Gastgeschenke: Frauenhaus-Leiterin Martina Nitsch vor Bildern, die Kinder gemalt haben. 21 Mädchen und Buben lebten 2008 im Frauenhaus. Foto: kwo

Zuflucht vor der großen Liebe

Dachau - Das Dachauer Frauenhaus feiert am Freitag sein zehnjähriges Bestehen.

280 Frauen mussten vergangenes Jahr die Hilfe des Dachauer Frauenhauses in Anspruch nehmen. Viele von ihnen, um sich oder die Kinder vor Schlägen und Misshandlungen zu schützen. Angekommen sind sie mit Blutergüssen und Angst – verlassen haben sie das Haus oft mit einer neuen Perspektive.

Leiterin Martina Nitsch erinnert sich zum Beispiel an eine junge Bosnierin, die Schutz vor ihrer „großen Liebe“ gesucht hat. Geheiratet hatte sie mit 15 Jahren – freiwillig und überzeugt davon, ihr Glück gefunden zu haben. „Aber die Gewalt begann bereits in der Hochzeitsnacht“, berichtet Nitsch. Die Frau konnte damals kaum Deutsch, hatte keinen Schulabschluss, keine Arbeit und schon bald drei kleine Kinder. „Die schlechtesten Voraussetzungen, um der Situation zu entkommen“, urteilt die Leiterin. 15 Jahre brauchte die Mutter, bis sie ihre Energie nicht mehr darauf verwendet hat, ihren Alltag zu ertragen, sondern um für sich und ihre Kinder neue Perspektiven zu finden.

Die fünf Räume für maximal fünf Frauen und sechs Kinder sind so gut wie immer voll besetzt. Im vergangenen Jahr haben insgesamt 23 Frauen (14 davon aus dem Landkreis) und 21 Kinder im Frauenhaus Dachau gelebt. Etwa die Hälfte der Frauen war jünger als 30 Jahre, 20 von ihnen wurden in einer akuten Krisensituation aufgenommen. 93 Frauen konnten nicht aufgenommen werden, weil sie entweder aus anderen Bundesländern stammten, das Haus voll belegt war oder in ambulanter oder telefonischer Beratung andere Lösungsmöglichkeiten erarbeitet wurden.

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