Mann onaniert in Massagepraxis: Freispruch

Dachau - Ein 43-jähriger Münchner hat während einer Massage in einem Dachauer Studio onaniert und ist gestern dennoch vom Amtsgericht Dachau freigesprochen worden. Der Grund: ein Stück Stoff.

Der ledige Mann hatte im Februar vergangenen Jahres eine Wohlfühlmassage gebucht. Im Raum befanden sich nur er und die Masseurin, 55. Das Wohlgefühl steigerte sich während der Behandlung in sexuelle Erregung und die wiederum führte zu bestimmten Handbewegungen unter dem Massagehandtuch. Die Therapeutin fühlte sich verständlicherweise aufs Höchste belästigt, gebot dem Mann auf der Stelle aufzuhören und zu verschwinden. Ein Hausverbot schickte sie noch hinterher. Danach ging die Studiobesitzerin, die neben Wohlfühlmassagen Meditationen oder Klangschalentherapie anbietet, zur Polizei und erstattete Strafanzeige.

Die Staatsanwaltschaft erwirkte bei Gericht einen Strafbefehl wegen des Tatbestands der exhibitionistischen Handlung. Der nunmehr Angeklagte legte Einspruch gegen den Strafbefehl ein und - stellte seinerseits Strafantrag gegen die Studiobesitzerin: wegen Verleumdung.

In der Hauptverhandlung „hat sich der Sachverhalt eins-zu-eins bestätigt“, so Richter Tobias Bauer. Dennoch sprach der Vorsitzende den - nicht vorbestraften - Mann frei. Aus rechtlichen Gründen. Denn: Das Geschlechtsteil war während des Onanierens vom Handtuch bedeckt. Und so sei nicht auszuschließen, dass sich die sexuelle Erregung wegen der Massage eingestellt habe. Mit anderen Worten: Das Entblößen fehlte. Oder mit juristischen Worten: Der Tatbestand war nicht erfüllt.

„Angemessen war Ihr Verhalten nicht. Aber ein moralisches Urteil spreche ich nicht“, sagte Richter Bauer. Unverständnis rief bei ihm die Tatsache, dass der Angeklagte zunächst behauptet hatte, die Studiobesitzerin hätte gelogen und alles erfunden. „Die Sache ist sehr bedauerlich, ein Missverständnis. Ich bin eines Besseren belehrt worden“, meinte der Angeklagte und fügte an, in Zukunft „in solchen Situationen mehr Achtsamkeit“ walten zu lassen.

„Meine Freundin hat Zivilcourage bewiesen und ihn angezeigt, obwohl es nicht gut für das Geschäft sein kann. Aber sonst hätte er vielleicht woanders weitergemacht“, so eine der Freundin der Studiobesitzerin auf dem Gerichtsflur. Denn: Der 43-Jährige versuchte wenig später tatsächlich, einen zweiten Termin im Studio zu bekommen. Zudem soll er die Masseurin bei Telefonaten belästigt haben. In einer verklausulierten E-Mail soll er schließlich versucht haben, deren Schweigen zu erkaufen.

(zim)

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