asyl ein Fulltime-Job. „Ich schreibe Anträge, manchmal sogar Klagen gegen negative Asylbescheide.“ Das sei für viele Helfer in Hebertshausen in diesem Umfang gar nicht möglich. Doch bei allen Herausforderungen bleibt Barth optimistisch: „Die Integration ist möglich.“ Dafür müsse die „große Politik“ nicht nur andauernd Rückführungen zum Hauptthema der Asylpolitik machen. „Es muss mehr dafür getan werden, wie wir das schaffen."

Maximilian Pichlmeier

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