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Zeit, dass sich was dreht , und es zu einem Politikwechsel kommt, sagt Thomas Kreß. 

Landtagskandidaten im Porträt: Thomas Kreß (Grüne)

Er steht zu seinen Überzeugungen

Ein Grüner, der bei BMW arbeitet – das geht: Thomas Kreß ist Technikfreak, arbeitet als Entwicklungsingenieur beim bayerischen Autobauer, und hat als überzeugter Grünen-Stadtrat in den Köpfen seiner Kollegen schon den ein oder anderen Denkanstoß gegeben. Nun kandidiert er für den Landtag.

Landkreis – Thomas Kreß ist ein alter Hase in Sachen Infostand. Er war zweimal OB-Kandidat der Dachauer Grünen, einmal Landratskandidat, einmal Bezirkstagskandidat – und jetzt kandidiert er für den Landtag. Der 56-jährige Dachauer steht also wieder die Samstage unter den großen grünen Sonnenschirmen mit der gelben Blume darauf, diskutiert und versucht, Menschen zu überzeugen – von seiner Partei.

Seine Chancen, in den Landtag gewählt zu werden, schätzt Kreß ganz realistisch als „gering“ ein – wegen „der ungünstigen Größe unseres Wahlkreises, der zu klein ist“. So könne er zu wenig Stimmen sammeln, um auf der Liste weit nach vorne zu kommen. Aber: „Das Wichtigste ist, dass die absolute Mehrheit der CSU verloren geht“, sagt Kreß. Kreß hofft auf einen Politikwechsel, nach dem dann „die wirklichen Probleme des Landes“ und die Menschen Bayerns im Mittelpunkt stehen.

Die „wirklichen Probleme“: Das ist für Kreß zum einen die Wohnungsnot. „Wir müssen beim Wohnungsbau neue Wege gehen und in die Höhe bauen.“ Der Flächenverbrauch müsse kräftig eingedämmt werden, gerade auf dem Land: „Hier werden Baugebiete für Besserverdiener aus Städten ausgewiesen, die sicher nicht S-Bahn fahren und unsere Straßen verstopfen.“ Wären wir schon bei einem weiteren Problem: „Für den motorisierten Individualverkehr müssen wir Alternativen schaffen“, fordert er. Etwa einen Ringschluss der S-Bahn.

Thomas Kreß fährt selbst meist Fahrrad, wie sich das für einen Grünen gehört. 16 Kilometer in die Arbeit jeden Tag, zu BMW im Münchner Norden. Kreß arbeitet seit seinem Studienabschluss bei dem bayerischen Autobauer. „BMW baut Autos, die die Bürger wollen, und Vorgaben haben vom Gesetzgeber zu erfolgen“, erklärt Kreß.

Er ist einer der wenigen Spezialisten bei der Berechnung für elektrifizierte Antriebsstränge. Sprich: Er ist in der Antriebsentwicklung tätig, und zwar dort, wo sich Maschinenbau und Elektrotechnik treffen, „ein Grenzgänger“, erklärt der Entwicklungsingenieur.

„Ich bin ein Technikfreak“, sagt Kreß. Er studierte Maschinenbau in Darmstadt. Danach stellte sich die Frage: Stuttgart oder München? Dann entschied er sich für die Firma, die keine Rüstungssparte hatte – und kam nach München zu BMW. „Mir war damals wichtig, ohne Berührung zur Rüstung zu sein“, so Kreß. Inzwischen ist er auch bei BMW als Querdenker bekannt, „ich bin nicht mehr mit allen Entscheidungen meines Arbeitgebers einverstanden“. Andererseits könne man einer Firma nicht vorwerfen, dass sie das produziert, was die Kunden wollen.

Dabei ist Kreß davon überzeugt, dass die „vernünftigste und wichtigste Art der Elektrifizierung Pedelecs und Elektromopeds sind – also elektrifizierte Fahrzeuge mit kleiner Verkehrsfläche“.

Seit 2008 sitzt der Familienvater von vier Kindern im Stadtrat und betet bei jeder Gelegenheit die Notwendigkeit einer Verkehrswende vor. „In den meisten Köpfen hat sich das Bewusstsein, dass der Verkehrsraum beschränkt ist, schon verankert“, sagt Kreß und ist ein bisschen stolz drauf. Auch für das Fahrradparkhaus am Bahnhof und die Umgestaltung der Münchner Straße hat er sich stark eingesetzt.

Vor gut 30 Jahren kam Kreß nach Dachau, fünf Jahre später zu den Grünen. „Meckern und unzufrieden sein reicht nicht, selbst etwas machen“, das sagte sich Thomas Kreß. Er war Kassier im Kreisvorstand, Kreisrat im Jahr 2002, gründete 2006 den Dachauer Ortsverband mit und war dessen Sprecher. Es folgten OB-, Landrats-, Bezirkstagskandidaturen. Zuletzt, als Landtagskandidat, hatte er einen besonderen Auftritt: beim politischen Volksfestdienstag Mitte August vor knapp 2000 Besuchern, kurz vor der Rede des Grünen-Parteichefs Robert Habeck. Und Kreß vertrat auch vor dem vollen Festzelt seine Überzeugungen – kurz, knapp, pointiert. Diskutieren – das tut er dann wieder an den Infoständen.

Kurze Fragen, schnelle Antworten:

Leberkäs oder Gemüseauflauf? Warum oder? Hauptsache gut. 

Bier oder Wein? Je nach Stimmung. 

Anzug oder Kapuzenpulli? Einen Anzug hab ich nicht. 

Alpen oder Anden? Alpen sind näher, Anden war ich auch schon. Nachrichten gedruckt oder digital? Digital. 

Wenn ich im Lotto gewinne, würde ich… es keinem sagen.

Wenn ich einen Tag lang die Welt regieren dürfte, dann würde ich… Frieden und Gerechtigkeit einkehrten lassen. 

Wenn ich Musik höre, dann am liebsten… nur keinen Rap. 

Wenn ich eine Zeitreise machen dürfte, dann ins Jahr… 2100, weil ich neugierig bin. 

Mein Lieblingsplatz im Landkreis ist… mein Häuschen in Dachau-Ost. 

Glück ist… von lieben Menschen umgeben zu sein. 

Das wichtigste politische Anliegen in einer Twitter-Nachricht: Nachhaltige Sachpolitik für die Menschen und keine Klientelpolitik für Konzerne, keine Dritte Startbahn, Umweltschutz ist Bewahrung unserer Lebensgrundlagen.

Zu den Porträts 

Bis zur Landtagswahl am 14. Oktober stellen wir alle Direktkandidaten aus dem Stimmkreis Dachau vor. Die Reihenfolge der Veröffentlichung erfolgt zufällig und ist kein Ausdruck einer Gewichtung.

Nikola Obermeier

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