Kunstwerke von Kunstwerken: Die Fotografien von Axel Sommer, Silvia Reiter und Michael Matziol (v.l.) sind von der Jury unter 83 Einsendungen ausgewählt worden. Foto: hab

83 magische Momente

Karlsfeld - Silvia Reiter hat ihn erwischt, den richtigen Augenblick. Die paar Minuten, in denen die Abendsonne die richtige Stimmung gezaubert hat. In denen der Karlsfelder See zum perfekten Motiv wurde. In diesem kurzen richtigen Moment hat sie abgedrückt - und ein Gewinnerfoto geschossen

Ein türkisfarbener Vogel sitzt auf einem Pfahl. Im Hintergrund glitzert die Wasseroberfläche des Karlsfelder Sees in der Abendsonne. Es ist ein friedliches Bild, und fesselnd zugleich. Der Vogel ist ein Kunstwerk, der See stimmungsvolle Kulisse. Silvia Reiter hat beides zusammen eingefangen. Sie hat ein wenig experimentiert, sich auf ihr Bauchgefühl verlassen. Und im richtigen Moment auf den Auflöser ihrer Kamera gedrückt. Es war der Moment, in dem das Gewinnerbild des Seh-am-See-Fotowettbewerbs entstanden ist.

Die Entscheidung dazu fiel jedoch erst viel später - und alles andere als schnell. 83 Aufnahmen sind beim Kunstkreis-Vorsitzenden Dieter Kleiber-Wurm bis vergangenen Dienstag abgegeben worden. Sie alle hängen nebeneinander in der GalerieKunstwerkstatt. Dort ist die diesjährige Seh am See weitergegangen, nachdem die Skulpturen und Kunstwerke am Seeufer längst abgebaut waren.

Für Wolfgang Seehaus, Angelika Wültsch und Udo Hartwig, die unabhängige Fachjury, war es keine einfache Entscheidung, die drei besten Fotografien auszuwählen. „Wir sind es andersrum angegangen“, berichtet Hartwig. Per Ausschlussverfahren. Bis nur noch eine kleine Auswahl Bilder übrig war. Fotos, die Stimmung transportiert haben. Die unverwechselbar in Karlsfeld aufgenommen wurden, die unkonventionell angeschnitten oder aus witzigen Perspektiven aufgenommen wurden. Unter ihnen waren die drei Gewinnerbilder von Silvia Reiter, Axel Sommer (2. Platz) und Michael Matziol (3. Platz). „Von diesen Fotos waren wir alle überzeugt“, sagt Hartwig.

Silvia Reiter ist überrascht, als Dieter Kleiber-Wurm bei der Siegerehrung ihren Namen sagt. Damit hat sie nicht gerechnet. „Ich fotografiere gerne und habe meine Kamera immer dabei“, sagt sie. Sie lässt sich gerne inspirieren, experimentiert mit Licht und Perspektive. An diesem Abend am Karlsfelder See ist ihr das besser gelungen, als sie geahnt hatte.

„Die Seh am See hat dieses Jahr viele großartige Motive geboten“, sagt Kleiber-Wurm. „Es sind magische Momente, die die Besucher eingefangen haben.“ Er ist stolz. Auf die Ausstellung. Auf die Idee zu dem Fotowettbewerb. Auf die Ergebnisse. „Es war einfach ein Versuch zu etwas Neuem. Mit dieser Resonanz hat niemand von uns gerechnet.“

Es war die erste Preisverleihung in der 35-jährigen Geschichte des Kunstkreises. Und sie sollte sich unterscheiden von Preisverleihungen in Vereinen, betont Kleiber-Wurm. Deshalb gingen die drei Gewinner-Fotografen nicht mit Pokalen nach Hause - sondern mit gestifteten Kunstwerken. Ob sie ihre Fotos nach der Sonderausstellung zurückhaben wollen, überlies Kleiber-Wurm ihnen. Falls nicht, ergänzte er aber, werde den Kunstkreis-Mitgliedern mit Sicherheit etwas einfallen, um die Seh am See 2012 damit weiterleben zu lassen. (kwo)

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