Einmal im Rampenlicht stehen: Julia Richter, Ronja Dudda, Laura Hecken, Theresa Rappold, Anna Patzelt, Eva Scheck, Katrin Häberle (v.l.). Foto: kn

Ein Lied- und Tausende hören zu

Indersdorf - Glitzer, Glamour, Rampenlicht. Und sie sind mittendrin, singen. Live. Vor tausenden Zuschauern. Sieben Indersdorfer Gymnasiastinnen haben es auf die ganz große Bühne, ins Fernsehen geschafft. Weil sie anderen in Not geholfen haben.

Die Geschichte von Julia Richter, Anna Patzelt, Theresa Rappold, Ronja Dudda, Eva Scheck, Laura Hecker und Katrin Häberlehatte begann im Frühjahr 2013: Deutschland steht unter Wasser, Menschen verlieren alles was sie haben, es hört nicht mehr auf zu regnen. Auch der Landkreis Dachau bleibt vom Hochwasser nicht verschont.

Während Dschungel-Camp-Kandidatin Georgina Fleur geschmacklos vor Sandsäcken posierte, hatten sich Gymnasiallehrerin Tanja Wawra und ihre Schülerinnen des Oberstufenchors etwas anderes in den Kopf gesetzt: Sie wollten helfen. Über eine Kollegin erfuhr die engagierte Chorleiterin vom Projekt „Singflut“: Singen gegen das Hochwasser.

So sammelten Wawra und ihre Mädels beim Sommerkonzert des Gymnasiums um den Betroffenen zu helfen. Sie sind damit eine von 16 Schulen in Bayern, die sich an der Aktion beteiligen. Dieser selbstlose Einsatz für die Flutopfer entging auch am Bayerischen Rundfunk nicht.

Deshalb wurden diese 16 Schulen vom BR nach Nürnberg eingeladen. Auf die große Bühne in der Stadthalle, im Rahmen der Sternstunden-Spendengala. Nach dem Motto: Wer einmal Gutes tut, kann das auch ein zweites mal.

Was als kurzer Ausflug geplant war, sollte für fünf der sieben Mädels vom Oberstufenchor der reinste Pendelverkehr zwischen Indersdorf und Nürnberg werden. Über 800 Kilometer haben sie in drei Tagen zurückgelegt.

Die Mädels machten sich mit sechs anderen Chorgruppen aus München und Umgebung mit dem Bus auf nach Franken. Zum Einsingen ihres Songs „Bridge over troubled water“ von Simon & Garfunkel. Zusammen mit über 100 anderen Jugendlichen aus Bayern, begleitet am Klavier vom Jazzmusiker und Komponisten Thilo Wolf.

Während Katrin und Ronja den Abend auf dem berühmten Nürnberger Christkindlesmarkt verbrachten, waren die anderen fünf Gymnasiastinnen aus Indersdorf schon wieder auf dem Heimweg. Am nächsten Tag stand eine Klausur an. Pflichttermin.

Kaum war die Tinte trocken und die Klausur abgegeben, saßen die Mädels schon wieder im Bus.

An diesem Abend steht die große Gala an. Sängerlegende Howard Crarpendale, Star-Tenor Jonas Kaufmann und Bayerns Vorzeigemusikerin Claudia Koreck werden auf der Bühne stehen. Und auch der Singflutchor mit Julia, Anna, Theresa, Ronja, Eva Laura und Katrin. „Alles war mega organisiert, jeder Millimeter durchgeplant. Praktisch idiotensicher“, erzählen die Mädchen nach dem Auftritt. Die Aufregung lindert das aber nur bedingt. Vor allem wenn man weiß, dass einem im nächsten Moment hunderte Menschen im Publikum und Tausende vor den Fernsehern zusehen werden. Aber alles geht gut: Als die Mädchen und Buben in ihren blauen Shirts das letzte Mal ihre Stimme senken, bricht das Publikum in tosenden Applaus aus. Den Mädchen und natürlich Tanja Wawra fällt ein Stein vom Herzen.

Doch noch war der Abend nicht zu Ende: Noch immer begeistert erzählen die Mädchen von ihren Bekanntschaften im Backstage: Die Biermöslblosn haben sie getroffen und den Kabarettisten Michael Altinger. Anschließend ging es weiter ins Jugendhotel zur „Aftershowparty“. „Das war klasse“, erzählt die 18-jährige Katrin. „Die Leute waren alle so offen, im Chor ist ein richtiges Gemeinschaftsgefühl entstanden“. Laura (17) sagt schnell: „Da sieht man mal wieder, wie Singen verbindet“. Allein für dieses Gefühl und die 15 Punkte, die jetzt im Zeugnis stehen werden, hat sich diese Odyssee für die Mädchen gelohnt. Aber auch das eigentliche Ziel der Sängerinnen „gemeinsam zu helfen“, ist aufgegangen: Über 5,6 Millionen Euro kamen im Rahmen der Sternstunden-Gala zusammen. Diese werden sozialen Projekten zugute kommen.

Simon & Garfunkel singen: „Like a bridge over troubled water I will ease your mind“ - Ich bin wie ein Fels für dich, wie eine Brücke über wildem Wasser. Das haben sich Lehrerin Tanja Wawra und ihre Schülerinnen zu Herzen genommen.

Von Bartl von Laffert

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