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Lügen und Erinnerungslücken

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Dachau - Nachdem ein 31-jähriger Dachauer im März vor Gericht dreist Unwahrheiten erzählt hatte, musste er nun erneut vor Richter Lukas Neubeck aussagen.

Im Oktober 2012 nachts um kurz vor zwei war der Mann vor dem Haus seiner Ex-Freundin erschienen und klingelte Sturm. Dann ging er zu seinem Auto. Die 32-Jährige folgte ihm. Sie wollte eine Aussprache und hinderte den 31-Jährigen am Wegfahren, indem sie durch das Fenster auf der Fahrerseite nach ihm griff. Der Dachauer fuhr trotzdem los, die Frau stürzte, wurde etwa 15 Meter mitgeschleift und zog sich dabei Schürfwunden an den Füßen sowie Hämatome an den Armen zu.

In der ersten Verhandlung hatte der Fahrer noch abgestritten, überhaupt bei der Ex-Freundin gewesen zu sein. Als sich dies als unwahr herausstellte, ordnete Neubeck eine zweite Verhandlung an. Den Richter interessierte, warum der 31-Jährige losfuhr, obwohl die Frau ihren Arm in das Auto streckte. „Ich hatte Angst. Außerdem stalkte sie mich“, lautete seine Begründung. Neubecks Verständnis dafür hielt sich in Grenzen.

Dann wurde die Geschädigte befragt. Allerdings konnte sie sich nicht mehr an wichtige Details erinnern, die sie in der ersten Verhandlung und bei der Polizei erzählte. Zum Beispiel, dass der 31-Jährige drohte: „Ich fahr jetzt los und zieh dich mit.“ Die Hämatome am Arm deuteten daraufhin, dass der Angeklagte sie festhielt, als er den Wagen beschleunigte. Für Neubeck war klar, dass sie ihren Ex-Freund vor einer höheren Strafe schützen wollte.

Deswegen hakte der Richter nach: „Ich lasse Sie hier nicht gehen. Zeuge zu sein ist nicht immer einfach.“ Mehrfach belehrte er sie über die Konsequenzen von Falschaussagen. Nach rund einer Stunde im Zeugenstand sagte sie: „Okay, dann muss er mich festgehalten haben.“

Da der Dachauer gefährliche Verletzungen in Kauf nahm und sein Verhalten im Straßenverkehr inakzeptabel war, forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung sowie eine Führerscheinsperre. Verteidiger Alexander Korres sah eine Teilschuld bei der Geschädigten, da sie in das Auto gegriffen hatte. Er beantragte, seinen Mandanten freizusprechen.

Richter Neubeck orientierte sich am Vorschlag des Staatsanwalts und verhängte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Dazu muss der Mann sieben Monate auf seinen Führerschein verzichten und 2000 Euro an den Drobs e.V. Dachau zahlen.

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