Zeitzeugengespräch

Dachau - Hans-Martin Buttler und Dr. Heinz Hermann Niemöller sind sich in der Versöhnungskirche zum ersten Mal begegnet.

Eng verbunden fühlten sie sich aber sofort. Denn ihre Väter waren beide Pfarrer und im Dachauer Konzentrationslager in Schutzhaft.

Mit den Lebensgeschichten ihrer Väter zogen Buttler und Niemöller die Zuhörer in der Versöhnungskirche über zwei Stunden lang in ihren Bann.

Hans-Martin Buttler war acht Jahre alt, als sein Vater von der Gestapo verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht wurde. Das einzige Lebenszeichen, das er die nächsten sechs Jahre von ihm bekam, waren Briefe. Aus diesen Briefen las Buttler Donnerstagabend in der Versöhnungskirche auf dem Gelände der Gedenkstätte vor.

„Ich bin munter und gesund. Ein Geschenk, für das man nicht dankbar genug sein kann“, schrieb Pastor Hans Buttler in seinem Brief im September 1941 an seine Frau und die vier Kinder. Damals saß er in Einzelhaft im Konzentrationslager Sachsenhausen. Genau dort lernte er den Häftling Pfarrer Martin Niemöller kennen. Über eine kleine Fensterklappe hat Niemöller auf seinen Spaziergängen im Hof mit ihm gesprochen, ihm und anderen Häftlingen jeden Tag einen Bibelvers durch die Luke gesprochen. Immer in der Gefahr, entdeckt und dafür bestraft zu werden.

Buttler wurde nach Flossenburg und danach ins KZ Dachau überstellt, hat aber über all die Jahre immer Briefkontakt zu seiner Familie gehalten. In der schweren Zeit hat er nie die Hoffnung verloren, in seinen Briefen sogar seiner Frau Mut gemacht. „Bleibe tapfer und stark“, schreibt er im Juni 1942, „und gib den Kinderchen ein Küsschen.“ Wegen der strengen Aufsicht musste er seine Nachrichten oftmals verschlüsselt schreiben. „Ich freue mich, dass es Onkel Carl nun endlich wieder etwas besser geht“, heißt es beispielsweise in einem seiner Briefe – mit Onkel Carl meinte er sich selbst.

Auch Martin Niemöller ist 1942 nach Dachau überstellt worden. Seine Familie bekam zwar keine Post von ihm, durfte ihn aber im Konzentrationslager besuchen. Ein Ereignis, an dass sich Heinz Hermann Niemöller noch heute genau zurückerinnert. „Unsere Unterhaltung wurde von einem Gestapo-Beamten überwacht“, berichtet er. „Da sind nicht große Emotionen aufgekommen. Nur kleine Gefühlseinlagen, soweit sie vor den strengen Augen des Beamten zulässig waren.“

Beide Väter kamen 1945 frei und kehrten zu ihren Familien zurück. Ein Moment, den Hans-Martin Buttler als „unvergesslich“ bezeichnet. „Als mein Vater zur Tür hereinkam ist er auf die Knie gefallen und wir haben alle gemeinsam das Vater Unser gebetet“, berichtet er. „Ich bin heute noch tief ergriffen, wenn ich an diesen Moment zurückdenke.“

Katrin Woitsch

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