Zwei Männer, ein Problem: Frustriert über den bisherigen Verlauf des Projekts am ehemaligen MD-Gelände sind Herbert R. Ullmann und Dr. Benjamin Waitz (r.). np

Das letzte Aufbäumen vor der Kapitulation?

Dachau - Ein Jahr gibt es die DEG nun schon - und trotzdem rollen immer noch keine Bagger über das ehemalige MD-Gelände. Weil: Die Politiker nicht in die Puschen kommen. Sagt die DEG. Die Stadträte wiederum können darüber nur den Kopf schütteln - und schon steht das Projekt kurz vor dem Scheitern.

Der erste Geburtstag. Ein netter Anlass, um sich mal zu treffen und ein bisschen zu feiern, dachten sich die Verantwortlichen der Dachau Entwicklungsgesellschaft mbH, und luden die Presse zu einem kleinen Gespräch ein. Um einmal gewisse Dinge auf den Tisch zu bringen: Was gut läuft, was nicht - und was denn so die Bedingungen seien, damit es gut laufen könnte. Wie: Das Abändern des städtebaulichen Vertrags zum Beispiel.

So hatten es sich der Geschäftsführer Herbert R. Ullmann und Dr. Benjamin Waitz als Vertreter der finnischen Eigentümer Myllykoski Oy wohl etwas einfacher vorgestellt, auf dem etwa 17 Hektar großen Gelände ein neues Viertel entstehen zu lassen. Dabei ist der Hamburger Rechtsanwalt keineswegs mit der Arbeit der Stadtverwaltung unzufrieden, die er „ausdrücklich loben“ will. Nein, das Problem sei die Einstellung der Politiker. „Es ist ein Zuviel an könnte, müsste, sollte“, sagte Waitz. „Wir aber brauchen konkrete Forderungen, um die Risiken weiter abschätzen zu können.“ Wobei: „Dass es schwierig wird, war uns schon klar“, lenkte Waitz dann ein. Doch er habe sich „schon vorgestellt, dass nach einem Jahr mehr politische Entscheidungen vorliegen könnten“. Denn, klare Sache, wird das Risiko zu groß, ist das Projekt wieder gestorben. Was gar kein Problem sei, man wolle es eben nur wissen: „Dann sind wir auch faire Verlierer.“

In dieselbe Kerbe schlug auch Ullmann. In die des Risikos. Des finanziellen. Denn das Ausharren und Warten koste viel Geld: „Es arbeiten derzeit mehr als 50 Experten an diesem Projekt - und das wird alles von der DEG vorfinanziert.“ Doch diese Kosten „nehmen wir auf uns“, betonte Ullmann. Wir, dass sind er und die Myllykoski Oy - die „voll dahinter stehen“, so Waitz, aber doch auch „ein bisschen ungeduldig sind“.

Entscheidungen sind es also, die noch fehlen. Doch welche denn? Nun, erstens einmal soll doch das gesamte ehemalige MD-Gelände ausgebaut werden - also mitsamt des ehemaligen Sportplatzgeländes. „Mein Verständnis ist, dass für Dachau - nicht für uns! - das ganze Gelände dekontaminiert wird“, betonte Ullmann. „Wir können nicht ein Problem liegen lassen. Das ist nicht unser Verständnis von Umweltschutz.“ Zweitens soll der städtebauliche Vertrag - der einst zwischen der Myllykoski Oy und der Stadt geschlossen wurde - wieder abgeändert werden. Und zwar bei dem Punkt Dekontamination: So, wie es derzeit festgelegt ist, sei es „technisch nicht machbar“, sagte Ullmann. Nein, die Dekontamination „muss von Süd nach Nord“ erfolgen. „Wir reden hier von ein paar Millionen Euro Unterschied“, drohte Ullmann: „Das ist ein absolutes K.O.-Kriterium.“

Nur: Eigentlich haben die Politiker bereits all diese wichtigen Fragen beantwortet. Mit nein. Sie entschieden sich dagegen, das ehemalige Sportplatzgelände in den Umgriff hinein zu nehmen - und eine Änderung des städtebaulichen Vertrags kommt für sie nicht in Frage.

Und so zeigten sich die meisten Politiker mehr als überrascht von den Aussagen der DEG-Verantwortlichen. „Wir haben uns im Bauausschuss abschließend geäußert“, betonte CSU-Fraktionsvorsitzender Christian Stangl. „Das ist alles völlig abwegig. Da geht es wohl darum, was man gerne hören möchte - und was man nicht hören möchte. Mit der Realität hat das wenig zu tun.“ Auch Christa Keimerl (SPD) erklärte, dass die Fragen „allumfassend“ beantwortet wurden und „wir bei der ursprünglichen Haltung bleiben.“ Wie auch Rainer Rösch (ÜB), für den der Vertrag weiter gilt, der aber trotzdem betonte: „Dass der Investor den leichten Weg gehen will, ist vollkommen verständlich. Nur muss der nicht der beste sein.“

Thomas Kreß (Grüne) zeigte sich dagegen kämpferisch: „Wir werden nicht nach deren Pfeife tanzen und auf Zuruf einen städtebaulichen Vertrag ändern.“ Claus Weber (FW) äußerte sogar „eine gewisse Verärgerung“ darüber, dass „Herr Ullmann über die Presse geht und nicht direkt mit uns spricht“, und betonte: „Der Vertrag steht.“ Kai Kühnel (Bündnis) ging sogar so weit, zu behaupten: „Das ist das letzte Aufbäumen vor einer Kapitulation.“

Nur eine Partei ist komplett auf der Seite Ullmanns: die FDP. „Da bin ich absolut seiner Meinung“, sagte Petra Böhm. „Weil ich einfach froh bin, dass das Gelände endlich jemand in Angriff nimmt.“

Nina Praun

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