70 Jahre SPD Indersdorf

Wer etwas bewegen will, braucht Ausdauer

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Ein Roter als Bürgermeister in Indersdorf? Vor 65 Jahren aussichtslos. Trotzdem gab es jemand, der den Schneid hatte, sich 1952 zur Wahl zu stellen. Und siehe da: Gleich drei SPDler schafften es bereits damals in den Gemeinderat. Heute feiert die Indersdorfer SPD ihr 70-jähriges Bestehen. Zeit, den Ortvorsitzenden Hubert Böck aus dem Nähkästenchen erzählen zu lassen.

Indersdorf – Sie waren damals zu zehnt. Max Langheinrich, Erich Langheinrich, Herbert Lögler, Georg Blank, Theresia Fischer, Franz Salfer, Ada Salfer, Rudolf Hanusch, Franz Lang und Gustav Pescheck. Diese zehn Indersdorfer trafen sich am 8. Dezember 1946 und gründeten den Ortsverein der Indersdorfer SPD. Am heutigen Freitag feiert der Ortsverein nun sein 70-jähriges Bestehen.

SPD-Ortsvorsitzender Hubert Böck

Der heutige Ortsvorsitzende und Indersdorfs 2. Bürgermeister, Hubert Böck, hat versucht, sich auf die Spurensuche nach den Anfängen der SPDler vor Ort zu begeben – leider ziemlich erfolglos. „Leider gibt’ s dazu gar nichts Genaueres mehr.“ Keine alten Fotos, Dokumente oder jemanden, der etwas erzählen könnte. Doch immerhin – die zehn Namen der Gründungsmitglieder sind überliefert. Und Böck kann ergänzen: „Vertriebene Sozialdemokraten kamen in den Jahren 1946/47 auch in viele Orte des Landkreises. Die Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Sudetenland suchten in der SPD Indersdorf eine neue politische Heimat.“

Seit 70 Jahren gibt es den Indersdorfer Ortsverein der SPD, doch noch nie wurde ein Genosse zum Bürgermeister gewählt. Doch gleich bei der ersten Wahl nach der Vereinsgründung hat es einer gewagt: Es war nachmittags, 16 Uhr, als die Genossen am 24. Februar 1952 im Gasthaus Steidle ihren ersten Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl 1952 nominierten: Georg Blank. Doch der Sattler unterlag bei der Wahl am 30. März 1952 Simon Rabl von der CSU. Im Gemeinderat war Blank trotzdem und wurde in den Waisenrat gewählt und in den Ausschuss für Viehzählung. Insgesamt schafften es mit Blank, Carl Kiesswetter und Franz Lang drei Kandidaten von der SPD-Liste in den Gemeinderat.

Hubert Böck hat auch gehört, dass „in den 50er Jahren in Indersdorf große Veranstaltungen mit hunderten von Teilnehmern stattfanden. Einer der Redner war Waldemar von Knoeringen“. Er war bis 1963 Landesvorsitzender der SPD in Bayern und bis 1962 einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD. Zudem gab es früher auch noch eine rührige SPD-Ortsgruppe in Niederroth, 1992 wurde sie mit Indersdorf zusammengelegt.

Kurz danach begann auch Hubert Böcks Zeit bei der Indersdorfer SPD. Das war vor zehn Jahren. Es war eine Entscheidung aus Überzeugung. „Ich wollte damals etwas beim Thema Kinderbetreuungsplätze verbessern. Schnell war mir klar: Wenn ich was bewegen will, muss ich in den Gemeinderat.“ Böck ging zur SPD, kandidierte bei der nächsten Kommunalwahl als Bürgermeister und kam als Neuling mit Josef Böck als Vertreter der SPD in den Gemeinderat – und musste oft über Familienverhälnisse aufklären: „Ich wurde oft gefragt, ob ich der Sohn von Josef Böck sei. Wir sind aber nicht verwandt.“

Als sich die Situation bei der Kinderbetreuung besserte, kamen neue Themen, bei denen Böck sich sagte: „Da müssen wir auch noch was machen.“ Und so engagierte er sich weiter in der Kommunalpolitik. Er setzte sich als Jugendreferent zusammen mit Paul Böller von den Umweltdenkern für den Bau des Jugendfreizeitgeländes ein. Spätestens da lernte er eine wichtige Lektion in der Politik: Wer etwas bewegen will, braucht Ausdauer. Insgesamt sechs Jahre dauerte es, bis das Gelände letztlich fertig war. Doch trotz aller Rückschläge weiß Böck, dass es sich lohnt, sich nicht abschrecken zu lassen. „Wenn man nicht anfängt, sich für etwas einzusetzen, kann auch nichts draus werden. Man muss an einer Sache dran bleiben, wenn sie einem wichtig ist.“

Und es gibt noch viele Dinge, die Hubert Böck und seiner SPD für Indersdorf wichtig sind. „Wir wollen uns für Windkraft in der Gemeinde einsetzen. Man muss sich heutzutage einfach entscheiden: Will ich ein Windrad vor der Tür, oder will ich ein Atomkraftwerk?“

Zudem wollen sich die SPDler dafür stark machen, dass in Sachen bezahlbarer Wohnraum mehr passiert. Das sind die nächsten großen Ziele des Ortsvereins.

Im Moment hat die Indersdorfer SPD 52 Mitglieder, zu Spitzenzeiten in den 90er Jahren sogar 144. Auch die Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat tut der SPD hier gut. Zwei neue Mitglieder sind dem Verein jetzt beigetreten. „Ich persönlich finde ihn auch sehr gut. Ich finde es wichtig, dass er sich für die Menschen einsetzen will, denen es immer schlechter geht.“

Die 70-Jahr-Feier

der Indersdorfer SPD findet am heutigen Freitag statt. Es gibt zudem ein kleines Kabarett. Beginn ist um 19.30 Uhr im Gasthaus Doll in Ried.

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