Zwölf Dachauer gründeten Sanitätskolonne

Dachau - Am 30. September 1889 gründeten in Dachau zwölf Bürger die "Freiwillige Sanitätskolonne".

Auf der konstituierenden Sitzung wurde der angesehene Buchdruckereibesitzer und Verleger Franz Mondrion zum ersten Kolonnenführer ernannt. Mit elf weiteren Gründungsmitgliedern, darunter auch Maurermeister Josef Reischl, hatte man sich einer schnellen Hilfeleistung für Verunglückte und Kranke verschrieben.

Anlass für die Gründung der Sanitätskolonne und damit des Roten Kreuzes war ein schweres Eisenbahnunglück mit neun Toten und zehn Schwerverletzten am 7. Juli 1889 in Röhrmoos. Damals dauerte es Stunden, bis Hilfskräfte aus München eintrafen.

In der neu gegründeten Kolonne übernahm die Erste-Hilfeausbildung der ehrenamtlichen Rotkreuzler damals der Bezirksarzt Dr. Heinrich Engert. Ein Jahr nach der Gründung wurde ein eigener Verbandskasten und eine Tragbahre auf Gemeindekosten angeschafft, weitere sechs Tragen wurden vom Münchner Kolonnenführer gestellt. Kurze Zeit später sah man die Wichtigkeit des Roten Kreuzes. Wie aus der Kolonnenchronik zu entnehmen ist, nahm die Zahl der Unglücks- und Krankheitsfälle im Jahr 1895 stark zu und „es machte sich schon die Nützlichkeit des Bestehens einer Sanitätskolonne merklich fühlbar“. So führten beispielsweise die Rotkreuzhelfer mit Erfolg eine Wiederbelebung an einem Kind durch, das ins Wasser gefallen war.

Die Mitgliederzahl stieg ständig an und 1897 wurde eine fahrbare, zweirädrige Krankentrage angeschafft. Im Jahr 1905 wurden die Rot- Kreuzler bereits zu 27 und 1909 zu 39 Einsätzen gerufen. Trotz wirtschaftlich schwieriger Lage wagte sich die Freiwillige Sanitätskolonne 1919 an die Erstbeschaffung eines motorisierten Sanitätskraftwagens. Das Fahrzeug war überwiegend zum Krankentransport eingesetzt, wenn durch das mehrmalige Umladen bei Bahntransporten und die Wartezeiten auf die nächste Züge das Leben der Patienten gefährdet hätten. Ab 1929 führte die Kolonne an hochsommerlichen Sonntagen Badewachen am Familienbad durch.

Nach dem zweiten Weltkrieg lag der Schwerpunkt der Rot-Kreuzarbeit in der Fürsorge. Hierzu gehörten unter anderem Schulspeisungsaktionen, der Suchdienst für vermisste Soldaten und Zivilpersonen und beispielsweise die Bescherung zu Weihnachten 1945 von 800 Kindern mit gespendeten Back- und Wurstwaren, Spielsachen und Kleidungsstücken.

Ab 1946 wurden auf dem Dachauer Volksfest und bei größeren Sportveranstaltungen Wachdienste durchgeführt und 1947 versorgte der BRK-Kreisverband Familien in den Flüchtlingslagern in Schwabhausen und Wagenried mit Hilfsgütern. Ende der 40er Jahre wurde die Breitenausbildung gestartet und eine Wasserwachtsabteilung gegründet. Ins Leben gerufen wurden in den 50er Jahren die Ortsgruppen Karlsfeld, Indersdorf und Odelzhausen. Seit 1954 gehört der Losverkauf durch das BRK zum festen Bestandteil des Dachauer Volksfestes.

In den 60er Jahren führt die Arbeitsfülle von Sanitäts- und Sozialdienst bereits zu Raumproblemen. Die Breitenausbildung wird weiter forciert, die Wasserwacht rettete 1962 vier Personen aus den Fluten und führten eine erfolgreiche Wiederbelebung durch. Die Sanitätskraftwagen in Dachau, Indersdorf und Odelzhausen legten 1963 eine Strecke von eineinhalbmal um die Erde zurück. fz

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