Ein Schluck Sekt auf das neue Lebensjahr: die neue Leiterin Andrea Betz, Jubilar Herbert Sadowsky und „Kollegin“ Maria Solleder. foto: ink

Mit dem Laptop ins Altenheim

Dachau - Herbert Sadowsky feiert im Caritas-Marienstift seinen 90. Geburtstag. Er übt seit einem Jahr das Amt des Bewohnerfürsprechers aus.

Herbert Sadowsky hat seinen 90. Geburtstag mit seiner Familie und Freunden im Caritas-Marienstift gefeiert. Zu den ersten Gratulanten gehörte die neue Heimleiterin Andrea Betz mit einer kleinen Abordnung des Hauses. Er fühlt sich dort zusammen mit seiner Frau Ursel seit drei Jahren pudelwohl. „Es wird alles für uns getan“, lobt er.

Herbert Sadowsky ist mit Leib und Seele Dachauer geworden. Er stammt aus Lettland und landete schließlich nach den Wirren des Krieges in englischer Gefangenschaft. Ihm ist es gelungen, aus allen misslichen Situationen immer das Beste zu machen und voller Optimismus in die Zukunft zu schauen. So nutzte er den zunächst unfreiwilligen Aufenthalt in England, um die Sprache zu erlernen und dort weiter zu arbeiten. Aufgrund seiner guten Englischkenntnisse begleitete er, nachdem er sich in Dachau niedergelassen hatte, die Dachauer Knabenkapelle mehrfach auf die britische Insel. Geblieben sind ihm neben den Erinnerungen und gute Kontakte.

Weltweite Kontakte pflegt er, unter anderem in Russisch, aufgrund des weiterhin ausgeübten Amateursfunks, für den er sich unter anderem viele Jahre bei Vorführungen im Deutschen Museum in München eingesetzt hat. Nach wie vor besucht er die Veranstaltungen seines Dachauer Amateurradioclubs C06 Langeweile kennt er nicht, weil er sich geistig fit hält. „Damit kann man nicht erst im Heim anfangen“, meint er, „sondern muss schon Jahre vorher damit anfangen“, rät er. Bei ihm sind es der Funk und die weltweite Korrespondenz, die seinen Tagesablauf bestimmen.

Vom Bayerischen Rundfunk wurde der Jubilar vor kurzem zum Thema Altenheim interviewt. Der dem „Altersheim“ von früher oft vorausgehende schlechte Ruf betrachtet er als überholt, weil er in der Unterbringung der Senioren mehr als eine reine Versorgungseinrichtung sieht. Er bewundert die Schwestern, die mit viel Geduld und Aufmerksamkeit auch auf „schwierige Patienten“ eingehen. Herbert Sadowsky hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen und strahlt Zuversicht aus, was dem Personal die Arbeit selbstverständlich erleichtert.

Herbert Sadowsky übt zusammen mit Maria Solleder seit einem Jahr das Amt des Bewohnerbeirats aus. Für die Leiterin Andrea Betz sind sie sehr wichtige Personen im Haus. „Sie spiegeln das Stimmungsbild unter den Bewohnern wider, machen mich auf Kleinigkeiten aufmerksam, die es noch zu verbessern gibt und geben mir positive Rückmeldungen“, sagt die 31-jährige Diplom-Sozialpädagogin.

Herbert Sadowsky ist derzeit der einzige Bewohner mit Computer, hat W-Lan-Anschluss und kommuniziert per E-Mail mit der Heimleitung. Da die Zukunft der alten Menschen immer mehr von modernen Kommunikationsmitteln geprägt werde, so Andrea Betz, seien Bewohner mit Laptop im Alten- und Pflegeheim herzlich willkommen.

ink

Auch interessant

Kommentare