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Sie rocken und rocken und rocken: die Hounddogs bei ihrem Auftritt bei den Ludwigsfelder Kulturtagen. Es war ein Heimspiel für das Quartett. 

Vom KZ-Außenlager zum Stadtteil

Ludwigsfelder Kulturtage im Zeichen der Zeitgeschichte

Einmal im Jahr feiern die Ludwigsfelder sich selbst – bei den Kulturtagen.

Am zurückliegenden Wochenende wurde in dem kleinen Münchner Stadtteil in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gemeinde Karlsfeld wieder viel Musik und Kunst präsentiert. Unter anderem spielte die Ludwigsfelder Band schlechthin auf: The Hounddogs.

Breiten Raum nimmt bei den Ludwigsfelder Kulturtagen stets der Themenbereich Zeitgeschichte ein. Der Ludwigsfelder Ewgenij Repnikov befasst sich schon seit vielen Jahren mit der Geschichte seines Heimatortes. Bei den Kulturtagen brachte er diese Geschichte den Besuchern gemeinsam mit Rozalija Sokola und Rudi Nagora bei einer musikalischen Lesung näher. Für die Internetseite www.siedlung-ludwigsfeld.de hat Repnikov die Entwicklung Ludwigsfelds detailliert beschrieben.

1801 wurde auf Veranlassung des damaligen bayerischen Kurfürsten Maximilian IV. Joseph mit der Urbarmachung des Dachauer Mooses begonnen. Erste Gebäude der Ansiedlung entstanden. Wie Repnikov schreibt, gibt es in der Archäologischen Staatssammlung in München allerdings Zeugnisse für eine Siedlungstätigkeit im Bereich Ludwigsfeld weit vor dieser Zeit.

Über Jahrzehnte war Ludwigsfeld eine kleine, normale Siedlung im Moos. Das änderte sich im Dritten Reich. „1938 wurde zum Schicksalsjahr für Ludwigsfeld“, schreibt Repnikov. In diesem Jahr nämlich wurde die eigenständige Gemeinde entgegen dem Willen der meisten Einwohner durch eine staatliche Verfügung nach München eingemeindet. Viele Dörfer waren damals betroffen, die „Hauptstadt der Bewegung“ sollte schließlich auch von der Größe her endlich ihrem Namen entsprechen.

Im Jahr 1938 begann auch die Produktion von Flugmotoren im BMW-Werk Allach, das ab 1936 nördlich von Ludwigsfeld in den Allacher Forst hineingebaut worden war. Um den Bedarf des BMW-Werks an Arbeitskräften zu decken, entstand in den Jahren des Zweiten Weltkriegs rund um das Werk ein ganzes System an Lagern für Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge aus dem KZ Dachau.

1941 errichtete die Firma ein eigenes Lager mit dem Namen „Lager Ludwigsfeld“ auf der östlichen Seite der Dachauer Straße. BMW verkaufte dieses Lager am 29. März 1945 an die SS, sodass die Besitzverhältnisse an den Grundstücken, auf denen das Lager errichtet worden war, bis Ende der 50er Jahre unklar blieben.

Östlich dieses Lagers, jenseits des Schwabenbächls, auf dem Gebiet der heutigen Siedlung Ludwigsfeld, bestand von März 1943 bis zu seiner Befreiung am 30. April 1945 das KZ-Außenlager Allach, das zeitweise mit 20 000 Häftlingen belegt war.

Nach dem Krieg leerten sich die Lager erst einmal größtenteils, ehe sie in Gestalt sogenannter DPs (Displaced Persons, heimatlos gewordene Ausländer) und deutscher Flüchtlinge und Vertriebener neue Einwohner erhielten. 1952 wurde im westlichen Teil des ehemaligen KZ-Außenlagers auch die Wohnsiedlung Ludwigsfeld errichtet. 200 Wohnungen wurden mit deutschen Flüchtlingen und Aussiedlern belegt, die übrigen 490 bezogen heimatlose Ausländer. Wie Repnikov mitteilt, lebten im Dezember 1952 2908 Menschen in der Siedlung.

Repnikov schreibt: „Ungeachtet aller aus der NS-Zeit herrührenden Nachwirkungen ist in der Siedlung Ludwigsfeld eine einzigartige Gemeinschaft zusammengewachsen, die ihresgleichen sucht und so hoffentlich noch lange weiter bestehen wird.“

Die außergewöhnliche Geschichte der Siedlung Ludwigsfeld greift auch das Evangelische Bildungswerk München auf. Am heutigen Dienstag um 18 Uhr wird in der Herzog-Wilhelm-Straße 24 (Nähe Sendlinger Tor) die Ausstellung „München-Ludwigsfeld: Dorf, KZ-Außenlager, Stadtviertel“ eröffnet. Die Ausstellung ist bis zum 21. Juni zu sehen.  dn

1938 wird zum Schicksalsjahr

Ausstellung wird
heute eröffnet

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