Kennt sich mit Flüchtlingen aus: Rose Kraus vom Arbeitskreis Asyl. foto: katrin woitsch

Die magische Zahl 50

Karlsfeld - Die Krisenherde in Syrien, in Afghanistan oder dem Irak lassen die Asylbewerberzahlen bayernweit in die Höhe schnellen. Die Kommunalpolitik kämpft mit den Folgen. Die Frage der Kosten und vor allem der Unterkunft in den Gemeinden stellen sich weiterhin als schwierig heraus.

Am Donnerstag hat sich der Gemeinderat von Karlsfeld mit dem Thema zu befassen. Im Kern geht es darum, wo die Unterkünfte, die ab Sommer 2014 rund 50 Asylsuchende beherbergen sollen, aufgestellt werden. Bürgermeister Stefan Kolbe sagt, dass dies ein „Problem ist, das wir jetzt angehen müssen“. Er wolle daher dem Gemeinderat ein Grundstück vorschlagen, das man für diesen Zweck dem Landkreis verpachten könnte. Die Sitzung diene ihm dazu, ein „Stimmungsbild“ seiner Räte zu gewinnen. Außerdem wolle er die Frage der Unterbringung der Asylsuchenden von Anfang an so öffentlich wie möglich behandeln.

Auch wenn sie die Unterbringung der Menschen in Containern als „grausame Sache“ bezeichnet, kann Rose Kraus vom Arbeitskreis Asyl in Dachau die Vorgehensweise Kolbes nur unterstützen. Denn: „Das A und O ist, dass die Menschen offen aufeinander zugehen und dass sie von Anfang an versuchen, Verständnis füreinander aufzubringen.“

Genau dies geschehe nämlich leider viel zu selten: „Viele denken, dass sie zu kurz kommen könnten. Klar, es gibt auch bei uns arme Leute.“ Allerdings sei die Armut in einem Land wie Deutschland nicht mit den kriegsverwüsteten Heimaten der Asylsuchenden zu vergleichen.

In Hebertshausen seien die Menschen im ehemaligen Altenheim Deutenhofen derzeit „vergleichsweise gut“ untergebracht, findet Kraus. Container, wie sie aktuell für Karlsfeld geplant sind, seien dagegen im Winter kalt, im Sommer heiß, kurz: „Entsetzlich!“

Nicole Paulin von der Abteilung Soziales am Landratsamt Dachau verspricht, dass der Landkreis stets versuche, die Unterkünfte der Asylsuchenden so „bedarfsgerecht und schön wie möglich“ zu gestalten. Die Bezeichnung Container sei dabei irreführend: Vielmehr handelte es sich bei den Unterkünften um so genannte „Pavillons“, ähnlich denen, die auch beispielsweise für Schulen oder Kinderkrippen verwendet würden.

Die Verwaltung im Landratsamt habe bei deren Planung leider mit einem ständigen Spagat zu kämpfen: Kleinere Wohneinheiten fördern die Integration der Fremden, vor allem in kleinen Gemeinden. Allerdings sei die Verwaltung der Asylunterkünfte ein „mordsmäßiger Aufwand“, so dass größere Wohneinheiten der Behörde die Arbeit enorm erleichtern.

Zumal: Die Zahl 50 stellt Paulin zufolge eine „magische Grenze“ dar. Sobald in einer Unterkunft mehr als 50 Menschen untergebracht sind, übernimmt der Bezirk die Verwaltung der Einrichtung. Ob daraus nun folgt, dass der Landkreis die Unterkunft in Karlsfeld gleich in einer Größenordnung über 50 Menschen plant, um sie dann an den Bezirk Oberbayern abgeben zu können, kann Paulin noch nicht sagen: „Wir schauen jetzt mal, welches Grundstück uns Karlsfeld zur Verfügung stellt, und sehen dann weiter.“

Die Kosten für Aufnahme und Verpflegung der Menschen bekommt der Landkreis Dachau übrigens erstattet - aus Bundesmitteln, die die Regierung von Oberbayern an den Landkreis ausbezahlt. Die Summen steigen seit Jahren stetig. Wie aus Zahlen des Landesamts für Statistik hervorgeht, gab der Landkreis Dachau im vergangenen Jahr 465 725 Euro für diese Sozialleistungen aus - rund 184 573 Euro mehr als im Jahr 2011. Für das laufende Jahr plant der Kreis „wesentlich höhere Ausgaben“, so Paulin. Schließlich sollen bis Jahresende noch weitere 100 Menschen im Landkreis Asyl finden.

Bislang haben sich neben Karlsfeld nur drei weitere Landkreiskommunen bereit erklärt, Asylsuchende aufzunehmen: die Kreisstadt Dachau, wo für 150 Asylsuchende ein eigenes Asylbewerberhaus gebaut werden soll; Hebertshausen, wo in Deutenhofen aktuell 30 Menschen untergebracht sind; und Markt Indersdorf, das 30 Menschen in der örtlichen Tennishalle ein vorübergehendes Zuhause bieten will.

(zip)

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