Im Kreise der Familie lebt Elisabeth Steidl, hier mit Tochter Gertrud (l.), Enkelin Silke (2.v.r.), der Bürgermeisterin Claudia Kops (r.) und Schwiegersohn Karl-Heinz Walla. sh

Ein Leben inmitten der Familie

Haimhausen - Elisabeth Steidl aus Haimhausen feiert ihren 90. Geburtstag mit ihren Verwandten zu Hause

In der Geborgenheit der eigenen Familie alt werden, diesen Traum vieler Senioren darf Elisabeth Steidl erleben: Seit über 30 Jahren lebt die Seniorin bei ihrer Tochter in Haimhausen. Und so feierte sie ihren 90.Geburtstag mit ihrer Tochter Gertrud, dem Schwiegersohn Karl-Heinz und ihrer Enkelin Silke, die extra aus Berlin angereist kam. Enkel Michael ist seit kurzem verheiratet und besuchte die Oma am Abend.

Ein langer Weg führte sie vom Egerland in Tschechien zu dem Dorf im Norden Münchens. Ihr Geburtsort Doglasgrün im Egerland lag im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Aus diesem Grund sprachen alle Bewohner des Dorfes deutsch. „Wir hatten zwar einen tschechischen Pass, wurden aber in der Verwaltung als Deutsche geführt“, erklärte die Jubilarin die Widersprüche tschechischer Bürokratie. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wäre nicht der Zweite Weltkrieg gekommen und alle Bewohner von Doglasgrün schlagartig Feinde im eigenen Land gewesen. „Wir mussten weiße Armbinden tragen, um uns als Deutsche sichtbar kenntlich zu machen. Alles Kulturgut wie Bücher oder Schallplatten mussten wir vernichten.“

Auch, dass das Heimatdorf und damit auch das von den Eltern gebaute Haus einem Bergwerk weichen musste, und dem Erdboden gleichgemacht wurde, hat sich tief in das Gedächtnis von Elisabeth Steidl gegraben. In einer zugewiesenen Wohnung lebte das Ehepaar Steidl mit den beiden Töchtern dann. Als 1964 eine Grenzlockerung die Ausreise der ganzen Familie erlaubte, griffen sie sofort zu. In einem Auffanglager in Regensburg fanden die vier eine erste Zuflucht.

Nach dem Tod ihres Ehemannes zog Elisabeth Steidl 1980 nach Haimhausen, zur Familie ihrer Tochter Gertrud. Noch bis vor einigen Jahren besuchte sie auch regelmäßig ihre zweite Tochter Margit in Koblenz.

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In aller Ruhe kann die gelernte Schneiderin nun ihren Lebensabend genießen. Nach der täglichen Lektüre der Dachauer Nachrichten am Vormittag widmet sie sich nachmittags mit Vorliebe ihren Büchern. Die Frage, ob das Lesen noch problemlos funktioniert, beantwortete sie: „Leider brauch’ ich halt eine Brille!“

Zum Geburtstag schenkte ihr ihre Familie einen Flachbildfernseher. „Jetzt muss ich mich wieder mit der neuen Fernbedienung beschäftigen“, meinte sie zum Thema Technik. Doch auch hier steht die Familie zur Seite, falls Fragen auftreten würden. Doch die Dame machte nicht den Eindruck, dass sie Hilfe nötig hätte.

(sh)

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