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Held mit Herzblut: Tamino mag nicht mehr hören, was die „drei Damen“ mitzuteilen haben.

Lyrisches Opernensemble spielt "Die Zauberflöte"

Große Kunst im kleinen Rahmen

Dachau - Und am Ende kriegen sie sich doch: Mit dem Mozart-Klassiker „Die Zauberflöte“ erzählt das Lyrische Opern-Ensemble Dachau eine unterhaltsame Liebesgeschichte – und beweist, dass große Kunst nicht zwangsläufig einen großen Rahmen benötigt.

Das lyrische Opernensemble führt dieses Jahr einen Klassiker für alle Opernliebhaber auf: „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit großartigen Sängern und voller Leidenschaft erzählen die Mitwirkenden die Geschichte des Prinzen Tamino, der seine Geliebte Pamina befreien möchte. Bei der Premiere konnte das Ensemble begeistern. Zwei Vorstellungen folgen noch.

„Tamino ist eine absolute Pflichtrolle für Tenöre“, berichtete Thomas Luckett nach der Vorstellung. Tatsächlich ist der Grundgedanke des lyrischen Opernensembles, professionellen Sängern den Weg zu einem großen Engagement zu ebnen. In Aufführungen wie dieser bekommen die Darsteller die Möglichkeit, in bisher noch nicht gespielten Rollen ihres Stimmfachs aufzutreten. Engagements an großem Hause werden meist nur an Künstler vergeben, die diese Rollen schon einmal innehatten.

Dabei wurden für die Zauberflöte alle Rollen, auch die kleineren Partien, besetzt. Neben den textlich teils schwer verständlichen „drei Damen“ in schwarzen Roben waren die von jungen Studentinnen und Schülerinnen gesungenen „drei Knaben“ absoluter Publikumslieblinge. Auch der Chor und das Orchester unterstützten Handlung und Hauptdarsteller mit vollem Engagement.

Der treuherzige Held Tamino, mit viel Herzblut von Thomas Luckett gespielt, rührte das Publikum mit seinem sonoren, warmen Tenor. Mit seiner gefühlvollen Interpretation der Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ verliebte er sich in ein Bild der Prinzessin Pamina.

„Die Zauberflöte war die erste Oper, die ich je gesehen habe. Seit ich 15 bin, träume ich von der Rolle des Tamino, und nun darf ich sie endlich singen“, freute sich Thomas Luckett. Der Tenor entzückte mit stets wandlungsfähiger, ausdrucksvoller Stimme.

Als Königin der Nacht bot Gesa Jörg mit Glitzerkleid und wuchtiger silberner Krone einen imposanten Anblick. Sie schickt Tamino gemeinsam mit dem Vogelfänger Papageno zur Befreiung ihrer Tochter Pamina aus und gibt den beiden eine Zauberflöte und ein magisches Glockenspiel mit. Später zeigt sich jedoch, dass es in Wahrheit die Königin der Nacht ist, die ihrer Tochter Schlechtes tun will.

Als stolze Bösewichtin meisterte Jörg eine der schwierigsten Arien im Repertoire einer Koloratursopranistin. Anstatt einer wutentbrannt „Der Hölle Rache“ schmetternden Königin interpretierte sie die Rolle mit einer lauernden, gefährlich leisen Bedrohlichkeit.

Herausragend war die Darbietung von Agnes Preis als Pamina. Sie überzeugte nicht nur durch ihre große, klare Sopranstimme, sondern zeigte auch in ihrem roséfarbenen Kleid mit blonden Locken schauspielerisches Talent. Eindrucksvoll, eindringlich und herzergreifend sang sie die Rolle des unschuldigen Mädchens, das sich in Tamino verliebt und vor der Mutter gerettet werden muss.

Zu ihrem eigenen Schutz hält der Fürst Sarastro, gesungen von Marcus Weishaar mit seinem würdevollen Bass, sie bei sich gefangen. Sarastro jedoch sorgt sich nicht nur um die junge Prinzessin, sondern fordert auch von Tamino, sich ihr in etlichen Prüfungen als würdig zu erweisen.

Als das Paar glücklich zueinandergefunden hat, ist der schwatzhafte Vogelfänger Papageno, gesungen von Florian Dengler, immer noch allein. In Hosenträgern, mit Panflöte und auf dem Hemd aufgeklebten Vögeln trinkt er sich seine Einsamkeit schön und wünscht sich „Ein Mädchen oder Weibchen“. Mit viel Witz und Charme lockert Dengler die Stimmung auf. Schließlich findet der liebenswürdige Vogelfänger seine Papagena, dargestellt von der zierlichen Chifumi Matsunaga, und gemeinsam träumten die beiden von ihren kleinen Papagenos und Papagenas, die sie in Zukunft bekommen wollen.

Mit der „Zauberflöte“ stellt das lyrische Ensemble eindrucksvoll unter Beweis, dass es keine gigantischen Kulissen braucht, um eine Oper überzeugend auf die Bühne zu bringen. Das Bühnenbild bestand bewusst nur aus Bildern, die auf eine kleine Leinwand projiziert wurden, z. B. das eines Waldes oder Tempels. Die Sänger traten zum Großteil in Anzügen und Abendkleidern auf, das achtköpfige Orchester unter der Leitung von Christian Jüttendonk war auf der Bühne untergebracht, was die konzertante Absicht zusätzlich unterstrich.

Die Handlung war stets spannend und mitreißend, die Mitwirkenden brachten das Publikum mal zum Seufzen, mal zum Schmunzeln. Die treffliche Regie der halbszenischen Inszenierung führte Rodrigo Trosino.

Karten für die Vorstellungen am 24. September und 1. Oktober gibt es unter Telefon 089/200 49 515.

Susanne Morper

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