Wenn das Hochwasser nach Dachau kommt: Unsere Grafik zeigt die Gewässer (türkis), das Überschwemmungsgebiet (blau) sowie die betroffenen Gebäude (rot). grafik : dn

Zwei Deiche und eine Flutmulde

Dachau - Das Wasserwirtschaftsamt München will etwas für den Hochwasserschutz in Dachau tun. Das dauert schon Jahre, und das wird auch noch Jahre dauern. Aber: Es passiert was. Nur nicht beim Damm am Gündinger Wehr.

Das Wasserwirtschaftsamt München hat seine Pläne für den Hochwasserschutz in Dachau am Dienstagnachmittag in der Sitzung des Umweltausschusses vorgestellt. Ihr Plan: Gegen Amperhochwasser sollen zwei Deiche gebaut werden, einer bei Lus (etwa 450 Meter lang und ein bis zwei Meter hoch) und am Kalterbach, an dem ein Feldweg etwa 350 Meter lang erhöht werden soll und daran anschließend ein Deich gebaut werden soll (300 Meter lang, etwa ein Meter hoch). Für den Gröbenbach soll dagegen vermutlich eine „Flutmulde“ gebaut werden, die von der B 471 bis nach Lus reichen solle: Das ist quasi ein großer Graben, der das Wasser geregelt abfließen lässt - etwa 3,5 Kilometer lang. Die Deiche und die Flutmulde sollten dann die betroffenen Häuser auch im Süden von Dachau vor dem Wasser beschützen, und zwar auch bei einem hundertjährigen Hochwasser, wie das Pfingsthochwasser 1999.

Allerdings wird es dauern, bis dies alles Wirklichkeit wird: Für die Amper-Deiche wird als Baubeginn 2021 angepeilt, für die Flutmulde 2023. Wer die Kosten tragen soll, ist noch nicht ganz klar, vermutlich wird es aber aufgeteilt: eine Hälfte zahlt der Freistaat, die andere die Stadt Dachau.

August Haas, der als CSU-Stadtrat in der Sitzung anwesend war, aber auch als Anwohner in Lus von dem Thema betroffen ist, ist aber noch ein anderes Thema ein Dorn im Auge: Der Damm beim Gündinger Wehr. Haas fürchtet, dass der Damm bei einem Jahrhunderthochwasser bricht - und dass dann der ganze Süden Dachaus unter Wasser steht (wir haben berichtet). Hass betonte, dass es „sehr wichtig“ sei, dass der Damm gesichert werde. Denn ansonsten sei auch das Gündinger Wehr „für sehr lange Zeit außer Kraft gesetzt, vielleicht ein halbes Jahr“. Er schloss: „Ein Dammbruch wird von niemandem akzeptiert werden können.“

Doch die Experten des Wasserwirtschaftsamts sehen die Situation weniger dramatisch. Der Damm am Gündiger Wehr habe beim letzten Hochwasser 2013 nur Glück gehabt, als er die Überströmung überstand, erklärte Josef Höschl in der Sitzung: „Es ist davon auszugehen, dass der Damm bricht.“ Doch mit einem dramatischen Dammbruch, wie es etwa an der Nordsee gebe, habe solch ein Dammbruch gar nichts zu tun, so Höschl: „So etwas droht uns nicht.“ Da der Damm sehr niedrig ist, es ist ein sogenannter „Sommerdeich“, wird er sowieso schnell überspült. Das Wasser werde also in keinem Fall schwallartig über Dachau herfallen. Und wenn ein Loch entsteht, bleibt dieses Loch relativ klein, weiß der Experte aus Erfahrung. Zudem sei so ein Schaden in etwa drei Tagen oder nach einer Woche wieder repariert, beruhigte Höschl. Er plädierte darauf, nicht die alten Dämme zu verbessern, sondern eben die neuen, klüger geplanten Dämme zu bauen.

Zwar versicherte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) den Experten, dass er ihren Berechnungen „vertraue“, er fragte aber trotzdem nach, was die Stadt konkret tun könne, um den Damm zu sichern - der zu den Stadtwerken gehört. Da der technische Werkleiter Gerald Nübel dann erklärte, dass solch eine Untersuchung „nicht ganz billig“ werde, wurde beschlossen, dass erst einmal überprüft wird, wie viel die Untersuchung überhaupt kosten würde.

Nina Praun

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